Geheimtipp im Gewerbegebiet:Hygge unterm Herzogstand

Geheimtipp im Gewerbegebiet: Am wichtigsten ist der Café-Betreiberin Elisabeth Haimerl, dass sich die Gäste bei ihr wie zu Hause entspannen können. Manche fühlten sich so wohl, dass sie sogar das Bezahlen vergäßen, erzählt die Wirtin.

Am wichtigsten ist der Café-Betreiberin Elisabeth Haimerl, dass sich die Gäste bei ihr wie zu Hause entspannen können. Manche fühlten sich so wohl, dass sie sogar das Bezahlen vergäßen, erzählt die Wirtin.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Eigentlich wollte Elisabeth Haimerl einen Deko-Laden eröffnen. Jetzt bringt sie mit ihrem Café Astwerk skandinavisches Lebensgefühl ins Alpenvorland. Obwohl sich der Betrieb im Benediktbeurer Gewerbegebiet versteckt, zieht er immer mehr Kundinnen und Kunden an.

Von Veronica Bezold

Manche Gäste des "Astwerks" wollten schon nach Hause gehen, ohne zu zahlen. Elisabeth Haimerl, die Besitzerin dieses Cafés, schmunzelt. Nicht aus böser Absicht, sondern weil sie sich einfach wie zu Hause gefühlt hätten, erzählt sie. Eine bessere Bestätigung ihres Konzepts könnte sie kaum bekommen. "Gemütlich und familiär", so habe sie sich ihr Lokal immer gewünscht. Im Jahr 2014 hat die gelernte Kaminkehrerin das Astwerk eröffnet und damit ein bisschen Skandinavien-Flair ins Benediktbeurer Gewerbegebiet gebracht.

Das Café sei seitdem gut besucht, obwohl es ursprünglich gar nicht als solches geplant war. "Eigentlich wollte ich nur einen Dekoladen eröffnen", erzählt Haimerl. "Aber weil wir in einem Dorf sind und wenig Laufkundschaft haben, dachte ich, ich mache zusätzlich ein bisschen Kaffee und Kuchen." Ein richtiges Café zu eröffnen, das habe sie nie vorgehabt.

Doch jetzt hat sie beides: Bei selbstgemachten Kuchen und regional geröstetem Kaffee aus Murnau können die Besucher die von ihr persönlich ausgewählten Dekoartikel anschauen und kaufen. Bei den angebotenen Gerichten und Produkten legt die Betreiberin nach eigenem Bekunden viel Wert auf Bio und Fairtrade. "Wir tun da, was möglich ist." Der Klassiker im Astwerk sei der Apfelstreuselkuchen nach dem Rezept der Großmutter eines ihrer vier Mitarbeiter.

Geheimtipp im Gewerbegebiet: Fast alle Möbel sind in Eigenregie gestaltet und gebaut – der Freund der Besitzerin ist Schreiner.

Fast alle Möbel sind in Eigenregie gestaltet und gebaut – der Freund der Besitzerin ist Schreiner.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Das skandinavische "Hygge"-Gefühl, also die gemeinsame und gemütliche Atmosphäre, ist im Astwerk allgegenwärtig. Große, antike Deckenleuchten, die Haimerl aus einem Urlaub mitgebracht hat, und viele Kerzen tauchen die stilvoll in Holz gehaltene Einrichtung in ein warmes Licht - und die ist komplett selbstgemacht.

Ihr Freund, ein gelernter Schreiner, habe fast alle Möbel und das Gebäude gestaltet und erbaut. So besteht die Theke aus Brettern von einem alten Steg am Chiemsee, die Regale kommen vom Blumenhändler ums Eck. "Wir haben uns alles selbst zusammengesammelt", sagt die 50-jährige Betreiberin. Der handwerkliche Einfluss ihres Freundes, das viele Holz und die naturbelassenen Äste, die im Café als Vorhangstangen dienen, geben dem Astwerk seinen außergewöhnlichen Namen.

Inspiriert hat Haimerl ihre Schwedenreise vor einigen Jahren: "Ich mochte das schlichte skandinavische Design." Diese Vorliebe spiegelt sich auch in den Dekoartikeln in ihrem kleinen Laden wider. Mittlerweile ist das Astwerk in Benediktbeuern zu einer Anlaufstelle für viele Kunden geworden, die liebevolle Geschenke und Mitbringsel suchen. "Sonst gibt es hier so was einfach nicht. Wir haben ja nur einen kleinen Buchladen", erklärt Elisabeth Haimerl.

Ihr Lieblingsplatz im Astwerk ist der Außenbereich. Dort kann man bei Rosmarin-Limo auf den Herzogstand, die Ammergauer Alpen und das Freilichtmuseum Glentleiten blicken - oder am Teich den Sonnenuntergang genießen. An lauen Sommerabenden wird Besuchern dank der großen Feuerschale nicht kalt. Im Winter lodert drinnen der Kamin.

Geheimtipp im Gewerbegebiet: Im Außenbereich des Café Astwerk gibt es sogar einen kleinen Teich. Gebadet werden soll hier allerdings nicht.

Im Außenbereich des Café Astwerk gibt es sogar einen kleinen Teich. Gebadet werden soll hier allerdings nicht.

(Foto: Hartmut Pöstges)

"Unsere Besucher sind ganz gemischt", sagt Haimerl. Viele Ältere kämen wegen des hübschen Gartens, aber auch junge Leute und Familien schauten vorbei.

Als sie während der Pandemie ihr Café zeitweise schließen musste, habe ihr der Dekoladen geholfen - immerhin durfte sie diesen zeitweise öffnen. Es sei ihr ganz gut ergangen, auch weil sie nicht viel Miete zu zahlen hatte. Trotzdem: "Es war so schön, als Freunde, Verwandte und Stammkunden endlich wiederkommen durften."

Das Besondere am Astwerk sei das Ursprüngliche, meint Haimerl, das Selbstgemachte und die handverlesenen Produkte. Während das Café dennoch außerhalb von Benediktbeuern lange Zeit als absoluter Geheimtipp galt, scheint sich das nun langsam zu ändern. "Am Anfang war es tatsächlich etwas schwierig, weil einem das Café von der Straße aus kaum auffällt", erinnert sich die Betreiberin. Mittlerweile aber habe sich das hyggelige, also heimelige Gefühl im Astwerk wohl rumgesprochen. Und so finden jetzt auch Murnauer, Münchener, Tölzer und einige Touristen ihren Weg ins Benediktbeurer Gewerbegebiet zu Elisabeth Haimerl, wo man nach der Sommerpause von 11. September an wieder Kaffee und Kuchen genießen kann.

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