Was ist Mut? Dieser Frage ist die Jugendgruppe des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) Wolfratshausen mit ihrem Film „Trainsurfing“ nachgegangen. Beim Trainsurfing geht es darum, sich von außen an einen fahrenden Zug festzuklammern. „Mutig ist der, der auch mal Nein sagen kann“, erklärt Wolfgang Sacher in diesem Film. Der Paralympics-Sportler aus Penzberg hat beim Trainsurfing einen Arm verloren.
Auch in Wolfratshausen gab es im vergangenen Jahr einen ähnlichen Unfall. Ein 14-Jähriger war auf einen Kesselwagon geklettert und hatte in die Oberleitung gegriffen. Dabei erlitt er einen Stromschlag und stürzte zu Boden. 80 Prozent seiner Körperoberfläche verbrannten. Er hat überlebt.
Der Unfall ging an der BRK-Jugendgruppe nicht unbemerkt vorbei. So wurde Trainsurfing zum Thema ihres ersten Kurzfilms. In dem knapp zehnminütigen Video interviewen die jungen Leute den Sportler Sacher und erläutern, wie Nervenkitzel zum Verhängnis werden kann. „Das kommt fast einem Selbstmord nahe“, sagt Sacher im Video. „Dass auf der Oberleitung so viel Strom verläuft, ist den meisten gar nicht klar“, erklärt Luca Seltier, einer der Jugendlichen. Man müsse gar nicht in die Leitung greifen, der Strom könne bei viel Spannung auch so überschlagen.
Auf den ersten Kurzfilm sollen Weitere folgen. „Themen, mit denen sich Jugendliche intensiv beschäftigen, sei es im Guten oder im Schlechten, sind Themen für uns“, sagt Iris Huber, Leiterin der Jugendgruppe. Der Film kläre über die Gefahren vermeintlicher Mutproben auf. Das BRK wolle Jugendliche nicht nur medizinisch ausbilden, sondern mit ihnen auch Themen aufgreifen, die sie beschäftigten. „Wir möchten das Moderne mit unseren Lehrthemen verbinden“, erklärt Huber.
Die meisten der Jugendlichen sind über ihre Eltern oder Bekannte zum Roten Kreuz gekommen. „Ich habe mich schon immer für Erste Hilfe interessiert“, sagt etwa Sophie Lorenz. Mit 13 Jahren habe sie von der Jugendgruppe gehört und es einfach mal ausprobiert. „Dann hat es mir direkt so viel Spaß gemacht, dass ich weiterhin kommen wollte.“
In der Gruppenarbeit gehe es viel um Kameradschaft und gemeinsame Aktivitäten, sagt Huber. Neben der Wertevermittlung komme natürlich auch die medizinische Vorausbildung nicht zu kurz. Viele Jugendliche machten dann später auch eine medizinische Ausbildung, sagt Huber. Einen Austausch gebe es auch mit der Feuerwehr oder der DLRG. „Uns ist das Miteinander wichtig. Wir wollen auch über den Tellerrand hinausblicken und primär Jugendliche fürs Ehrenamt begeistern.“
Noch kann man den Trainsurfing-Film nicht im Internet anschauen, zukünftig sollen die Projekte der Gruppe aber auf den sozialen Medien verbreitet werden. Auch Neulinge sind beim JRK immer willkommen. Alle zwei Wochen kommen sie mittwochs zusammen, weitere Informationen unter www.kvtoel.brk.de.

