Bundestagswahl in Schäftlarn:Einig im Klimaschutz

Bewerberinnen und Bewerber von acht Parteien kämpfen im Wahlkreis München-Land um ein Mandat für den Bundestag. Fast alle von ihnen stimmen darin überein, dass mehr gegen den Klimawandel getan werden muss. Bei anderen Themen wie Wohnraum oder Verkehr vertreten sie zum Teil sehr unterschiedliche Positionen

Von Michael Morosow, Stefan Galler, Martin Mühlfenzl, Claudia Wessel, Irmengard Gnau

Schäftlarn - Acht Parteien schicken im Landkreis München ihre Kandidatinnen und Kandidaten ins Rennen um einen Sitz im Deutschen Bundestag. Manche Bewerber, wie Anton Hofreiter von den Grünen oder der Christsoziale Florian Hahn sind im Berliner Politikbetrieb feste Größen, andere bewerben sich das erste Mal um ein Mandat. Die SZ stellt sie und ihre Standpunkte vor.

Anton Hofreiter, 51, Grüne

Isar-Begehung Anton Hofreiter

Anton Hofreiter von den Grünen.

(Foto: Manfred Neubauer)

Seit 2005 ist Anton Hofreiter nun schon Mitglied des Bundestags, seit acht Jahren fungiert der promovierte Biologe dort als einer der beiden Fraktionsvorsitzenden der Grünen. Zeuge seiner Liebe für Biologie und Pflanzen kann man bei seinen jährlichen Exkursionen im Isartal werden - oder auch in Berlin, wo er jüngst Pflanzenbilder ausstellte. Von seiner politischen Leidenschaft kündet hingegen auch mancher Wutausbruch im Parlament, häufig als Reaktion auf Reden von Alice Weidel (AfD) oder Christian Lindner (FDP).

Die Zeiten, in denen die Industrie auf fossile Brennstoffe setzte, sind für ihn längst vorbei. Auch in der Stahlbranche: "Wir sind beste Freunde bei unseren Treffen", sagt der 51-Jährige über die Industriebosse. Diese hätten gemerkt, dass Deutschland nur dann ein Vorreiter bei der Entwicklung klimaneutraler Produkte werden könne, wenn die Weichen auf ökologische Modernisierung gestellt werden. Früher habe man von der Stahlindustrie bloß gehört, dass man auf Kohle nicht verzichten könne; heute sei auf der Homepage der Hüttenwerke Krupp Mannesmann GmbH in Duisburg, bei denen Hofreiter im August mit dem Elektromobil vorfuhr, das Satz zu lesen: "Wasserstoff treibt uns an." Im Monat davor war Hofreiter bei einem Hersteller von Brennstoffzellen in Brunnthal. Viele Ideen, Erfindungen und Konzepte lägen in den Schubladen, sagt er. "Es müssen nur noch die politischen Rahmenbedingungen geschaffen werden."

Die Grünen als Hoffnungsträger der Industrie - da hat sich zuletzt viel verändert im Lande. Anton Hofreiter aber ist weitgehend derselbe geblieben. Er ist weiterhin dem linken Parteiflügel zuzuordnen, seine blonden Haare reichen noch immer bis über seine breiten Schultern, und es ist ihm wie eh und je egal, wenn sich andere daran stoßen oder darüber lästern.

Neues ergab sich im Privaten: Hofreiter hat geheiratet und ist Vater geworden. Und dass er schon seit längerer Zeit öffentlich im Anzug erscheint, bevorzugt im blauen, darf als spätes Eingeständnis an seine gehobene Position gesehen werden. Wohler fühlt er sich jedoch in Wanderschuhen und Hemd, und damit am liebsten im Wilden Kaiser oder der Jachenau.

Florian Hahn, 47, CSU

Höhenkirchen-Siegertsbrunn, Leonhardizelt, CSU Kreisverband München-Land, Markus Söder;

Florian Hahn von der CSU.

(Foto: Angelika Bardehle)

Seit 2009 vertritt Florian Hahn den Landkreis München als CSU-Abgeordneter in Berlin. Dieses Jahr jedoch sah es zeitweise so aus, als müsse der Putzbrunner ein bisschen mehr um sein Direktmandat kämpfen als bei den drei vorangegangenen Wahlen, schließlich waren die Grünen in der Wählergunst bis vor ein paar Wochen noch auf Augenhöhe mit der Union - und direkter Gegner im Wahlkreis ist kein Geringerer als der Co-Vorsitzende der Bundestagsfraktion, Anton Hofreiter. "Ich bin seit zwölf Jahren immer vor Ort ansprechbar, nicht nur im Wahlkampf, sondern durchgehend", sagt Hahn. "Dieses Versprechen gebe ich auch für die nächsten vier Jahre."

Innerhalb seiner Partei hat Hahn ein gutes Standing: Seit 2019 ist er stellvertretender Generalsekretär der CSU und damit einer der ranghöchsten Vertreter der Partei in Berlin. Auf der paritätisch besetzten CSU-Landesliste steht der 47-Jährige auf Rang sieben. Ob er sich womöglich Hoffnungen auf eine noch einflussreichere Rolle in der nächsten Legislaturperiode macht, lässt Hahn offen: "Erst einmal müssen wir die Wahl gewinnen."

Bundestagswahl in Schäftlarn: undefined

Doch wenn das der Fall sein sollte, will der Putzbrunner den eingeschlagenen politischen Weg weitergehen. Etwa, was die Energiewende angeht. Hier sieht er im Landkreis weiterhin ein "Riesenpotenzial". Die Wohnraumknappheit kann seiner Meinung nach nur durch höhere Bauweise gelindert werden, Hahn sieht dabei aber zuvörderst die Landeshauptstadt in der Pflicht. Was den immer umfangreicheren Durchgangsverkehr angeht, hofft Hahn auf eine deutliche Entlastung, wenn erst der achtspurige Ausbau der A 99 fertiggestellt ist. Hahns Lieblingsthema ist und bleibt jedoch die Sicherung des Wirtschaftsstandorts Landkreis München - und dabei vor allem die Zukunft von Airbus und dem Ludwig-Bölkow-Campus: "Die Fakultät für Luft- und Raumfahrt ist gegründet, nun müssen weitere Schritte folgen", sagt der Abgeordnete und verweist auf das Start-up "Isar Aerospace", das eine kleine Trägerrakete entwickelte, die Kleinsatelliten und Satellitenkonstellationen in den Weltraum befördert. Die Förderung solcher Innovationen sei absolut elementar für den Standort, so Hahn.

Korbinian Rüger, 32, SPD

Bundestagswahl in Schäftlarn: Korbinian Rüger von der SPD.

Korbinian Rüger von der SPD.

(Foto: Claus Schunk)

Dass Korbinian Rüger für die SPD kandidiert, war so erst einmal nicht geplant. Die vergangenen Jahre hatte seine Partei mit allen Kräften versucht, die Planeggerin Bela Bach in den Bundestag zu bekommen. Im Frühjahr 2020 klappte es. Doch bei der Listenaufstellung der Landes-SPD für die Bundestagswahl wurde ihr eine aussichtslose Platzierung zuteil. Sie warf verärgert hin und zog ihre Kandidatur zurück. München-Land stand plötzlich ohne Direktkandidatin da. Da meldete sich Korbinian Rüger, 32 Jahre alt und nicht auf der SPD-Landesliste.

Rüger ist in München geboren, in Planegg aufgewachsen. Nach dem Abitur leistete er Zivildienst, kümmerte sich um Kinder, betreute Bewohner in Altenheimen, fuhr Essen aus. "Das hat mir schon viel gegeben", sagt er. Dann das erste Studium, BWL an der Technischen Universität, aber die Betriebswirtschaftslehre und die "Massenveranstaltungen" an der Riesen-Uni waren nichts für ihn. Die Vorzüge des studentischen Lebens aber habe er schon genossen, sagt Rüger. Die Wohngemeinschaft mit seinem ältesten Freund, das Jobben in einem Klamottengeschäft, das Kellnern. "Ich habe alles gemacht, außer vernünftig zu studieren", sagt er und lacht. Das mit dem Studium klappte dann aber doch: Heute trägt der 32-Jährige einen Doktortitel, er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Ludwig-Maximilians-Universität an der Fakultät für Philosophie, Wissenschaftstheorie und Religionswissenschaft.

Gerechtigkeit sei die große Frage dieser Zeit, sagt Rüger, der seit 2012 SPD-Mitglied ist - auch beim Klimaschutz. "Die Lasten, die wir jetzt eigentlich tragen müssten, schieben wir in die Zukunft und bürden sie Menschen auf, die sich nicht dagegen wehren können und nicht einmal dagegen stimmen können", sagt er. Und gerade beim Thema Klimaschutz mahnt er: "Wir haben nicht mehr genügend Zeit, die nächsten vier Jahre sind so entscheidend, und wir können uns nicht noch einmal eine unionsgeführte Bundesregierung leisten." Das Steuersystem sei zudem ungerecht, wie auch das Gesundheitssystem oder der Wohnungsmarkt. Sein großes Thema neben der Gerechtigkeitsfrage: "Ich will die Vereinigten Staaten von Europa."

Katinka Burz, 40, Linke

Bundestagswahl in Schäftlarn: Katinka Burz von der Linken.

Katinka Burz von der Linken.

(Foto: Claus Schunk)

Als Katinka Burz' Partner noch lebte, sagte er oft: "Geh doch in die Politik!" Er kannte seine Freundin als engagierte Kämpferin für soziale Gerechtigkeit. Doch Burz sagte Nein. Nach seinem Tod hat sie sich umentschieden. Heute ist sie Direktkandidatin der Linken im Wahlkreis München-Land. Sie ist Kreisrätin, auf der Landesliste belegt sie Platz 21.

Seit 2016 lebt Katinka Burz mit ihren beiden Kindern - ihr Sohn ist 21, ihre Tochter 14 Jahre alt - in Kirchheim, wo sie sich jetzt "schon sehr angewurzelt" fühlt, wie sie sagt. In der Linken ist sie seit 2018 Mitglied. "Ich war vorher einfach zu sehr beschäftigt, mit Kindererziehung und Arbeit." Burz ist Kinderpflegerin und arbeitet Vollzeit im "Erziehungsdienst" für obdachlose Familien. Dieser Beruf habe auch dazu beigetragen, dass sie die Linke gewählt hat, um sich politisch zu engagieren, sagt die 40-Jährige.

Vor dem Erziehungsdienst sammelte Burz Erfahrungen in Brennpunktschulen. "Da fiel mir die Bildungsungleichheit auf." Den Begriff "sozial schwach" für die dortigen Schülerinnen und Schüler mag sie nicht. "Sie sind strukturell schwach, armutsgefährdet", diese Formulierung findet sie passender. Und armutsgefährdet sei sie ja auch selbst. "Als Alleinerziehende rast man sehenden Auges in die Altersarmut!" Entsprechend fallen Burz' Forderungen aus. Wer nur bis zu 1200 Euro Lohn erhält, sollte von der Steuer befreit sein, sagt sie. Die Vermögenden sollten weit mehr Steuern zahlen als die Ärmeren, niemand sollte mehr Flaschen sammeln müssen. Und es wäre besser, wenn alle Parteien das Prinzip der Linken beachten würden: "Wir sind die einzige Partei, die keine Großspenden annimmt." Also kein Geld von großen Lobbyisten, die ihre Politik beeinflussen wollen. Statt die Straßen sollte man außerdem lieber den öffentlichen Nahverkehr ausbauen. Viele Ziele, für die man einen langen Atem braucht. "Manchmal wünschte ich, ich könnte mit einem Fingerschnipsen die Welt besser machen."

Das würde sie aber nicht einmal als Bundestagsabgeordnete schaffen. Bei allem Reiz, den Berlin auf sie ausübt, findet sie es deshalb nicht schlimm, vermutlich doch in Kirchheim und im Kreistag zu bleiben.

Gerold Otten, 65, AfD

Gerold Otten, 2020

Gerold Otten von der AfD.

(Foto: Claus Schunk)

Gerold Otten ist in einem sozialdemokratischem Haushalt groß geworden: Sein Vater war 20 Jahre lang SPD-Bürgermeister im niedersächsischen Lübberstedt. Heute lebt Otten in Putzbrunn und bewirbt sich als Direktkandidat der AfD - mit Platz neun auf der Landesliste wird er wahrscheinlich zum zweiten Mal in den Bundestag ziehen. Ottens Jugendtraum war das Fliegen. "Ich wollte schon früh, mit 13, 14 Militär werden und fliegen." Er erfüllte sich diesen Traum und wurde Berufsoffizier, nahezu 20 Jahre lang ist er den Tornado geflogen. "Das waren die besten Jahre meines Lebens", blickt er zurück. "Dinge, die beim Militär zählen, wie Kameradschaft, Pünktlichkeit, Pflichtgefühl, Verantwortung übernehmen als Vorgesetzter - das hat mich geprägt und ist auch reizvoll." Im Anschluss an seine militärische Laufbahn war Otten etwa 20 Jahre in der Luft- und Raumfahrtindustrie tätig, unter anderem bei Airbus. In die Alternative für Deutschland (AfD) trat er 2013 ein, 2016 wurde er Kreisvorsitzender, 2017 Bundestagsabgeordneter.

Otten will sich keiner Strömung innerhalb der AfD zuordnen, er pflege gute Kontakte in alle Bereiche - auch in den sogenannten Flügel hinein, der offiziell aufgelösten Gruppierung um den Thüringer Fraktionsvorsitzenden Björn Höcke, in dem sich vor allem völkisch-nationale und rechtsextreme Kräfte versammelt hatten. Ja, er teile auch Positionen des Flügels, sagt Otten. Das Thema Migration werde in den Wahlkampfwochen von der AfD klar zum Thema gemacht, denn es sei zu befürchten, dass die Geschehnisse in Afghanistan eine weitere Flüchtlingswelle nach sich ziehen würden. Und das große Thema Klimaschutz? Otten sagt, es gebe natürlich den Klimawandel, nur ob dieser menschengemacht sei, da habe er seine Zweifel. Wenn der CO₂-Ausstoß das große Übel sei, dann müsse dieser auch mit deutschem Geld in den Ländern bekämpft werden, in denen er hauptsächlich erzeugt wird - in Indien und China etwa. In der Corona-Krise wünscht sich Otten Freiheiten zurück; die vulnerabelsten Gruppen seien geimpft, es gebe keine Rechtfertigung mehr für Grundrechtseinschränkungen.

Axel Schmidt, 53, FDP

Axel Schmiddt

Axel Schmidt von der FDP.

(Foto: Privat/oh)

Axel Schmidt mag Veränderung. Er ist in den vergangenen Jahren sieben Mal umgezogen, hat in Amerika gelebt, in Italien und in der Steiermark, hat 70 Länder bereist, war viel mit dem Wohnmobil unterwegs, denn er sagt: "Erfahrung kommt von fahren." Seit vier Jahren ist er zurück in Oberhaching, wo er mit seiner Frau und den beiden inzwischen erwachsenen Kindern 2007 ein Haus gebaut hatte, bevor seine Firma ihn wieder nach Amerika schickte. Vergangenes Jahr trat er für die FDP als Bürgermeisterkandidat in Oberhaching an, jetzt bei der Bundestagswahl als Direktkandidat für den Landkreis München. Seine Ideen hat Schmidt in einem Zwölf-Punkte-Programm zusammengefasst.

Die Regierung sei gelähmt, und auch das Parlament könne neue Sichtweisen sehr gut gebrauchen, findet Schmidt: "Vor allem brauchen wir mehr Geschwindigkeit." Deutschland sei überreguliert. In anderen Ländern sei es zum Beispiel viel einfacher, Firmen zu gründen als in Deutschland. "Bei uns ist alles extrem komplex und abschreckend." Leistung müsse sich mehr lohnen, findet er. Das betrifft für ihn die Besteuerung genauso wie allgemein Fleiß und Talent. "Fleiß muss wichtiger sein als Herkunft." Was er überhaupt nicht leiden könne, sei Faulheit. Er sieht die FDP keineswegs als Partei der Besserverdienenden, sondern als Partei der Leistungswilligen und Leistungsträger.

Sollte er den Landkreis München im Bundestag vertreten dürfen, dann steht das Thema Wohnraum oben auf seiner Agenda. Im Nordosten der Region sieht Schmidt noch einiges Potenzial, um neuen Wohnraum zu schaffen und Druck aus dem Markt herauszunehmen. Auch müsse mehr auf Genossenschaften und Erbpacht gesetzt werden, findet er. Zur Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur könnte er sich Schienen entlang des Autobahnrings A 99 vorstellen, und die Bildungssysteme in Deutschland sind ihm viel zu unterschiedlich. Schmidts Chancen, als Direktkandidat in den Bundestag einzuziehen, sind eher gering. Auch sein 21. Platz auf der Liste ist wenig vielversprechend. Demotivieren lässt er sich davon nicht: Die Vielfalt im politischen Angebot ist ihm wichtig.

Gerhard Kißlinger, 50, Freie Wähler

Gerhard Kißlinger, Freie Wähler

Gerhard Kißlinger von den Freien Wählern.

(Foto: Robert Haas)

Eigentlich hat die Corona-Pandemie Gerhard Kißlinger in die Politik gebracht. Im Herbst 2019 hatten ihn Vertreter der Freien Wählen im Biergarten angesprochen, ob er sich nicht vorstellen könnte, im Vorfeld der Kommunalwahl ein bisschen mitzumischen. Kißlinger stellte viele gemeinsame Ansichten fest und bemerkte in den folgenden Monaten mit dem Fortschreiten der Pandemie, dass er keineswegs alle Schritte der Koalition nachvollziehen konnte: "Klar, dass die Entscheidungsträger am Anfang nicht viel wussten und deshalb vieles schief lief", sagt der 50-Jährige. "Aber wenn ihnen jetzt nach anderthalb Jahren wieder nichts anderes einfällt, als die Kinder wegzusperren und Freiheitsentzug zu verhängen, dann ist das zu wenig." Kißlinger ist jetzt Direktkandidat der Freien Wähler für den Bundestag.

Früher war er Fußballer. Er spielte von seinem siebten Lebensjahr an beim FC Bayern, wurde U-18-Nationalspieler, war dann eine Saison in der zweiten Bundesliga beim VfL Osnabrück. Verletzungsbedingt gab er den aktiven Profifußball auf. Seine Leidenschaft dafür er nie. Nach seinem Ingenieurstudium ging Kißlinger als Koordinator im Nachwuchs- und Amateurbereich zum TSV 1860 München. Heute arbeitet er beim DFB. Die Nähe zum Fußball schien im bei der Stichwahl auf dem Nominierungsparteitag der Freien Wähler zu helfen: "Ich habe dann eine zehnminütige motivierende Trainer-Rede gehalten, dann gab es einen großen Applaus, und die Gegenkandidatin hat zurückgezogen."

Im Programm nennt der Martinsrieder neben der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum und einem sinnvollen Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs (inklusive der zügigen Fertigstellung der U-Bahn-Verlängerung bis in seinen Ortsteil hinein) auch den Klimaschutz: "Alle Entscheidungen, die in Zukunft getroffen werden, müssen unter klimapolitischer Betrachtung gefällt werden." Allerdings fügt er hinzu: "Immer in Balance zur Machbarkeit." Ein Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen sei zwar nötig, aber nicht Knall auf Fall zu realisieren. "Ich sehe den Wasserstoff als Hauptantriebstoff der Zukunft, aber die Entwicklung wird noch dauern."

Yannick Rouault, 27, ÖDP

Bundestagswahl in Schäftlarn: Yannick Rouault von der ÖDP.

Yannick Rouault von der ÖDP.

(Foto: Claus Schunk)

Als Kind fuhr Yannick Rouault regelmäßig mit seinen Eltern und seinem Bruder die Verwandtschaft in Frankreich besuchen - mit dem Zug. Ein Auto besaß die Familie nicht, Fliegen kam für die Eltern aus ökologischer Überzeugung nicht in Frage. Rund zwölf Stunden dauerte die Fahrt. Zwei Dinge hat Rouault aus dieser Erfahrung mitgenommen: Er ist bis heute begeisterter Zugfahrer. Und er beschäftigt sich mit stillgelegten Strecken.

"In Frankreich musste mein Opa uns immer von Châtellerault mit dem Auto abholen, denn für den letzten Teil der Strecke fuhren einfach keine Züge mehr", erinnert sich der 27-Jährige. Stillgelegte Routen faszinieren den freiberuflichen Kameramann und Fotografen zwar aus ästhetischer Sicht. Doch er will sich dafür stark machen, dass auch in Deutschland wieder mehr auf den Zug gesetzt wird, anstatt auf den immer weiteren Aus- und Neubau von Straßen. Dafür bewirbt sich der Ottobrunner als Direktkandidat der ÖDP im Landkreis München für den Bundestag.

Rouault hat sich 2017 der ÖDP angeschlossen. Damals studierte er an der Hochschule für Medien in Stuttgart. Er entschied sich für die ÖDP und nicht für die Grünen, die sich ebenfalls stark für Umweltthemen einsetzen, weil die ÖDP nicht ein umweltverträgliches Wirtschaftswachstum unterstütze, sondern sich wachstumskritisch positioniere. "Wir müssen ein, zwei Schritte zurück machen", sagte Rouault. "Das Wachstum der vergangenen 20 Jahre war nur möglich auf Kosten anderer und der Umwelt." Gerade rund um München sieht er viele Ansatzpunkte, um eine Mobilitätswende anzustoßen. Insbesondere das Radwegenetz müsse ausgebaut, der ÖPNV gestärkt werden. Das, ist Rouault überzeugt, würde auch das Wohnen außerhalb der Metropolregionen wieder attraktiver machen, so den Druck nach ständig neuem Wohnungsbau in Ballungsgebieten und die damit verbundene Flächenversiegelung mindern.

In der kommunalen ÖDP will sich Rouault langfristig engagieren. Er will sich für den Vorsitz im Ortsverband bewerben, 2026 soll es dann auch mit dem Sitz im Ottobrunner Gemeinderat klappen.

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