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Bürgermeisterwahl in Icking:Eine Ohrfeige für Menrad

Margit Menrad sollte sich ihr Ergebnis nicht schönreden. Denn die demokratische Legitimation der Frau, die Ickings Geschicke in den nächsten acht Jahren leiten wird, ist sehr mager.

Ingrid Hügenell

Margit Menrad sollte sich ihr Ergebnis nicht schön reden. Denn es ist nicht schön. Nicht einmal ein Drittel der Ickinger hat sich am Sonntag die Mühe gemacht, eines der Wahllokale aufzusuchen und darüber zu bestimmen, wer künftig Bürgermeister im Ort sein soll. 87,4 Prozent der nur 750 Menschen, die ihr Kreuzchen machten, stimmten für Margit Menrad. Damit ist die demokratische Legitimation der Frau, die für die nächsten acht Jahre die Geschicke Ickings lenken wird, nur als sehr mager zu bezeichnen. Offenbar ist es Menrad, die keinen Wahlkampf machte und auch kein Wahlprogramm hatte, nicht gelungen, die Menschen für diese Abstimmung zu interessieren, sie von ihrer Bedeutung zu überzeugen.

Zudem waren 53 Stimmzettel ungültig - mehr als sieben Prozent. Fast 13 Prozent der Wähler schrieben andere Kandidaten auf den Stimmzettel. Das ist ein deutliches Zeichen dafür, dass bei weitem nicht alle Ickinger zufrieden sind mit Menrad und auch nicht damit, dass sich kein Gegenkandidat fand. Denn es ist ja beileibe nicht schwer, in einen einzelnen Kreis ein Kreuzchen zu setzen. Den weitaus meisten aber war die Wahl offenbar herzlich egal. Das ist ein trauriges Ergebnis für die Demokratie in Icking. Und es wird dadurch kein bisschen besser, dass Menrad allen ihr Verständnis bescheinigte, die nicht zur Wahl gingen. Kein Politiker sollte verstehen, wenn die Menschen nicht interessiert, was er tut. Desinteresse als Einverständnis zu deuten ist mindestens gewagt.

Ganz anders die Situation in Gaißach: Auch dort wurde gestern ein neuer Bürgermeister gewählt. 56,7 Prozent der Wahlberechtigten gingen an die Urnen. Von diesen wählten 86,2 Prozent Stefan Fadinger - und der hatte einen Gegenkandidaten. Andreas Dachs kam aus der Protestbewegung gegen eine Tetrafunkantenne und setzte auf mehr Bürgernähe. Das reichte den Gaißachern nicht. Sie setzten auf das Bewährte - eben auf Fadinger, den sie aus dem Gemeinderat schon lange kennen.

© SZ vom 02.07.2012
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