Kommunalpolitik in MünsingLange Bilanz und eine kurze Demo

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Schlichter vor dem Rathaus: Bürgermeister Michael Grasl (links) mit Demonstranten gegen die geplanten Windräder im Oberland.
Schlichter vor dem Rathaus: Bürgermeister Michael Grasl (links) mit Demonstranten gegen die geplanten Windräder im Oberland. Hartmut Pöstges

Bei Michael Grasls letzter Bürgerversammlung in Münsing wird gegen Windkraft im Oberland protestiert. Doch dem Rathauschef gelingt es, die Emotionen weitgehend zu kanalisieren.

Von Benjamin Engel, Münsing

Bei seiner inzwischen 21. Bürgerversammlung in zwei Jahrzehnten braucht der Münsinger Rathauschef Michael Grasl (Freie Wähler) knapp eineinhalb Stunden und damit länger als gewohnt, um seinen Rechenschaftsbericht zu beenden. Offenbar will er an diesem Montagabend im Pallaufsaal des Gemeindezentrums etwas länger Bilanz ziehen, schließlich ist es seine letzte Bürgerversammlung. Zu den Kommunalwahlen im Frühjahr 2026 tritt Grasl nicht mehr an. Dann endet seine Amtszeit im Münsinger Rathaus nach 21 Jahren.

Abgesehen von der längeren Rede aber lässt er sich davon nichts anmerken – und beendet die Versammlung unspektakulär mit einem schlichten „Servus und habe die Ehre“. Seinem Nachfolger wünscht Grasl eine glückliche Hand, Mut und ein gutes Miteinander mit Gemeinderat und Verwaltung, mit der dieser eine Einheit bilden sollte.

Darüber hinaus bleibt auch diesmal in der Bürgerversammlung vieles beim Gewohnten, auch bei den Themen, die von der Verkehrsbelastung, über den Mobilfunk bis zum schleppenden Breitbandausbau reichen. Auch Johannes Müller meldet sich wie so oft kritisch zu Wort. Er beklagt den steigenden Schwerlastverkehr, wenn die Kommune wie beabsichtigt an der Degerndorfer Angerbreite ein Gewerbegebiet ausweise und dem Unternehmen Agrobs erlaube zu erweitern. Und zweifelt daran, dass der Futtermittelhersteller so intensiv Staub produziere, dass er sich in kein Gewerbegebiet integrieren lasse.

Die Antwort des ebenfalls anwesenden Landrats Josef Niedermaier (FW): Ob die Erweiterung genehmigt werde, hänge nicht am Staub. Das Unternehmen Agrobs habe sich aus einem landwirtschaftlichen Betrieb entwickelt und sei daher privilegiert. Den Bauantrag des Futtermittelproduzenten gelte es zu prüfen – darauf, ob die Festsetzungen des von der Kommune vorangetriebenen, aber momentan ruhenden Bebauungsplans eingehalten würden, wie Bürgermeister Grasl ergänzt.

Für den Verkehr in Degerndorf kündigt Grasl ein Konzept an

Münsings Rathauschef wirkt an diesem Abend darum bemüht, stärkere Emotionen zu kanalisieren. Und das gelingt ihm weitgehend. Als noch mehrere Einwohner Lösungen für die Verkehrsproblematik durch die Erweiterungen in Degerndorf anmahnen, stimmt ihnen Grasl zu. „Das ist richtig“, gesteht er. Die Kommune müsse sich mit dem Thema befassen, sagt der Bürgermeister und verweist etwa darauf, dass es für die Degerndorfer Straße ein eigenes Verkehrskonzept geben werde. Tonnagenbeschränkungen für größere Lastwagen seien aber nicht möglich.

Wenn Grasl dann davon spricht, dass die Kommune in schwierigen Zeiten investiert und damit die Wirtschaft gestärkt habe, zieht er auch Bilanz in eigener Sache. „Mit Abwarten und Zaudern wäre das nicht passiert“, betont er und erwähnt das Bürgerhaus mit Platz für die Verwaltung und Veranstaltungen im Pallaufsaal, das nach aktueller Prognose von 22,85 Millionen Euro im Kostenrahmen geblieben sei und das Trinkwassernetz mit dem 2024 fertiggestellten Hochbehälter in Weidenkam.

Gleichzeitig mahnt Grasl an, dass sich die Gemeinde künftig wieder mehr auf ihre Pflichtaufgaben konzentrieren müsse. Und er beklagt, dass die Bundes- und Landespolitik zu wenig mit den Kommunen kommuniziere, etwa bei Baurechtsreformen, die viele Fragen offen ließen.

Hitzig wird es im Saal beim Thema Windkraft

In der Bürgerschaft bemängelt der Rathauschef steigende Akzeptanzprobleme gegenüber Aussagen der Gemeinde. Als Beispiel nennt er eine von Anwohnern lieber gesehene Bedarfsampel statt des im Verkehrskonzept vorgesehenen Zebrastreifens für mehr Schulwegsicherheit an der Kreuzung der Bach- mit der Hauptstraße. Die Gemeinde bremse in diesen Fragen nicht, so Grasl. Eine zweite Ampel an der durch Münsing führenden Staatsstraße würden die übergeordneten Behörden aber nicht erlauben.

Hitzig wird es dann im Saal, als sich Martin Ruhland aus Weipertshausen zu Wort meldet. Er hat vor Beginn der Bürgerversammlung eine Demonstration für ein windradfreies Oberland angemeldet. Ruhland beklagt, dass die etablierten Parteien nicht zum Wohle des Volkes agierten. „Dann kandidieren Sie doch selbst“, entgegnet Grasl. Generell kommen Ruhlands Aussagen im Pallaufsaal nicht gut an.

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Wer fordere, die Windkraft zu stoppen und keine Vorrangflächen auszuweisen, stellt Landrat Niedermaier klar, sorge dafür, dass die Anlagen privilegiert seien, also nach Prüfung überall am Land gebaut werden könnten. Bund und Länder hätten gesetzlich festgelegt, 1,8 Prozent der Fläche für Windkraft auszuweisen. Das umzusetzen, habe der Freistaat an die 18 Planungsverbände delegiert.

Für die Region Oberland sei er der Vorsitzende, erklärt Niedermaier. Nachdem die dortigen Gemeinden zu aus ihrer Sicht kritischen Lagen befragt worden seien, blieben noch 1,7 Prozent der Fläche übrig. Jetzt gehe es ins zweite Auslegungsverfahren. Der Planungsverband werde sich schwertun, auf das 1,8-Prozent-Ziel zu kommen. Wer das Gesetz ändern wolle, brauche eine demokratische Mehrheit, was nicht so einfach sei, sagte Niedermaier. „Wir können keine Rebellion von unten machen“, so der Landrat. „Ohne Energie sind wir erpressbar.“ Mit drei, vier Windrädern im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen könne er leben.

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Zwei Jahrzehnte Bürgermeister
:„Das Hauptgeschäft ist, Moderator zu sein“

Als Münsinger Bürgermeister kam Michael Grasl 2005 ins Amt, nachdem sein Vorgänger Franz Ertl sich wegen schwerer Krankheit zurückgezogen hatte und gestorben war.  Grasl ist verheiratet und hat zwei Töchter. Die beiden sind während seiner beiden Jahrzehnte als Bürgermeister erwachsen geworden. Jetzt wird er bald Großvater.

Interview von Benjamin Engel

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