bedeckt München

Bürgermeister sieht keinen Bedarf:Expertise für den Stadtrat

Fachleute offerieren Hilfe bei Ansiedlung von Marvel Fusion

Der geplante Umzug des Münchner Hightech-Unternehmens Marvel Fusion nach Penzberg beschäftigt weiter die Stadtpolitik. Im nicht-öffentlichen Teil der Stadtratssitzung am Dienstagabend unternahm die ehemalige Bürgermeisterin Elke Zehetner (SPD) einen neuen Vorstoß. Die Bürger beschäftige die Frage sehr, was am Nonnenwald mit dem letzten Industriegrundstück in Penzberg passieren soll, so Zehetner in einer im Nachgang verschickten Mail. Die Leute begleiteten das Projekt "mit Interesse, vielen Fragen, aber auch mit Besorgnis". Marvel Fusion will in Penzberg ein riesiges Fusionskraftwerk errichten, mit dem sich zwar sauberer Strom erzeugen ließe, allerdings befindet sich dieses Verfahren auch noch in der Erforschung. Deswegen sei "größte Transparenz und gute Kommunikation" nötig, so Zehetner.

Bei der Aufklärung über das Projekt helfen sollen zwei Fachleute, die selbst in Penzberg wohnen: Karsten Kemeter ist ein promovierter Quantenphysiker, der beim PWC-Vorgänger Booz & Company jahrelang als Managementberater für Technologie gearbeitet hat und heute als Chief Technology Officer für die Nachrichtentechnik bei der Deutschen Bahn zuständig ist. Der Ingenieur Dietmar Ahl ist Geschäftsführer bei der Günter Bechtold GmbH in Weilheim und dort im Unternehmen unter anderem verantwortlich für die Beurteilung von Fremdfirmen und Geschäftsanbahnungen.

Kemeter und Ahl wollen die Planungsunterlagen auswerten, mit Marvel Fusion offene Fragen klären und gegebenenfalls weitere Expertenstimmen einholen. Das Material wollen die Fachleute dann so aufbereiten, dass auch für einen Laien nachvollziehbar wird, wo die Chancen und Risiken eines Fusionskraftwerks liegen.

Ob die Stadt dem zustimmt, ist noch nicht abschließend geklärt. Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) sieht momentan keinen Bedarf für eine weitere Expertenbeteiligung. Es seien bereits der TÜV, die Fachbehörden und mehrere andere Experten involviert, sagt Korpan. Er werde das persönliche Gespräch mit Kemeter und Ahl suchen. Aber auch wenn die beiden nur eine Aufwandsentschädigung von 2500 Euro fordern, zu entrichten als Spende an eine soziale Einrichtung in Penzberg, stehe das aktuell nicht zur Diskussion, erklärt der Bürgermeister.

© SZ vom 27.11.2020 / zif
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