Noch ist das vorläufige Insolvenzverfahren für die Energiewende Oberland & CO. Carsharing KG nicht abgeschlossen . Doch bereits jetzt deutet vieles auf das endgültige Aus des Unternehmens hin: Einen geregelten Geschäftsbetrieb gibt es nicht mehr. Alle von der KG geleasten und gemieteten Fahrzeuge werden den Eigentümern zurückgegeben, bestätigte der vorläufige Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Hans-Christian Detzer, auf Nachfrage. Seinen Angaben zufolge ist die Suche nach möglichen Investoren bisher enttäuschend verlaufen.

Derzeit erarbeitet Detzer das abschließende Gutachten für das vorläufige Insolvenzverfahren. Bevor die Fahrzeuge jedoch zurückgegeben werden, müsse er noch einige Fragen klären. In einer Sache ist sich der Insolvenzverwalter aber ziemlich sicher. "Hier waren Idealisten am Werk." Unter den gegebenen Umständen sei an ein profitables Wirtschaften eigentlich nicht zu denken gewesen, das Geschäftsmodell defizitär gewesen.
So seien aus seiner Sicht die Nutzungsgebühren zu niedrig angesetzt gewesen, um kostendeckend wirtschaften zu können. Zudem habe die Carsharing KG keinen Kunden langfristig an sich gebunden, sagt Detzer. Auch das schrecke Investoren ab. So habe er zahlreiche Gespräche mit Carsharing-Unternehmen aus der Region über einen Einstieg geführt. Alle Versuche sind jedoch nach Angaben des Insolvenzverwalters fehlgeschlagen.
Immer mehr Menschen nutzen heutzutage Carsharing. Das Geschäftsmodell boomt. So stieg die Zahl der bundesweit registrierten Nutzer bis Ende 2011 auf 262 000 und damit um 15,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Und auch die Carsharing KG mit Sitz in Wolfratshausen schien auf der Erfolgswelle zu reiten. Im September 2010 gegründet, wuchs die Zahl der Nutzer binnen eines Jahres von elf auf 165. Zuletzt fuhren 14 Fahrzeuge, auf denen auch die Bürgerstiftung Energiewende Oberland für das Projekt warb, auf den Straßen im Landkreis.
Für mich ist die Situation schrecklich", sagt deren Vorsitzender Wolfgang Seiler. Eine sehr gute Idee sei auch aufgrund von Managementfehlern an die "Wand gefahren" worden. Doch der Bürgerstiftung seien die Hände gebunden gewesen. Ohne Frage sei dies aber für die Bürgerstiftung ein nicht unerheblicher Imageverlust, sagt Seiler.
Seinen Angaben zufolge habe die Carsharing KG bis März ein Defizit von rund 40 000 Euro gehabt. Der Geschäftsführer der Energiewende Oberland GmbH, Thomas Martin, habe schließlich laut Seiler in einer Gesellschafterversammlung Ende März vorgeschlagen, die Gesellschaft zu liquidieren.
Nach Angaben von Wolfgang Seiler ist die Carsharing KG eine Kommanditgesellschaft der Energiewende Oberland GmbH. An dieser seien wiederum zwei Gesellschafter beteiligt. Zum einen handele es sich dabei um die Münchner Aktiengesellschaft Green City Energy mit einem Anteil von 49 Prozent. Die restlichen 51 Prozent halte eine von der Bürgerstiftung gegründete Beteiligungsgesellschaft mbH. Letztere hatte die gemeinnützige Bürgerstiftung ins Leben gerufen, um Projekte im wirtschaftlichen Bereich umsetzen zu können. (Kommentar, Thema des Tages)