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Bürgerentscheid in Bichl:Hauchdünne Mehrheit für den Supermarkt

50,99 Prozent der Bichler Bürger entscheiden sich für einen Discounter auf der grünen Wiese.

Mit einem äußerst knappen Ergebnis ist der Bürgerentscheid in Bichl ausgegangen - zugunsten des Supermarkts. "Sind Sie dafür, dass kein Lebensmittelmarkt in Bichl auf Flurnummer 1189, Gemarkung Bichl, gebaut wird?", so war die Frage formuliert, über die abgestimmt wurde. 620 Bichler stimmten mit Ja, also gegen den Supermarkt, 645 mit Nein, also dafür. Anders ausgedrückt: 49,01 Prozent votierten gegen, 50,99 Prozent für den Bau eines Netto-Markt auf einer Wiese am nördlichen Ortsende Bichls. Die Frage war den Bichlern offenbar sehr wichtig: Die Beteiligung am Bürgerentscheid lag bei 76 Prozent.

Bichl mit seinen gut 2000 Einwohnern hat bisher keinen Supermarkt, wohl aber eine Bäckerei, eine Metzgerei und einen Getränkemarkt. Der nächste Lebensmittelmarkt liegt in Benediktbeuern, etwa eineinhalb Kilometer entfernt. Der nun zu bauende Discounter liegt etwas außerhalb von Bichl und soll mit einem Fuß- und Radweg ans Zentrum angebunden werden. Außerdem sollen dort 75 Parkplätze entstehen.

"Der Charakter von Bichl wird sich sehr stark verändern", glaubt Konrad Mangold, einer der Initiatoren des Bürgerbegehrens. Durch den Bau des Supermarkts werde der Grundstein dafür gelegt, dass das ganze Gebiet am nördlichen Ortsrand zugebaut werde. "Das bedauere ich sehr", sagt Mangold. Aber nun habe der Wähler gesprochen, das müsse man akzeptieren. Der Bau des Nettomarkts könne wohl nicht mehr verhindert werden, denn nun sei die Gemeinde verpflichtet, dem Projektentwickler Ratisbona Baurecht zu schaffen. Bürgermeister Benedikt Pössenbacher sieht das Ergebnis emotionslos.

"Natürlich ist ein eindeutiges Ergebnis schöner", sagt er. Bei einer Bürgerbefragung vor zwei Jahren seien noch 63 Prozent für einen Supermarkt gewesen, nun habe die Bürgerinitiative dagegen geworben und es seien nur noch 51 Prozent dafür. Auch das sei aber eine Mehrheit. Nun gebe es eben ein Ergebnis, und das müssten alle akzeptieren. Das Verfahren sei wegen des Bürgerentscheids nun zwei Monate unterbrochen gewesen und gehe nun weiter, erklärt Pössenbacher: Mit der Änderung des Flächennutzungsplans und dem Bebauungsplan-Verfahren. Die Gemeinde habe einen Vertrag mit der Firma Ratisbona, den es zu erfüllen gelte. Wenn die Bürger anders entscheiden hätten als der Gemeinderat, hätte es anders ausgesehen.

Pössenbacher glaubt, anders als Mangold, nicht, dass nun am nördlichen Ortsrand von Bichl alles zugebaut werde. Er sagt aber auch: "Die bauliche Entwicklung geht nach Norden, ganz klar." Man wisse aber nicht, wie die demografische Entwicklung in Bichl ablaufen werde und wie künftige Gemeinderäte und Bürgermeister entschieden. Eines ist für Pössenbacher klar: "Ich möchte den dörflichen Charakter erhalten."