In der Sozialen Arbeit geht es vor allem darum, Menschen zu unterstützen, Wohlbefinden zu verbessern und Teilhabe zu ermöglichen. Wer sich für dieses Studium entscheidet, findet einen Job in der Jugendhilfe, im Gesundheitswesen, bei der Suchtberatung oder Resozialisierungsprojekten. Oft mithilfe von tier- oder naturgestützten Projekten sollen Menschen wieder Integration erfahren. Die katholische Stiftungshochschule München am Campus Benediktbeuern beschreitet dabei neue Wege und bietet einen deutschlandweit einzigartigen Studiengang an. „Green Care“ lässt Soziale Arbeit und Natur im weitesten Sinne zu Partnern werden.

Natur in allen ihren Facetten kann eine therapeutische Wirkung haben. Nur diese helfenden Kräfte stellen sich nicht bei jedem Menschen in selber Weise ein. „Es gibt individuelle Unterschiede. Es bedarf einer genauen Analyse und ganz viel Vorbereitung“, erklärt Professor Michael Spieker, Dekan der Fakultät Soziale Arbeit Benediktbeuern und Studiengangsleiter. Wer etwa mit jungen Leuten einen Waldspaziergang unternehmen wolle, müsse verstehen, dass das, was manche als angenehme Atmosphäre zum Runterkommen erfahren, andere als langweilig empfänden.
Das gelte auch für den Kontakt zu Tieren. Nicht jeder könne mit Hunden, sagt Spieker. Das treffe ebenso auf Pferde, Alpakas oder Hühner zu. „Man darf nicht mit einer Bambi- und Bullerbü-Sicht rangehen“, betont er. Um die gewünschten Effekte zu erzielen, bedürfe es eines pädagogischen Rahmens. Nur so könne Natur tatsächlich wirksam werden.

Die angehenden Fachkräfte der Sozialen Arbeit sollen in Theorie und Praxis methodisch dazu ausgebildet werden, mit Pflanzen, Tieren und Landschaften zu interagieren, um das Wohlbefinden, die soziale Kompetenz und Integration von Individuen und Gruppen zu stärken. Der neue Studiengang, der im Wintersemester 2026/2027 startet, soll Mensch und Natur zusammen denken, so das erklärte Ziel.
Den eigenen Rhythmus finden
Dass ein Studium nötig sein solle, um auf „richtige Weise“ im Grünen unterwegs zu sein, könne durchaus belächelt werden, ist sich Spieker bewusst. „Ich versuche es, so zu erklären: Wenn man etwa mit Kindern nach draußen geht, muss man bedenken, dass einige Mädchen und Jungen keinerlei Vorerfahrung mit sich bringen. Sie haben Natur nie erlebt.“ Was wiederum bedeute, dass sie zum Beispiel gar nicht relaxen könnten. „Wir Menschen sind üblicherweise gestresst in dieser schnelllebigen Zeit.“ Das sei unabhängig vom Alter der Fall. Soziale Medien würden ihr Übriges tun. „Green Care“ möchte es jedem Individuum ermöglichen, seinen eigenen Rhythmus und seine eigene Zeit mit Pflanzen und Tieren zu finden. „Das ist ein umfassender Kreislauf“, sagt Spieker.
Das Studium „Soziale Arbeit mit naturgestützter Intervention – Green Care“ spricht viele Zielgruppen und Anwendungsbereiche an: vom Gemeinschaftsgarten bis zur tiergestützten Intervention mit Nutztieren auf einem Bauernhof, von Demenzgärten bis zum Wasserlabor für Kindergartenkinder, von der Forstarbeit im Rahmen einer Resozialisierung für Jugendliche bis zum Land-Art-Projekt in der Arbeit mit psychisch Erkrankten – und mehr.
Nach sieben Semestern führt es zum Abschluss als staatlich anerkannte Sozialpädagogin/anerkannter Sozialpädagoge. Spieker spricht von einem Studiengang mit viel Praxisbezug. Alle Studierenden – zum Start geht er von 20 Interessenten aus – sollen zudem die Möglichkeiten haben, ihren eigenen Interessen nachgehen zu können. „Wir haben Studierende, die bereits bei Projekten wie therapeutisches Reiten mitwirken. Ich möchte ihnen die Freiheit lassen, sich ein Projekt nach ihrer Neigung zu erarbeiten, das auf zehn Seiten ausformuliert und evaluiert wird.“
Ferner sollen die künftigen Sozialpädagogen vermittelt bekommen, wo sie Zuschüsse für Projekte beantragen können, welche Förderprogramme und Kostenträger es gibt. Um Natur in ihrer Gänze mit dem Studium im Hörsaal zu verbinden, arbeitet die Hochschule mit Praxispartnern in der Region zusammen. In vielen sozialen Einrichtungen, Bildungsstätten und Bauernhöfen hat die Arbeit mit der Natur und mit Menschen eine lange Tradition.
„Natürlich ist unser wichtigster Partner das Zentrum für Umwelt und Kultur hier im Kloster Benediktbeuern“, sagt Spieker. Des Weiteren nennt er unter anderem die Brücke Oberland, das Inselhaus und die Herzogsägmühle. „Es gibt eine Nachfrage, die der neue Studiengang bedient“, betont der Dekan. Wer „Green Care“ erfolgreich abschließe, solle sagen können: „Ich gestalte und vermittle, dass und wie es Menschen wieder gut geht.“

