Brexit im Landkreis Doppelt hält besser

Der Münsinger Brite Simon Jones will weiter Europäer bleiben. So wie ihm geht mehr es als der Hälfte der 172 im Landkreis wohnenden Bürger aus Großbritannien: 49 sind schon eingebürgert, bei weiteren 39 läuft der Prozess.

Von Nora Schumann und Claudia Koestler

Am 26. Juni 2016 haben die Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union gestimmt. Seitdem beansprucht das Tauziehen um die konkrete Variante des Brexit die politischen und finanziellen Ressourcen der europäischen und der britischen Politik. Aber auch für Bürgerinnen und Bürger, die sich transnational als Europäer fühlen, hat das Ringen um die britische Souveränität reale Folgen.

Der gebürtige Brite Simon Jones lebt seit rund 20 Jahren mit seiner Familie in Münsing und kann über die Politik in Großbritannien nur den Kopf schütteln. In den vergangenen zwei Monaten "ist es nur Fremdschämen. Niemand versteht mehr, was passiert, warum es passiert", sagt Jones.

Der Brexit bewegt derzeit viele Briten zur Einbürgerung.

(Foto: Frank Augstein/dpa)

Vor drei Jahren war Jones noch der Ansicht, er könne als Brite innerhalb der EU leben, ohne "deutsch" werden zu müssen. "Vor dem Brexit war immer die Frage, warum soll ich die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen? Ich bin Brite, ich bin EU-Mitglied, also war es nicht nötig", erzählt Jones. Der Brexit veränderte seine Ansicht, Jones besitzt nun die deutsche und die britische Staatsbürgerschaft. "Ich bin Geschäftsführer einer Firma, es geht darum, ob ich meinen Job halten kann", erklärt Jones. "Es gab keine Alternative. Entweder die neue Staatsangehörigkeit oder zurück in die Heimat. Und ich kenne niemanden der zurückgegangen ist", erzählt er. Jones habe französische Freunde, die in London lebten, und die nun die britische Staatsangehörigkeit angenommen hätten. "In unserer internationalen Community ist es egal, ob man Brite, Franzose oder Deutscher ist. Wo ich wohne, das ist ganz wichtig", so Jones. Er wolle hier in Deutschland leben und es sei nicht sicher, ob er als Brite in Deutschland bleiben könne.

Simon Jones lebt im europäischen Ausland.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

So wie Jones dachten offenbar viele Briten, die im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen leben. Nach Angaben der Pressesprecherin des Landratsamtes, Marlies Peischer, waren es zum Stichtag 28. Februar 2019 genau 172 Briten. Von ihnen haben laut Peischer inzwischen 49 die Einbürgerung vollzogen, haben also neben der britischen auch die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen. 14 Anträge sind ihr zufolge noch in Bearbeitung. Weitere 25 Anträge seien ausgehändigt worden, bislang aber noch nicht zurückgelaufen. Sie sollten sich allerdings beeilen, denn eigentlich ist die entsprechende Frist zur Einreichung am 29. März abgelaufen - jenem Datum, zu dem die Briten ursprünglich aus der Europäischen Union hatten austreten wollen. Nun aber sind Austrittsdatum und die genauen Bedingungen erneut in der Schwebe. Deshalb empfiehlt Peischer einbürgerungswilligen Briten, sich an die Ausländerbehörde im Landratsamt zu wenden. Die schriftliche Antragstellung unterliege keinen Formvorschriften und sei auch wirksam, wenn sie zunächst nur mündlich gestellt werde. Welche Unterlagen zur Antragstellung notwendig seien, könne in einem persönlichen Beratungsgespräch mitgeteilt oder auf der Webseite nachgelesen werden. Als Alternative zur Einbürgerung besteht auch die Möglichkeit, einen Aufenthaltstitel zu beantragen. Dieser wird jedoch erst dann erteilt werden können, wenn der Austritt aus der EU tatsächlich vollzogen ist, so das Landratsamt.

Jones hofft derweil, dass der Brexit gar nicht kommt, sondern stattdessen Neuwahlen angesetzt werden: "Ich glaube, die Frau May hat nicht mehr lange. Der sogenannte harte Brexit ist nur eine Loose-Loose-Situation", sagt Jones. Beim Referendum selbst konnte Simon Jones nicht abstimmen. Sobald man 15 Jahre außerhalb Großbritanniens wohne, besitze man kein Wahlrecht mehr, erklärt er.