BichlZug erfasst Auto auf Bahnübergang

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Zwei Frauen werden schwer verletzt geborgen. Warum sie auf die Gleise fuhren, ist noch unklar.

Matthias Köpf

Die beiden Scheinwerfer strahlen noch in die sinkende Sonne, doch dahinter ist der dunkelblaue Toyota nur noch ein mit jäher Gewalt zusammengepresstes und danach mit starker Hydraulik wieder zerteiltes Stück Schrott. In zwei der vielen Rettungswägen kämpfen die Notärzte um die Leben der beiden Frauen, die die Feuerwehr gerade aus dem Kleinwagen geschnitten hat.

Gut 100 Meter nördlich ist der Regionalzug zu stehen gekommen, der das Auto auf dem Bahnübergang der B 11 bei Bichl erfasst und zur Seite geschleudert hat. 45 Ausflügler stehen dort mit ihren Rucksäcken und Wanderstöcken, einige fotografieren einander mit den Erfassungsbögen, die ihnen die Sanitäter um den Hals gehängt haben. Rundherum zucken die Blaulichter von drei Dutzend Fahrzeugen.

Der Zug hat den Bahnhof in Kochel pünktlich um 19.13 Uhr verlassen, doch schon eine gute Viertelstunde später heulen in Benediktbeuern und Bichl die Sirenen. Die Leitstelle in Weilheim setzt eine gewaltige Rettungsmaschinerie in Gang, die Feuerwehren aus vier umliegenden Gemeinden, acht Rettungswägen und mehrere Notarztfahrzeuge rasen herbei und die Mitglieder der beiden Schnellen Einsatzgruppen des BRK in Tölz und Geretsried eilen zu ihren Wägen.

Neben dem Bahngleis landen Rettungshubschrauber aus Murnau und aus München. Sie werden die beiden Frauen aus dem Toyota, eine 74-jährige Tölzerin und ihre zwei Jahre ältere Beifahrerin, mit schwersten Verletzung in die Kliniken nach Murnau und nach Schwabing fliegen. Mehr als eine Stunde wird es dauern, bis die zweite der beiden Frauen überhaupt in den Hubschrauber geschoben werden kann und die Leitstelle in München eine geeignete Klinik mit freiem Intensivbett gefunden hat.

Warum die Fahrerin die geschlossene Schranke durchbrochen hat und vor dem herannahenden Zug auf den Übergang gefahren ist, kann sich die Polizei vorerst nur mit der tief stehenden Abendsonne erklären, die die Frau geblendet haben könnte. Sie und ihre Beifahrerin sind am Leben, eine Aussage machen können sie nicht.

Der Lokführer hat den Unfall vergleichsweise gefasst überstanden, er versichert, dass die Schranke unten war, als von rechts der Toyota auftauchte. Seine Passagiere warten geduldig auf den Bus, der sie zum Bahnhof in Tutzing bringen soll. Sie haben von dem Aufprall nichts bemerkt und sich nur gewundert, wieso der Zug plötzlich auf freier Strecke hielt, sagen einige. Verletzt ist von ihnen niemand.

Vorne am Zug ist das stählerne Kupplungsstück verbogen und links eine Blende aus Fasermaterial gebrochen. Der Zug hat den Toyota links hinten erfasst, einiges zu dem dramatischen Anblick des Wracks haben auch die Rettungsscheren der Feuerwehr beigetragen. Während die Penzberger, Bad Heilbrunner und Benediktbeurer wieder abziehen, wird die Bichler Feuerwehr bis in die Nacht hinein den Verkehr umleiten und den Bahnübergang für den Unfall-Gutachter ausleuchten. Zug fährt in dieser Nacht auf der Strecke keiner mehr.

Schon am Abend zuvor war es an der selben Stelle zu einem Unfall gekommen, als eine junge Frau von der B 11 nach links Richtung Kloster abbiegen wollte, ohne zu blinken. Ein Kleinlaster setzte gerade zum Überholen an und rammte das Auto, beide Fahrer blieben jedoch unverletzt. Weniger glimpflich ging am Samstagvormittag ein Unfall in Kochel ab, wo eine 74-jährige Kochlerin im Auto die Bahnhofstraße überqueren wollte und dabei das Auto einer 30-Jährigen übersah. Beide Frauen trugen schwere Verletzungen davon, die jüngere wurde mit dem Hubschrauber, die ältere mit dem Rettungswagen nach Murnau gebracht.

© SZ vom 21.05.2013 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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