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Brauneck:Revision nach dem Rekordwinter

Bergbahn Revision

Auf einer Stütze des Ahorn-Sessellifts werden Rollen und Kontakte geprüft.

(Foto: Manfred Neubauer)

Nach der Skisaison ist vor der Wandersaison: Am Brauneck müssen Liften und Almen ertüchtigt werden.

Nach dem Ende der Wintersaison kommt das Brauneck erst einmal zur Ruhe. Die Pisten an den Talhängen sind schon ausgeapert, also vom Schnee befreit. Höher oben am Berg schmilzt die immer noch mächtige Schneedecke unter den warmen Strahlen der Frühlingssonne dahin. Das Liftekarussell am Lenggrieser Hausberg steht still. Die Hütten sind geschlossen. Das Rattern der Skikanten auf den Pisten ist verklungen - aber nur fast.

Noch immer liegen am offiziellen Messfeld des Bayerischen Lawinenwarndienstes auf 1485 Metern über Meereshöhe mehr als 2,30 Meter Schnee. Das lockt noch den ein oder anderen Skitourengeher auf den Berg. Außer den Individualsportlern sind jetzt nur noch die Mitarbeiter der Brauneck- und Wallbergbahnen GmbH im Einsatz. Sie überprüfen in der Revisionszeit die Liftanlagen auf ihre Funktionstüchtigkeit und reparieren Schäden.

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Knapp zehn der zur Wintersaison eingesetzten 50 bis 60 Mitarbeiter sind jetzt in der Revisionszeit noch aktiv. Das schildert Stefan Schnitzler, Assistent der Geschäftsführung bei der Bergbahn GmbH. Etwa eine bis eineinhalb von den drei Wochen Revisionszeit seien die Mitarbeiter an der Seilbahn und den Liften beschäftigt. "Wir richten uns nach dem Wetter", sagt Schnitzler. An Regen- oder Schneetagen könne nicht gearbeitet werden.

Mit der Werkstattkabine arbeiten sich zwei Mitarbeiter - mehr passen in die nach oben offene Konstruktion nicht hinein - an den Liften von Stütze zu Stütze. "Sie fahren die ganze Strecke ab, wechseln oder schmieren Rollen", schildert Schnitzler. Auch die Förder- und Tragseile der Lifte würden auf Beschädigungen kontrolliert.

Die Beschäftigten tragen eine Sicherheitsausrüstung. Denn sie arbeiten in luftigen Höhen von bis zu 50 Metern über dem Boden, wie Bergbahn-Geschäftsführer Peter Lorenz berichtet.

Genauso kontrolliert das Bergbahnpersonal die Technik in den Liftstationen, wie etwa Keilriemen oder Kabelverbindungen, und repariert die Mängel anschließend. Letztlich überprüft der TÜV die Sicherheit der Anlagen. Funktioniert alles ordnungsgemäß, kann die Kabinenbahn zum Start der Sommersaison am 1. Mai den Betrieb wieder aufnehmen.

In einem guten Winter erwirtschaftet die Bergbahn GmbH bis zu drei Viertel ihrer Jahresumsätze. Heuer seien die Geschäfte gut gelaufen, sagt Lorenz. "Es gab aber sehr viele Wetterkapriolen." Während der massiven Niederschläge im Januar seien in eineinhalb bis zwei Wochen am Berg bestimmt 2,50 bis 2,70 Meter Neuschnee gefallen, schätzt er. Normalerweise falle so viel Schnee in einem ganzen Winter. Problematisch habe sich ausgewirkt, dass es zuerst geregnet habe und dann feuchter und damit schwerer Schnee gefallen sei. Unter der enormen Last habe es viele Bäume gefährlich auf Lifttrassen und Pisten hinuntergedrückt. Der Betrieb sei für einige Tage eingeschränkt gewesen. Nur noch Tallifte fuhren.

Sogar einen Hubschrauber hatte die Bergbahn GmbH beauftragt, um die gefährliche Situation zu entschärfen. Schließlich hätten Bäume umstürzen und so Skifahrer gefährden können, sagt Lorenz. Eine Stunde lang sei der Pilot entlang der Lift- und Pistentrassen geflogen. Durch den Luftstrom der Rotoren sei der Schnee von den Bäumen geweht worden. Gleichzeitig hätten die Mitarbeiter pausenlos Schnee von den Dächern der Liftstationen geschaufelt. "Das war sehr viel Arbeit", berichtet Lorenz.

Mit der Werkstattkabine arbeiten sich zwei Mitarbeiter - mehr passen in die nach oben offene Konstruktion nicht hinein - von Liftstütze zu Stütze.

(Foto: Manfred Neubauer)

Allerdings wäre Lorenz kaum Geschäftsführer eines Skigebietressorts, wenn er sich über den vielen Schnee nicht auch gefreut hätte. "Wir waren froh, dass so viel da war", sagt er. Von Mitte Januar an seien sehr viele Skifahrer auf den Lenggrieser Hausberg gekommen. "Der Februar war so toll wie lange nicht." Bis zur Faschingsferienwoche im März sei es auf den Pisten voll gewesen. Danach kämen weniger Gäste aufs Brauneck. Noch bis eine Woche vor Saisonschluss am 7. April hätten die Sportler sicher bis ins Tal abfahren können. Bis Ostern ist nur dann Skibetrieb, wenn die Feiertage wie heuer nicht so spät im April sind. Denn dann werde die Zeit für die Revision eng, schildert Lorenz. Und außerdem werde es spät im April mit dem Schnee auf dem 1556 Metern hoch gelegenen Brauneck knapp.

Die kalten Temperaturen im Dezember haben den Bergbahnbetreibern das Weihnachtsgeschäft gerettet. Das ermöglichte es, frühzeitig zu beschneien. 20 von 34 Pistenkilometern am Brauneck können mit Maschinenschnee präpariert werden.

Auf den übrigen Pisten ging der Betrieb erst im Januar los, so wie am Idealhang im hinteren Brauneckgebiet. Dort betreibt die Familie Obermüller schon seit Jahrzehnten die Stie-Alm und den dazugehörigen Lift. Veronika und Stefan Obermüller leben das ganze Jahr auf 1520 Meter Seehöhe am Berg. Doch momentan sei geschlossen, sagt Veronika Obermüller. "Wir haben jetzt erst einmal Urlaub." Doch nur für zwei Tage. Danach gehe es wieder rauf auf den Berg. "Wir haben Tiere zu versorgen." Bis Mitte Mai erledige die Familie Reparaturarbeiten. Dann sperrten sie wieder auf, wie viele der zahlreichen Hütten am Berg. Dann nämlich beginnt die Wandersaison am Brauneck.

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Auf der Stie-Alm am Brauneck stellt Stefan Obermüller seit der Jahrtausendwende Käse her. 15 Kühe haben er und seine Frau Veronika am Berg. Das ist nur mit den Sennalpen im Allgäu vergleichbar und in der Region etwas Besonderes. Die Alm ist schon jahrhundertelang in Familienbesitz.   Von Benjamin Engel