Münsing:"Zeitgenössische Ergänzung"

Münsing: Die denkmalgeschützte Villa, in der einst Biene-Maja-Erfinder Waldemar Bonsels lebte, gehört heute einer Stiftung. Sie will den Flachbau aus den 60er-Jahren (links unten zu sehen) abreißen und dafür einen Neubau auf dem Grundstück errichten. Der Münsinger Gemeinderat lehnt das jedoch ab.

Die denkmalgeschützte Villa, in der einst Biene-Maja-Erfinder Waldemar Bonsels lebte, gehört heute einer Stiftung. Sie will den Flachbau aus den 60er-Jahren (links unten zu sehen) abreißen und dafür einen Neubau auf dem Grundstück errichten. Der Münsinger Gemeinderat lehnt das jedoch ab.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Trotz mehrfacher Ablehnung im Gemeinderat hält der Vorsitzende der Bonsels-Stiftung an einem Neubau auf dem Ambacher Gartengrundstück fest. Entscheiden muss das Landratsamt

Von Benjamin Engel

Wenn sich Ralf Kirberg zu Planungen für ein neues Baurecht auf dem Grundstück der Bonsels-Villa äußert, betont er: "Was ich einmal begonnen habe, möchte ich auch zu einem guten Ergebnis führen." Kirberg ist Vorsitzender der Waldemar-Bonsels-Stiftung, der das Areal mit dem auffallenden ungarischen Tor in Ambach gehört. Zum Ensemble der Villa mit der ebenso denkmalgeschützten Kirche an der Straße gehört auch ein Anbau aus der Nachkriegszeit, der aus dem historischen Gebäude herausragt und wie ein Fremdkörper wirkt. Daher würde die Stiftung den zweigeschossigen Flachdachbau der frühen 1960er-Jahre gerne abreißen und so die denkmalgeschützte Villa wieder freistellen. Schwierig wird es, weil die Stiftung dafür ein Ersatzbaurecht für ein neues Wohn- und Atelierhaus beantragt hat. Das hat der Münsinger Gemeinderat mehrmals abgelehnt. Er wolle aber mit seinem Team " im Sinne der Stiftung und des Gemeinwohls an einer guten Lösung arbeiten", sagt Kirberg.

Im Kern geht es um das Verhältnis und die Vereinbarkeit von Alt und Neu, Wohnen und Landwirtschaft sowie Vermögenswerten. Um klarer zu sehen, lohnt es sich, an den Anfang zurückzugehen. 2014 hatte der Architekt Thomas M. Kortyka mit einem Restauratorenteam die Bonsels-Villa im Stiftungsauftrag umfassend saniert. Er berichtet bei einem Gespräch am Grundstück, dass sich schon damals an der Schnittstelle zwischen dem Anbau und dem denkmalgeschütztem Gebäude Problemstellen gezeigt hätten. "So ist der Gedanke für den Abriss des 1960er-Jahre-Anbaus und den Ersatzbau entstanden", sagt Kortyka. In Absprache mit den Denkmalschutzbehörden habe die Stiftung über einen Standort in würdigem Abstand zur Kirche und der Villa nachgedacht. Die Verantwortlichen seien zwar nicht begeistert gewesen, hätten aber signalisiert, sich eine Kompromisslösung vorstellen zu können.

Ralf Kirberg betont,dass dies nicht für ihn persönlich, sondern für die vielen Aufgaben der gemeinnützigen Stiftung - wie die Leseförderprojekte für Kinder oder die Digitalisierung des Werknachlasses von Bonsels - unabdingbar ist. Die Stiftung sei zwar nicht arm und verfüge mit den Rechten des Schriftstellers und Biene Maja-Erfinders Bonsels über ein Basisvermögen, sagt er. Aber: "Ich bin gehalten, die Vermögenswerte gut zu verwalten."

Argumenten von Gemeinderätinnen wie Ursula Scriba (Bürgerliste) und Christine Mair (Grüne), dass die Stiftung über die Werksrechte doch genug einnehmen müsse, kann Kirberg nicht folgen. "Seit drei Jahren haben wir einen Haufen Geld in die Digitalisierung gesteckt, für den Nachlass Bonsels viel gemacht", entgegnet er. "Moderner und aktueller geht es wirklich nicht."

Zudem hat die Stiftung für die Sanierung und den Erhalt der Bonsels-Villa laut Kirberg in den vergangenen Jahren viel Geld ausgegeben. Anhand der originalen Farbschichten sei das Gebäude sehr detailgenau bis zur Wiederherstellung der übermalten Blattspitzen im Familienwappen der ursprünglichen Besitzerfamilie Benczúr restauriert worden. Das zugehörige Gelände mit Bootshaus am See zu erhalten, koste ebenfalls Geld. Heuer habe auch das ungarische Tor - ein Replikat - gereinigt und farblich neu gefasst werden müssen.

Neben dem Holztor hat die Stiftung eine Informationstafel neu anbringen lassen. Mit Hilfe eines darauf angebrachten QR-Codes kann sich jeder zur Villa, zum Ungarn-Tor und zu Waldemar Bonsels kundig machen. Die Villa ist vermietet. Doch über die Einnahmen daraus ließen sich die hohen Kosten nicht erwirtschaften, um das gesamte Anwesen zu erhalten, sagt Kirberg. Um das Stiftungsvermögen nicht zu mindern, brauche es daher einen Ersatz für den geplanten und denkmalpflegerisch grundsätzlich befürworteten Abriss des Anbaus mit neuem Baurecht.

Der Münsinger Gemeinderat hat diese Pläne seit 2018 allerdings insgesamt dreimal abgelehnt. Im Gremium gibt es Befürchtungen, ein Neubau auf dem Grundstück könne das denkmalgeschützte Ensemble von Kirche und Villa zerstören. Kritisch betrachtet wird ein Neubau auch für die Existenz des südlich angrenzenden Landwirts und Fischers mit seiner Fischräucherei. Das Kreisbauamt als Genehmigungsbehörde hat einen ersten Standort näher an dessen Grundstücksgrenze abgelehnt. Begründet wurde dies mit möglichen Geruchs- und Schallimmissionen zum nahe geplanten Wohnhaus.

Alternativ hat die Bonsels-Stiftung daher einen Standort in direkter Linie zwischen Kirche und Villa vorgeschlagen, um die Immissionsschutzgrenzwerte durch den deutlich größeren Abstand einzuhalten. Den hat der Münsinger Gemeinderat vor wenigen Wochen aber erneut abgelehnt - diesmal aus denkmalschutzrechtlichen Bedenken für die beiden Bestandsbauten. Letztgültig müssen aber die untere Denkmalschutzbehörde und das Kreisbauamt darüber entscheiden.

Die aktuell geplante Lösung wäre für den Stiftungsvorsitzenden Kirberg und Architekt Kortyka durchaus gangbar. Der Neubau werde auf der bislang ohnehin asphaltierten Parkfläche errichtet, sei von der Seeuferstraße kaum sichtbar und werde auf gleicher Höhe wie die übrigen Bestandsbauten an der Seeuferstraße situiert, betonen beide. "Durch eine Freistellung der historischen Villa und eine qualitätsvolle zeitgenössische Ergänzung mit würdigem Abstand wird die Aufmerksamkeit für das denkmalgeschützte Gebäude eher geschärft", findet Kortyka. Als möglichen Mediator im laufenden Antragsverfahren bringt der Architekt den Tölzer Kreisbaumeister Andreas Hainz ins Spiel. Dieser habe erst kürzlich zusammen mit dem Landratsamt das Pilotprojekt "Denk mal - kulturelle Identität erhalten, schützen leben" zur besseren Zusammenarbeit mit Denkmalbesitzern initiiert.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB