Süddeutsche Zeitung

Bis Mitte März im Angebot:Eine Warteliste für Bier

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Die Nachfrage nach Anteilen der genossenschaftlichen Klosterbrauerei Reutberg ist so groß, dass nicht alle gleich zum Zug kommen. Am Dienstag wurde das erste Fass Josefibock angezapft.

Von Lisa Kuner

Gespannte Stille herrscht im Klosterbräustüberl am Reutberg, bevor Bürgermeister Johann Schneil am Montagabend das erste Fass Josefibock für die Starkbierzeit anzapft. Schon der erste Schlag auf den Zapfhahn sitzt. Es spritzt nichts. "O'zapft is!" Der Josefibock, eine saisonale Spezialität der Brauerei, hat drei Monate in den Lagertanks gereift, bis er schön bernsteinfarben mit einem Alkoholgehalt von 6,9 Prozent und einer Stammwürze von 17 Prozent angezapft wird. 1000 Hektoliter hat die Brauerei davon produziert. Bis Mitte März ist das Bier im Angebot.

Geschäftsführer Stephan Höpfl ist zufrieden mit den Geschäften der Genossenschaftsbrauerei Reutberg. 5230 Genossen halten zurzeit Anteile, damit ist das von dem Unternehmen gesetzte Limit erreicht. "Das ist querbeet. Vom Studenten bis zum Greis und vom Arbeiter bis zum Gutsbesitzer", erklärt Höpfl. Auch ein paar Prominente hielten Anteile, darunter die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner und der ehemalige CDU-Politiker Friedrich Merz.

Genosse werden kann theoretisch jeder, der mindestens drei Anteile à 100 Euro zeichnet. Gerade muss man sich dafür aber erst einmal mit ungefähr 150 bis 200 weiteren Interessenten auf eine Warteliste setzen lassen und drei bis vier Jahre ausharren. Anders als bei gewöhnlichen Genossenschaften bekommt man keine Dividende in Geld ausbezahlt. Stattdessen gibt es eine Einladung zur Jahreshauptversammlung während des Josefifests und dort für jeden anwesenden Genossen unabhängig der Anzahl der gehaltenen Anteile zwei Mass Bier und eine Mahlzeit.

In den vergangenen Jahren sei das Interesse an regionalen Produkten stark gestiegen und Brauereien erlebten einen richtigen "Hype", erklärt Höpfl. Es gebe wieder mehr Genossenschaftsbrauereien. Dazu hätten auch all die kleinen Craft-Bier-Brauereien beigetragen. "Bier ist wieder im Gespräch, in den Medien", sagt Höpfl. Craft-Bier sieht er sonst eher kritisch, weil es das Reinheitsgebot angreife. Er betont auch, dass Craft-Biere nichts anderes als handwerklich gebraute Biere seien und dass in der Brauerei Reutberg schon immer handwerklich gebraut werde.

Die Brauerei hat 16 Mitarbeiter und produziert im Jahr 22 000 Hektoliter Bier in zwölf Sorten. Acht davon gibt es das ganze Jahr über, darunter Helles, Dunkles, Kellerbier und Pils. Außerdem hat die Brauerei noch vier saisonale Biersorten im Angebot, wie den Josefibock oder ein Weihnachtsbier. Nicht nur am Bier, sondern auch an der Brauerei an sich sei das Interesse groß. Normalerweise werde hier nur ein Lehrling zum Brauer und Mälzer ausgebildet, jetzt seien es ausnahmsweise sogar zwei. Laut Höpfl meldeten sich meist mehr Bewerber.

Das beliebte Bier wird zwischen Garmisch und Freising und von Rosenheim bis in Allgäu vertrieben. Aber nicht nur die Bayern mögen das traditionelle Bier. Zwei bis drei Schiffscontainer, so berichtet Höpfl, würden jährlich nach Santa Monica in die USA geliefert und von dort aus hauptsächlich in Kalifornien vertrieben.

Von 16. bis 25. März findet auf dem Reutberg das Josefifest statt. Ausgeschenkt wird Josefibock. Wer dieses Bier trinken möchte, muss aber nicht bis März warten. Seit Montag ist der Josefibock im Handel erhältlich: In 0,5-Liter-Flaschen oder direkt auf dem Reutberg auch in der Drei-Liter-Magnumflasche. Im Sommer kann man sein Bier am Reutberg auch an der frischen Luft genießen - im für Höpfl "schönsten Biergarten des Oberlands".

www.klosterbrauerei-reutberg.de

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SZ vom 11.01.2018
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