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Buch über die Stadtgeschichte:Bad Tölz im Zeitraffer

Eine kurze Geschichte von Bad Tölz

Stephan Bammers Geschichte der Stadt ist 88 Seiten stark. Sie beginnt 10 000 vor Christus und endet mit dem Neubau des Rathauses, das mit der Vorstellung des Buchs neu eröffnet wurde.

(Foto: Manfred Neubauer)

Der Lenggrieser Kulturwissenschaftler Stephan Bammer stellt im neuen Sitzungssaal sein 88-seitiges Werk über die Kurstadt vor.

Die Römer haben Bad Tölz trotz seiner bevorzugten Lage an der Wasserstraße Isar vermutlich nicht gegründet - auch wenn frühere Heimatforscher hartnäckig behaupteten, es müsse eine römische Siedlung namens "Tollusium" oder "Tollentium" gegeben haben. Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Ansiedlung im Jahr 1073 als Reginried, erst gut hundert Jahre später findet sich der Name "Tolnze oder Tollenz". Nachlesen kann man das in der Stadtchronik "Eine kurze Geschichte von Bad Tölz", die der Lenggrieser Kulturwissenschaftler Stephan Bammer verfasst und am Dienstag im neuen Sitzungssaal des Rathauses vorgestellt hat.

Viel Interessantes ist in der übersichtlich und modern gestalteten Chronik zu lesen: So kann man sich aus Zeichnungen und Bildern einen Eindruck machen, wie wohl das Tölzer Schloss ausgesehen hat. Man erfährt vom byzantinischen Kaiser Palaiologos, der im Jahr 1424 von Venedig kommend auf fünf Flößen durch Tölz reiste und bei den christlichen Fürsten erfolglos für eine Unterstützung gegen die Türken warb. Oder von den Panduren und Tolpatschen, slawischen und ungarischen Milizen, die am 19. März 1742 unter Oberst Franz von Trenck in Tölz einfielen und die Bürger malträtierten.

Das Interesse an der neuen Stadtchronik ist groß - etwa 150 Gäste sind am Dienstag in den "schönsten Sitzungssaal des Oberlandes" gekommen, wie Bürgermeister Josef Janker bei der Begrüßung sagte. Sie bekamen einen zweistündigen Abriss der Tölzer Geschichte aus der Chronik, die mit ersten Siedlungsspuren um 10 000 vor Christus beginnt und mit dem Neubau des Rathauses im Jahr 2017 endet.

Auf 88 Seiten durch Jahrtausende, das ist vermutlich so, wie in 80 Tagen um die Welt - ein Ritt durch die Zeit und eine gute Möglichkeit, sich einen Überblick zu verschaffen. Die Vorgaben der Stadt waren klar: Eine handliche, reich bebilderte, für jedermann gut lesbare und bezahlbare Chronik sollte erarbeitet werden, so hat es der Stadtrat im Jahr 2014 beschlossen. Den Auftrag bekam der Kulturwissenschaftler Bammer, der sich "in vielen Publikationen und Ausstellungen bereits einen Namen gemacht hat", wie Janker sagte.

Zwei Jahre hat der 52-Jährige an der Chronik gearbeitet, unterstützt wurde er von einem Fachbeirat, dem Claus Janßen, Vorsitzender des Historischen Vereins, die beiden Stadtarchivare Manuela Strunz und Sebastian Lindmeyr sowie Museumsleiterin Elisabeth Hinterstocker angehörten. Dritter Bürgermeister Christof Botzenhart übernahm das Korrektorat.

Als Standardwerk galt bislang das Buch von Georg Westermayer aus dem Jahr 1871, das in überarbeiteten Auflagen bis 1978 fortgeführt wurde. "Es blieb aber im Grunde ein Remake der Chronik aus dem 19. Jahrhundert", sagte Janßen. Der Historische Verein wollte sich des Projekts annehmen; für dessen langjähriger Vorsitzender Josef Katzameyer wurde die Neufassung der Chronik "zur Lebensaufgabe". Das Projekt ließ sich nicht verwirklichen, Katzameyer starb 2012.

Nun ist die Mammutaufgabe doch geglückt. Hunderte von Seiten haben Bammer und der Beirat gesichtet, Vieles musste eingedampft oder ganz weggelassen werden. "Einen langen Text kürzen ist das Schlimmste", sagte Bammer. Die Chronik beginnt mit einer Ortsbestimmung und einer Beschreibung der topografischen und klimatischen Bedingungen, das Kapitel "Zeitraffer" ermöglicht einen kurzen Überblick über die Jahrhunderte.

Auch den einzelnen Stadtteilen und Gotteshäusern, den Kistlern und Brauern, der Leonhardifahrt oder der Pest sind Kapitel gewidmet. Jedes Thema wird auf zwei Doppelseiten behandelt, "da stecken manchmal Jahrhunderte drin", sagte Bammer. Und manchmal nur ein Tag, wie jener 5. Mai 1453, an dem die Tölzer Marktstraße komplett abbrannte.

Mit 14 von 88 Seiten kommt das 15. Jahrhundert am stärksten zum Tragen: Der große Brand und der Wiederaufbau der Marktstraße aus Steinhäusern, die drei Generationen Kaspar Winzerer, die als Pfleger erste Ansätze einer institutionalisierten Krankenpflege und Schulbildung umsetzten, - "das war für Tölz ein wichtige Jahrhundert", sagte Bammer. 170 Bilder hat er zusammengetragen - historische und aktuelle Fotografien, Stiche und Gemälde. Finanziert wurde die Chronik von der Stadt, der historische Verein steuerte 2000 Euro bei. Bürgermeister Janker lobte das Buch als "hervorragend gelungen". Wer Tölz in seiner Entwicklung verstehen wolle, müsse sich mit dessen Geschichte befassen.