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Corona-Krise:Geretsried will Waldsommer retten

Geretsried Waldsommer Volksfest

So unbeschwert wie noch im vergangenen Jahr auf den Geretsrieder Waldsommer gehen, diese Zeiten sind vorbei. Doch der Festwirt des beliebten Rummels, Christian Fahrenschon, arbeitet an einer Alternative, und die Stadt sagt ihre Unterstützung zu.

(Foto: Manfred Neubauer)

Festwirt Christian Fahrenschon bastelt an einer Alternative für das Volksfest. Wie am Ende der Spagat zwischen Gesundheitsschutz, Volksbelustigung und Belangen der Wirtsleute gelingt, hängt von Regierungsauflagen ab.

Das doppelte Jubiläumsjahr der Stadt Geretsried heuer sollte mit einem ganzen Strauß an Veranstaltungen und allem Drum und Dran gefeiert werden. Mit einem Festakt zur 50-jährigen Stadterhebung und 70-jährigen Gemeindegründung, mit einer Maifeier und einem großen Bürgerfest auf dem Karl-Lederer-Platz. Doch bis Ende August sind wegen der Corona-Pandemie alle städtischen Veranstaltungen abgesagt. Hingegen ist die Sache nicht so klar, wenn andere Partner im Boot sind. So soll das Aus nicht den Geretsrieder Waldsommer treffen, wenn es nach Bürgermeister Michael Müller (CSU) geht.

Im Ferienausschuss des Stadtrats am Dienstag ließ er durchblicken, dass er die Wirtsfamilie Fahrenschon nicht hängen lassen will. "Wir wollen ja, dass es im nächsten Jahr weitergeht." Wie genau das vom 31. Juli bis 9. August dieses Jahres geplante Volksfest stattfinden und wie der Spagat zwischen dem Gesundheitsschutz, Volksbelustigung und den Belangen der Wirtsleute gelingen soll, ließ er noch offen. Der Bürgermeister erklärte nur eines dazu: "Der Waldsommer wird anders aussehen als üblich."

Ob es wieder ein Festzelt geben wird, einen Biergarten oder am Ende nur einen Straßenverkauf mit mobilem Hendl-Wagen, mit dem er zurzeit am abgesagten Gmunder Volksfest vertreten ist: Festwirt Christian Fahrenschon, der den Geretsrieder Waldsommer mit Bierzelt und zwei, drei Fahrgeschäften seit 2017 ausrichtet, weiß es auch noch nicht, wie er auf Nachfrage sagte. Der Rosenheimer hat das Corona-Virus selbst schon überstanden und bis auf einen leichten Druck auf der Brust keine Symptome gespürt, aber seine acht Volksfeste im Jahr sind noch lange nicht über dem Berg. Brauchen könnte er den Umsatz dringend. "Die letzten Einnahmen hatten wir im September letzten Jahres." Er weiß aber auch um die Verantwortung, die er für die Besucher hat. "Das ist ja klar, dass wir nicht zur Virenschleuder werden wollen." Entsprechend der Auflagen, die die Regierung der Gastronomie und den Schaustellern bis zum Sommer macht, hat er zusammen mit den Berufsverbänden "drei bis vier" Alternativen entwickelt.

Den Festplatz einzäunen, Einlasskontrollen, Hygienemittel, Selbstbedienung anstatt Bewirtung, weitläufig aufgestellte Tische zählt Fahrenschon seine Vorstellungen auf. Sicherheitspersonal solle eine versehentliche Grüppchenbildung verhindern und eine Einbahnregelung auf dem Festplatz dafür sorgen, dass die Leute nicht wahllos hin und her schlendern. "Und wenn ein Einkaufswagen im Supermarkt regelmäßig abgewischt wird, ist das mit den Gewehren am Schießstand genauso möglich." Auch die Warteschlange bei den Karussells ließe sich auf Abstand halten. Das größte Sicherheitsrisiko sieht er bei den "Betrunkenen und Alkoholexzessen, wie in Ischgl". Was aber auch mit genügend Personal in den Griff zu kriegen sei. Eine endgültige Entscheidung will er erst Anfang, Mitte Juli treffen. Bis dahin könne er abwarten, da ihm keine großen finanziellen Belastungen im Vorlauf entstünden. "Die richtigen Kosten kommen erst mit dem Aufbau."

Große Wirtszelte wie beim Oktoberfest werde es die nächsten ein, zwei Jahre nicht geben, da ist sich der Gastronom sicher, der sich in einer anderen Liga spielen sieht: "Der Waldsommer ist ein kleines bayerisches Volksfest, mit entsprechenden Regeln kriegen wir das hin."

Im Geretsrieder Rathaus signalisiert man Festwirt Fahrenschon Unterstützung. Die Stadt wolle ihm in schwierigen Zeiten ein guter Partner sein, erklärte Pressesprecher Thomas Loibl auf Nachfrage. "Wir sind mit ihm sehr zufrieden, da er die Veranstaltung zu einem erfolgreichen Event gewandelt hat." Loibl könnte sich vorstellen, dass mindestens ein Biergarten möglich sei, da Ministerpräsident Markus Söder hier eine Öffnung signalisiert habe. Aber auch der Stadt bleibe nichts anderes übrig, als abzuwarten. "Wenn Fahrenschon eine Lösung für die Auflagen findet, die er mitgehen kann und will, stehen wir parat."

© SZ vom 02.05.2020

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