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Bezahlbarer Wohnraum:Strategie statt Wildwuchs

Der Landkreis nimmt am EU-Leader-Projekt "Baukultur Voralpenland" teil

Von Klaus schieder, Bad Tölz

Der Ruf nach bezahlbaren Wohnungen für Michael Pelzer verständlich, allerdings bereitet ihm dies auch Sorge. Der Altbürgermeister von Weyarn befürchtet, dass die Baukultur in der Region durch das rasche Hochziehen von Häusern verloren geht. "Wenn wir nicht aufpassen, dann wird die Schnelligkeit siegen und irgendwas hingestellt." Deshalb initiierte Pelzer das EU-Leader-Projekt "Baukulturregion Voralpenland", an dem sich bislang 13 Kommunen aus den Landkreisen Miesbach, Rosenheim und Bad Tölz-Wolfratshausen beteiligen wollen. Dazu gehört auch Dietramszell. Der Landkreis nimmt mit insgesamt 20 000 Euro an dem Projekt teil. Dies billigte der Kreisausschuss gegen die Stimmen der CSU.

Ziel ist es, die Baukultur zu erhalten und langfristig zu verbessern. Dazu sollen Politiker, Verwaltungen und auch die Zivilgesellschaft sensibilisiert werden. Geplant sind bis 2023 eine Auftaktveranstaltung für das gesamte Projektgebiet, offene Werkstätten nach jeder Bearbeitungsphase, eine Abschlusskonferenz und am Ende eine gemeinsame Baukulturstrategie für die Region. Pelzer zufolge geht es nicht nur um Architektur, sondern auch um Aspekte wie Siedlungsentwicklung, soziale Strukturen vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, Beheimatung, Formen der Nachverdichtung und Bürgerdialog.

Dabei wird eine teilnehmende Gemeinde wie Dietramszell ein halbes Jahr lang von Fachbüros intensiv betreut, unter anderem mit Workshops. Die Kommunen sollen Ideen und Methoden an die Hand bekommen, um dann in puncto Baukultur eigenständig weiter zu arbeiten. Träger des gut 1,3 Millionen Euro teuren Gesamtprojekts ist der Landkreis Miesbach. In Bad Tölz-Wolfratshausen liegt die Federführung bei Kreisbaumeister Andreas Hainz.

Auch Münsing hätte gerne mitgemacht. "Aber wird sind schon in der Städtebauförderung drin", sagte Rathauschef Michael Grasl (FW). Als Bürgermeister-Sprecher im Landkreis befand er es als "schade", dass sich nur Dietramszell für dieses Leader-Projekt beworben hat. "Wir haben alle Probleme mit der Wahnsinnsverdichtung in diesem Tempo", sagte er. "Dass man hier Instrumente an die Hand bekommt, ist wirklich eine Hilfestellung."

Das sah Michael Müller (CSU) ganz anders. Der Geretsrieder Bürgermeister verwies mit Nachdruck auf die Planungshoheit der Städte und Gemeinden, die er als sehr hohes Gut bezeichnete. "Der Landkreis hat sich da nicht einzumischen", monierte er. In vielen Kommunen gebe es sehr unterschiedliche Bautraditionen, in Gelting zum Beispiel eine andere als in Geretsried selbst. Am Ende zähle hier nur der Bebauungsplan einer Kommune. "Es gibt gesetzlich definierte Aufgaben, ich sehe mich als Stadt da nicht in einer Familie von vielen Gemeinden."

Für Kreisbaumeister Hainz geht es in dem Projekt nicht darum, die Zahl von Sprossen oder die Dachneigungen zu regulieren. Aber auch wenn eine Baukultur-Strategie keine Rechtskraft entfalte, könne das Landratsamt doch in diese Richtung beraten und eine Gemeinde unterstützten. Als Beispiel nannte er die Seeufergestaltung in Münsing.

© SZ vom 10.07.2019

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