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Corona in Penzberg:Kampf gegen die Online-Riesen

Der Verein Pro Innenstadt und die Stadt Penzberg werben für Weihnachtseinkäufe beim lokalen Einzelhandel in einem Video

Von Alexandra Vecchiato, Penzberg

Die Adventszeit - viel gerühmt, weil angeblich still. Doch eher eine Zeit des Konsums und der vollen Geschäfte, bis endlich an Heilig Abend die Welt in der Tat für den Moment der Bescherung zur Ruhe kommt. In diesem Jahr indes sitzt Covid-19 mit an der Festtafel. Corona kennt keinen Advent. Für viele Menschen ist nachvollziehbar die Ansteckungsgefahr Grund genug, mehr als sonst Geschenke im Internet zu bestellen. Zur großen Freude von Amazon und Co. Dagegen wehrt sich die Gewerbevereinigung Pro Innenstadt. Mit einem professionellen Video - zu sehen auf Youtube und anderen Online-Kanälen - wirbt sie für den Weihnachtseinkauf dahoam unter dem Motto "Wo wir heute einkaufen, entscheidet darüber, wie Penzberg morgen aussieht".

Monika Uhl ist eine findige, kreative Frau. Die Pro-Innenstadt-Vorsitzende setzt sich seit dem großen Lockdown dafür ein, das Geschäftesterben zu verhindern. Für Kulturschaffende mag das Jahr 2020 so gut wie gelaufen sein. Soweit soll es beim Einzelhandel und der Gastronomie jedoch nicht kommen. An der Seite von Pro Innenstadt steht das Rathaus. Ein Novum sozusagen. Denn es gab eine Zeit, als sich Gewerbevertretung und Stadtspitze so gar nicht grün waren. Mit Stefan Korpan sitzt jedoch ein Mann im Bürgermeistersessel, der sich erstens "Versöhnung" auf die Fahnen geschrieben hat und zweitens den lokalen Geschäften und Händlern tatkräftig unter die Arme greifen möchte.

So darf der Bürgermeister vor dem Rathaus in die Kamera sagen, dass "gar nicht sicher" sei, welche Geschäfte die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie überstehen werden, wenn die Penzberger Bürger lokale Händler und Gastronomie nicht unterstützten. Etwas statisch steht er da inmitten der Mahnblumen. Aber immerhin: Die Kooperation klappt.

Weitaus dynamischer darf sich Korpans Stellvertreter Markus Bocksberger von Penzberg Miteinander in dem Video präsentieren. Monika Uhl weiß ihren Schwager ins rechte Licht zu rücken. Authentisch kommt der Zweite Bürgermeister rüber, spricht Bairisch, während er durch die Innenstadt schlendert. Überhaupt konnte Uhl für den Dreh auf Stützen des Oberlandler Volkstheaters zurückgreifen, was dazu führte, dass das Video quasi zu einer Familienproduktion wurde. Nicht nur Bocksberger wirkt mit, sondern auch seine Ehefrau und Uhls Schwester Cathi. Zu Wort kommen ebenfalls Kinder und deren Freunde. Mit von der Partie ist ferner Hardi Lenk, seines Zeichens Dritter Bürgermeister.

Das hat dann wohl die Macher bei Sat 1 Bayern überzeugt. Rechtzeitig vor "Black Friday" und "Cyber Monday" stand der Penzberger Einsatz für den lokalen Einzelhandel im Fokus des Fernsehsenders. Eigens in die Kleinstadt kam ein Team, um einen Beitrag zu drehen. Eine halbe Million Euro Umsatz bescheren solche Aktionstage dem Einzelhandel, heißt es darin. Doch das meiste Geld verdienen die Online-Riesen. Pro Innenstadt möchte diesem Ausbluten in Corona-Zeiten entgegenwirken. Auch wenn Maskenpflicht und Hygienevorschriften den Einkaufsspaß leicht trübten, böte der Einzelhandel und die Gastronomie an Ort und Stelle viele Vorteile im Vergleich zum Bestellen im Internet, lautet die Botschaft des Videos. Bessere Beratung, schnell mal in ein Geschäft gehen können und den Einkauf als Erlebnis für die gesamte Familie gestalten - das könne Amazon nicht.

Fünf goldene Regeln werden dem Zuschauer an die Hand gegeben: regional einkaufen; zuerst den Penzberger Online-Shop nutzen; Gutscheine unter den Weihnachtsbaum legen; die Penzberger Citygutscheine einlösen; die Küche kalt lassen und Essen to go holen.

"Aber eines ist sicher. Weihnachten findet heuer statt", heißt es zu Beginn des Pro-Innenstadt-Videos. Auch in der Einkaufsstadt Penzberg, die es zu erhalten gelte, wie Korpan betont. Ganz sicher.

© SZ vom 02.12.2020
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