Bürgerentscheid in Penzberg Rückschlag für die Energiewende

Die Nachbarn zeigen sich betroffen über das Votum der Penzberger Bürger

Von Petra Schneider und Klaus Schieder

Für Wolfgang Seiler wäre das Biomasse-Heizkraftwerk in Penzberg ein "Leuchtturmprojekt" gewesen. "Das wäre etwas, das woanders nachgemacht werden könnte", sagt der Vorstandsvorsitzende der Bürgerstiftung Energiewende Oberland. Das Aus für das Vorhaben nach dem Penzberger Bürgerentscheid bezeichnet Seiler als einen "schweren Schlag" für die Energiewende und das Klimaschutzkonzept des Landkreises Weilheim-Schongau. Er schließt nicht aus, dass das Penzberger Beispiel Schule macht.

Weder der Tölzer Bürgermeister Josef Janker noch seine Geretsrieder Amtskollegin Cornelia Irmer haben Verständnis für den Bürgerentscheid in Penzberg, bei dem sich am Sonntag eine klare Mehrheit gegen das Biomasse-Kraftwerk ausgesprochen hat. "Ich habe mich erschreckt, als ich das heute morgen in der Zeitung gelesen habe", sagt Irmer. Die Menschen müssten sich endlich ernsthaft mit dem Klimawandel auseinandersetzen und mit der Energiewende Ernst machen.

Janker sieht das genauso. "Wenn man die Energiewende will, dann muss man alternative Energieerzeugung auch ermöglichen." Selbst wenn dies in der Nachbarschaft geschehe. Sonst seien Beteuerungen, aus der Atomkraft aussteigen zu wollen, "nichts als hohle Phrasen". Seit knapp sechs Jahren betreibt die Stadt ein Biomasse-Kraftwerk am Lettenholz, das mit Hackschnitzeln befüllt wird. Auch dort habe es im Vorfeld Bedenken der Anwohner gegeben, sagt Janker. "Die konnten aber alle mit sachlichen Argumenten ausgeräumt werden."

Auch Führungen seien angeboten worden, um Bürger mit der Technik vertraut zu machen. Ausgestattet mit modernsten Filtern, arbeiteten Biomasse-Kraftwerke sauberer als fossile Heizkessel. Beschwerden von Anwohnern habe es am Lettenholz seit der Aufnahme des Betriebs jedenfalls nicht gegeben. Auch das Argument, dass Wälder abgeholzt würden und irgendwann zu wenig Biomasse vorhanden sein könnte, lässt Janker nicht gelten. "Ich verlasse mich da ganz auf die Aussagen unserer Spezialisten vom Forst, die seit mehr als hundert Jahren nachhaltig wirtschaften."

Irmer plädiert dafür, die Vorteile einer regionalen Energieerzeugung stärker in den Fokus zu rücken. "Das Geld, das jetzt für die fossilen Brennstoffe in die arabischen Staaten oder nach Russland fließt, würde dann bei uns bleiben."

Der Vorstandsvorsitzende der Energiewende-Stiftung, Wolfgang Seiler, sagt, Bürgerinitiativen, die sich gegen ein Projekt wehrten, suchten stets nach dieser Art von Vorbildern. Alle wollten die Energiewende, alle wüssten auch, dass sie notwendig sei, "aber es sind immer die anderen, die etwas machen sollen".

Dem Pharmaunternehmen Roche Diagnostics zollt Seiler ein ausdrückliches Lob. Es habe sich mit der Stadt zusammengetan, um einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, und dabei einen "ganzheitlich-integrierten Ansatz" verfolgt, sagt er. Das Schlimmste wäre für Seiler die Rückkehr zu fossilen Energieträgern wie Kohle oder Erdgas, um den Ausstieg aus der Kernenergie zu kompensieren.