Umwelt- und Artenschutz:Sorge um das Braunkehlchen

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Umwelt- und Artenschutz: Die Loisach-Kochelsee-Moore sind das bedeutendste Brutgebiet für Braunkehlchen in Bayern. Doch der Bestand ist laut LBV um mehr als 50 Prozent eingebrochen.

Die Loisach-Kochelsee-Moore sind das bedeutendste Brutgebiet für Braunkehlchen in Bayern. Doch der Bestand ist laut LBV um mehr als 50 Prozent eingebrochen.

(Foto: Patrick Pleul/dpa)

Der Vogel des Jahres 2023 ist gefährdet. Auch in den Loisach-Kochelsee-Mooren geht sein Bestand zurück.

Von Benjamin Engel, Bad Tölz-Wolfratshausen

Gerade erst hat die Bevölkerung das Braunkehlchen zum Vogel des Jahres für 2023 gewählt. Doch im vergangenen Jahrzehnt ist der Wiesenbrüter selbst in seinem bedeutendsten bayerischen Revier in den Loisach-Kochelsee-Mooren stark zurückgegangen. Zählten die Vogelschützer im Jahr 2008 noch 146 bis 167 Paare, waren es 2020 nur noch 79 bis 85 Paare. Damit ist die Population in nur zwölf Jahren dramatisch eingebrochen, berichtet die Kreisgruppe des Landesbunds für Vogelschutz (LBV). Die Naturschützer erklären dies vor allem damit, dass Grünlandflächen immer intensiver bewirtschaftet werden und damit die Artenvielfalt verloren geht. "Überdüngung sowie die Zahl der Schnitte pro Jahr haben zu einem Verlust der botanischen und zoologischen Artenvielfalt geführt", erklärt die LBV-Kreisgruppenvorsitzende Sabine Tappertzhofen. Ebenso blieben größere Insektenarten aus, die den Vögeln als Nahrung dienen.

Für das Gebiet der Loisach-Kochelsee-Moore auf Landkreisflur hat die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen 2021 ein auf drei Jahre ausgelegtes Projekt initiiert, um die Braunkehlchen besser zu schützen. Laut LBV helfen um die 20 ehrenamtliche Nestbeobachter, gefährdete Brutplätze zu finden und zu sichern. Im ersten Jahr hätten acht Nester gesichert werden können. Im Projektgebiet konnten die Helfer zwar 2021 noch 16 Brutpaare, im Folgejahr aber nur zehn feststellen, berichtet Tappertzhofen. Anteilig habe es mehr unverpaarte Braunkehlchen-Männchen gegeben, zwei Projektgebiete seien verwaist gewesen. "Innerhalb eines Jahres ein Rückgang in den beobachteten Teilgebieten von über 30 Prozent!"

Knapp ein Drittel der lokalen Braunkehlchen-Population kommt laut LBV in den Randgebieten der Loisach-Kochelsee-Moore vor. In diesen Übergangszonen von intensiv genutzten Grünland-, Heu- und Streuwiesen seien die Brutplätze der Vögel vor dem Ausmähen gefährdet. Der LBV kritisiert, dass es zu wenig Kleinstrukturen und Brachen sowie Vertragsnaturschutzflächen speziell im Wirtschaftsgrünland gebe. Die Wiesenmahd finde Mitte Juni und um den 1. Juli statt, mitten in der Brutzeit der Vögel. Gräben würden im Herbst ausgemäht.

Der LBV fordert deshalb, gegenzusteuern. Um das Braunkehlchen zu schützen, brauche es mehr Brachen auf Streuwiesen. Und entlang von Gräben müssten Pflanzen über den Winter stehen bleiben. Bei Wiesen, die vor dem 15. Juli geschnitten werden, seien Schon- und Pufferstreifen im Übergang von Streuwiesen notwendig. Gehölze in bisherigen Braunkehlchenrevieren müssten entfernt werden. "Sonst könnte in wenigen Jahren auch hier das Braunkehlchen Vergangenheit sein", mahnt Tappertzhofen.

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