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Breitbandausbau:Masterplan für leere Rohre

Breitbandausbau auf dem Lande

Egling hat bereits das schnelle Internet ausgebaut. Doch in ein paar Jahren könnte die Technik nicht mehr ausreichen. Dafür plant die Gemeinde voraus.

(Foto: DPA)

Die Gemeinde Egling eruiert Möglichkeiten, ein eigenes Glasfasernetz aufzubauen. Das würde 19 Millionen Euro kosten

Eine Mischung aus Schock und Ehrfurcht stand den Eglinger Gemeinderäten am Dienstag in den Gesichtern geschrieben, als die Zahl unterm Strich feststand: rund 19 Millionen Euro. So viel würde es heute kosten, wenn die Flächenkommune ein eigenes Leerrohrnetz bauen würde, um jeden ihrer Bürger mit Glasfaser bis ans Haus zu versorgen. Eine stolze Summe, auch wenn sich der Aufbau eines solchen Netzes über Jahre, vielleicht sogar ein Jahrzehnt oder länger erstrecken würde. Deshalb will die Gemeinde in Ruhe und schrittweise vorgehen und vor allem auf künftige Förderungen setzen, um die Möglichkeit dieses "Generationenprojekts" und den Aufbau dieser "komplett neuen Telekommunikationsstruktur", wie Bürgermeister Hubert Oberhauser (FW) sagte, irgendwann zu stemmen. Aber: Ein entsprechender Plan liegt Egling nun vor, und diesen stellte Michael Himmelstoß von der Firma IK-T am Dienstag vor.

"FTTB-Masterplan" heißt der offiziell, wobei die Buchstaben die Abkürzung das englische Fibre to the building bezeichnen, zu Deutsch: Glasfaser bis ans Gebäude. Zwar wurde auch in Egling bereits in den vergangenen Jahren der Breitbandausbau vorangetrieben. Etwa zwei Millionen Euro hat die Flächenkommune in den vergangenen Jahren investiert, um nicht nur allen sieben Altgemeinden, sondern auch einem Großteil der Ortsteile einen schnellen Zugang zum Internet zu gewährleisten. Wie in den meisten bayerischen Kommunen setzte die Egling auf das staatliche Förderprogramm. Doch dabei wurde bislang nur bis zum Kabelverzweiger ausgebaut, und in der sogenannten "letzte Meile" bis zum Haus das Tempo im Kupferkabel mittels Vectoring erhöht. Mit dieser Art des Ausbaus, wie ihn Egling derzeit hat, seien maximal Bandbreiten bis 100 später vielleicht 240 Megabit pro Sekunde möglich, sagte Himmelstoß, dann aber sei man "irgendwann am Ende."

Und für diesen Zeitpunkt müsse man eben jetzt beginnen, vorzuplanen und vorzuarbeiten. Seiner Einschätzung nach könnte es in etwa zehn Jahren soweit sein, dass die maximal möglichen Bandbreiten nicht länger nur für Firmen, sondern auch für Privathaushalte nicht mehr ausreichen, "und dann braucht man die nächste Technologie, nämlich Glasfaser bis an die Häuser". Diese Form des Internetanschlusses bietet laut Himmelstoß "quasi unbegrenzte Bandbreiten und Ausbaureserven". Die großen Netzbetreiber, war er sich sicher, würden nicht weiter ausbauen, deshalb müsse die Kommune aktiv werden. Der nun vorgelegte Masterplan sei die Vorstufe dazu, die Grundlage für die Leerrohre, in die dann später das Glasfaserkabel eingebracht werde, um jedes Haus zu erschließen. Wenn also heute oder in naher Zukunft Straßenbaumaßnahmen anstehen, dann könne anhand des Plans eruiert werden, ob es sinnvoll ist, gleich Leerrohre mit einzuziehen, damit die Infrastruktur für "FTTB" bereits vorliegt.

1699 Hausanschlüsse hat Himmelstoß in der Gemeinde identifiziert, auf etwa 74 Quadratkilometern Fläche. Mehr als 146 Kilometer Tiefbau wären deshalb nötig, um wirklich jedes Haus in jedem Ortsteil und Weiler mit einzubeziehen - was mehr als die Hälfte der Gesamtkosten von etwa 19 Millionen Euro ausmachen würde. "Eine Herausforderung", gab Himmelstoß zu.

"Wir sind derzeit nicht schlecht aufgestellt mit unserer Breitbandversorgung", sagte Bürgermeister Oberhauser. "Aber das mit Glasfaser bis an jedes Haus, das ist ein Projekt für die Zeit in zehn bis 15 Jahren, und dafür müssen wir jetzt schon zumindest mal vordenken." Deshalb empfand er den Masterplan als den "richtigen Schritt in die Zukunft." Denn auch wenn es sicherlich Fördermittel geben werde: "Dass viel an uns hängen bleiben wird, darüber müssen wir uns bewusst werden. Aber es ist eben aller Voraussicht nach die Infrastruktur der Zukunft."

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