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Münsinger Politik:Bürgerantragspläne gegen Bürgerhaus

Grünen-Kreisrat Nikolaus Mair Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen

Grünen-Kreisrat Nikolaus Mair fürchtet, dass sich die Kommune mit dem Bau des Bürgerhauses finanziell übernehmen könnte.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Von Benjamin Engel

Trotz breiter Zustimmung für den Bauantrag zum Bürgerhaus will der Münsinger Grünen-Kreisrat Nikolaus Mair die Pläne stoppen. Laut einem Schreiben will er für einen Bürgerantrag oder ein -begehren Unterschriften sammeln. Für ihn übernimmt sich die Kommune mit geschätzten Baukosten von mehr als 20 Millionen Euro. Ehe weiter geplant wird, müssten erst das Lärmschutzgutachten und eine Betriebskostenberechnung vorliegen. "Ich finde das sehr fahrlässig, wie das die Gemeinde vollzieht", sagt er.

Abseits dessen hat der Gemeinderat bereits Fachplaner mit der Ausführungs- wie Vergabeplanung beauftragt. Ein Antrag der Grünen-Räte Christine Mair und Matthias Richter-Turtur, dies zurückzustellen, wurde abgelehnt. Mair wollte erst entscheiden, wenn das Landratsamt den Bauantrag bewilligt habe und alle Fördergelder feststünden. "Das sollte mit dem Immissionsschutz geklärt sein", sagte Mair.

Die Gräben im Gemeinderat hat dies eher vertieft. Bürgermeister Michael Grasl (Freie Wähler) warf den zwei Grünen-Räten vor, mit dem Gremium nicht an einem Strang zu ziehen. "Das Misstrauen, das entsteht, ist schade", sagte er. Die Planer müssten darauf vertrauen, dass der Bauherr das Bürgerhaus realisieren wolle. Bauamtsleiter Stephan Lanzinger sprach von einem normalen Vorgang. Die Verwaltung rechne, dass das Immissionsschutzgutachten bald vorliege, das dann alle Gemeinderäte einsehen können. "Ich denke, da wird es keine Überraschung geben."

Trotzdem befürchtet das Ehepaar Mair Lärmschutzprobleme bei größeren Veranstaltungen im Saal für bis zu 400 Gäste. Von "Alarmismus" und "Problematisierungsversuchen" spricht Bürgermeister Grasl. Für ihn kommt Mairs Ankündigung, aktiv gegen die Planungen vorzugehen, Jahre zu spät. Kulturschaffende hätten Bedarf formuliert. Der Architektenwettbewerb hätte den Steuerzahler inklusive staatlicher Fördermittel um die 111 000 Euro gekostet. Es habe vier Sonderklausuren des Gemeinderats gegeben. Bei den Baukosten würden staatliche Fördergelder außer Acht gelassen. Die Folgen, eines Bürgerantrags oder -begehrens trügen die Verantwortlichen. Ebenso haben Vertreter größerer Vereine - von den Blaskapellen bis zur Feuerwehr - brieflich plädiert, an den Planungen festzuhalten.

© SZ vom 04.03.2021
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