Verzicht auf Kunststoffe Sie wollen das Oberland plastikfrei machen

Tölzer Verein will für den Verzicht auf Kunststoffe werben. Der verpackungslose Laden lässt aber noch auf sich warten.

Von Julia Sturm

Wer kennt das nicht? Man kommt mit vollen Taschen vom Einkaufen - aber voll ist danach nicht nur der Kühlschrank, sondern auch der Abfallbehälter. Fast jedes Produkt in den Supermarkt-Regalen ist einzeln mit Kunststoff verpackt. Dabei ist bekannt, welche Auswirkungen Plastik auf Umwelt und Gesundheit hat. Kunststoffe verrotten extrem langsam. Sie gelangen in großen Mengen ins Meer und sind eine Gefahr für alle Lebewesen. Mikroplastikpartikel werden zwar kontinuierlich kleiner, doch vollständig abgebaut werden sie nie. Stattdessen reichern sie sich im Wasser an und gelangen in die Nahrungskette.

Darum hat Charlotte Schüler Plastik aus ihrem Alltag verbannt. Auf Plastikverpackungen verzichtet die 22-jährige Münchnerin komplett, und auch sonst hat sie alle kunststoffhaltigen Gegenstände nach und nach ersetzt. Die Zahnbürste aus Bambus, Wandfarbe aus Wasser und Kreide, Kosmetika zum Nachfüllen im Glas und statt der Zahnpasta in der Tube Zahnputztabletten - sie zeigt, ein Leben ohne Kunststoff ist möglich. Inspiriert von ihrer Mutter Katrin, die den verpackungsfreien Laden "Plastikfreie Zone" in München besitzt, befasste sich Charlotte Schüler schon als Teenagerin mit Alternativen zu Kunststoff. Auf ihrem Blogg "Plastikfrei Leben" teilt sie ihre Erfahrungen und gibt Tipps zum Plastikverzicht. Am Montagabend gab sie ihr Wissen in Bad Tölz an die 23 Teilnehmer der Mitgliederversammlung des noch jungen Vereins "Oberland Plastikfrei" weiter, der bis Montag "Tölz Plastikfrei" hieß. Der neue Name soll zeigen, dass der Verein die ganze Region ansprechen will.

Hülsenfrüchte, Nüsse, Nudeln, Haferflocken kann man sich in verpackungsfreien Läden in mitgebrachte Behältnisse abfüllen. Ein solches Geschäft soll es auch in Bad Tölz geben, das hat sich der Verein "Plastikfrei Oberland" vorgenommen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Seit der Gründung im Februar macht "Oberland Plastikfrei" auf das Thema Plastikkonsum und Reduktion aufmerksam. Wenn Charlotte Schüler davon erzählt, wie sie mit Stoffbeuteln oder Einweckgläsern zum Einkaufen geht, sind das eigentlich keine neuen Ideen. Dennoch stößt sie manchmal immer noch auf verwunderte Blicke oder sogar auf Unverständnis, wie sie berichtet. "Deshalb gehen ich am liebsten in kleinen Läden oder auf dem Markt einkaufen, da hat jeder Verständnis".

Mit einer Flyeraktion in Cafés, Bäckereien, Metzgereien und Gemüseläden will "Oberland Plastikfrei" den Menschen die Scheu nehmen, ihre eigenen Behälter zum Einkaufen mitzubringen "ohne dass man sich erklären muss oder komische Blicke bekommt", sagt Neumeister. Plastikfreies Einkaufen soll zur Normalität werden. Die Geschäfte können den grünen Flyer aushängen und so darauf hinweisen, dass sie mitgebrachte Behälter akzeptieren. Dies ist nach Angaben des Bundesverbandes des Deutschen Lebensmittelhandels gesetzlich auch möglich, solange die Hygienevorschriften, zum Beispiel der Schutz vor Verunreinigung, eingehalten werden.

Charlotte Schüler (rechts) hielt beim Verein "Oberland Plastikfrei" einen Vortrag. Marisa Neumeister ist für Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

(Foto: Manfred Neubauer)

Die Idee eines verpackungsfreien Ladens für Bad Tölz sei der Auslöser für die Gründung gewesen, erklärt Sabrina Schmid vom Vorstand. Inzwischen untergliedert sich die Gruppe in drei Aufgabenbereiche: Ladeneröffnung, Aufklärung über Verpackungsalternativen und Bildung. "Ein plastikfreies Geschäft für Bad Tölz ist nach wie vor das Ziel", erklärt Marisa Neumeister, seit Montag zweite Vorsitzende. "Spruchreif ist leider noch nichts."

Auf Facebook informiert Oberland Plastikfrei mit Beiträgen zum Thema Plastikkonsum und gibt Veranstaltungen bekannt. Der "Plastikfrei Stammtisch" traf sich bisher drei Mal und soll in Zukunft etabliert werden. Seit Freitag gibt es auch eine eigenen Website. Unter www.oberland-plastikfrei.de findet man Links zu plastikfreien Onlineshops und eine Karte von Läden, in denen man unverpackte Waren kaufen kann. Um Kinder und Jugendliche für das Problem des Plastikmülls zu sensibilisieren, bot der Verein einen Workshop im Rahmen des Ferienpasses an. Der fand allerdings wegen zu wenig Interesse doch nicht statt. "Am Anfang gibt es halt noch viel zu tun", sagt Marisa Neumeister. Melanie Eben, die neue Vorsitzende, hält als Ökologin bereits beruflich Vorträge an Schulen zu Umweltthemen, Plastik ist ein Schwerpunkt.

"Es geht nicht nur um Plastikreduzierung, sondern insgesamt um die Reduktion von Müll und bewussten Konsum", erklärt Charlotte Schüler. Auch wenn sie selbst sehr konsequent lebt, betont sie: "Man muss nicht sofort komplett verzichten." Wenn jeder seinen Verbrauch reduziere, sei man schon einen Schritt weiter.