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Christopherusmedaille:Erfahrener Lebensretter

Christopherusmedaillen-Auszeichung

Michael Spägele (links) bekam zusammen mit Verena Trum die Christopherusmedaille von Ministerpräsident Markus Söder verliehen.

(Foto: Bayerische Staatskanzlei/Rolf Poss/OH)

Michael Spägele wurde für seinen Einsatz ausgezeichnet

Von Leonard Scharfenberg, Schäftlarn

Als er in der Post einen Brief vom bayerischen Ministerpräsidenten sieht, denkt Michael Spägele es sei die Benachrichtigung über die Nachfolge Horst Seehofers. Schließlich ist er ja CSU-Mitglied. Doch es kommt anders: Eine schicke Einladung in die Münchner Residenz erwartet ihn, als er das Kuvert öffnet. Spägele wird die Christopherusmedaille der Staatsregierung verliehen. Grund dafür: Im Januar 2017 rettete er zusammen mit der Münchnerin Verena Trum, die ebenfalls ausgezeichnet wird, das Leben eines Mannes, der auf der Autobahn einen Herzinfarkt erlitt.

Spägele ist Koch und Betriebsleiter in einem internationalen Gebäudemanagementunternehmen. Seit seiner Jugend ist er ehrenamtlich in der Freiwilligen Feuerwehr seines Heimatortes Neufahrn tätig. Auch für die Münchner Johanniter war der 41-Jährige 14 Jahre lang als Sanitäter im Einsatz. Er hat also durchaus Erfahrung mit brenzligen Situationen. Doch als er im Januar 2017 auf der A 95 auf einen Unfall aufmerksam wurde, war seine ganze Konzentration gefordert.

Als Spägele die Schneehaufen und eingedellten Stellen in der Leitplanke entdeckte, habe er sofort an einen Unfall gedacht. "Es sah aus als wäre jemand mehrmals dagegen gefahren", erzählt er. Wenig später fielen Spägele mehrere Autos auf dem Sicherheitsstreifen auf. Trum sei mit Verbandskasten zu einem verbeulten Fahrzeug gerannt, berichtet er. Der erfahrene Sanitäter hielt an, sicherte die Unfallstelle und eilte ebenfalls zum Fahrzeug. Der Mann, der auf dem Fahrersitz des Autos eingeklemmt saß, war nicht ansprechbar. Der 54-jährige hatte während der Fahrt einen Herzinfarkt erlitten und war im Anschluss mehrmals gegen die Leitplanke geprallt. Der Mann sei komatös gewesen, erzählt Spägele. "Ich habe gemerkt, dass der Herr nichts mehr tut", berichtet er.

Mithilfe Trums, versuchte Spägele den Verletzten am Hosenbund aus seinem Auto zu ziehen, um Reanimationsmaßnahmen zu ergreifen. Als Spägele und seine Münchner Helferin den Verletzten aus seinem Fahrzeug befreit hatten, setzte er einen Schmerzreiz. Anschließend begannen die beiden mit der Wiederbelebung. "Frau Trum übernahm die Beatmung, ich kümmerte mich um die Herzdruckmassage", erzählt Spägele. Ein Feuerwehrkollege aus Hohenschäftlarn, der zu diesem Zeitpunkt unterwegs zu einem anderen Einsatz war, sah die Szene und hielt ebenfalls an. Mit einem Defibrillator ausgerüstet, half er die Zeit bis zur Ankunft der Rettungsdienste zu überbrücken. Der 54-Jährige wurde umgehend in ein Krankenhaus gebracht.

Die Verleihung der Christopherusmedaille fand im April in München statt. 45 Lebensrettern aus ganz Bayern wurde die Auszeichnung von Ministerpräsident Markus Söder verliehen. "Bayern dankt seinen Retterinnen und Rettern für ihren selbstlosen Einsatz in größter Not", sagte Söder zur Vergabe der Medaillen. Die Auszeichnung habe ihn sehr gefreut, erzählt Spägele. Es sei eine "wahnsinnig nette Geste", erzählt der Neufahrner und in der Münchner Residenz habe eine "tolle Atmosphäre" geherrscht.

Auch dem Unfallopfer gehe es mittlerweile wieder sehr gut, erzählt Spägele. Er habe einige Wochen in einer Rehabilitationsklinik verbringen müssen. Seine beiden Retter habe der 54-Jährige nach seinem Krankenhausaufenthalt zum Essen eingeladen.

© SZ vom 16.05.2018
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