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Betreuung in Geretsried:Zu wenig Platz für Kinder

Kinderbetreuung

Das Kindergartenjahr hat begonnen, aber etliche Eltern müssen ihren Nachwuchs noch woanders zur Betreuung unterbringen.

(Foto: Monika Skolimowska/dpa)

Die Situation in der Stadt Geretsried ist trotz umfangreicher Erweiterungspläne auch nach der Sommerpause nicht besser als zuvor. Auf den Wartelisten für Krippen, Kitas und Horte stehen noch um die 100 Suchende

Der Mangel an Kinderbetreuungsplätzen ist in Geretsried weiter eklatant. Der Stadtrat hatte zwar vor der Sommerpause noch einen umfassenden Beschluss zur Erweiterung an mehreren Standorten gefasst, doch bisher greift davon nach Auskunft aus dem Rathaus nichts. Die Zahlen seien relativ unverändert, sagt Geschäftsleiterin Ute Raach. Das bedeutet einen Mangel von rund 30 Plätzen in Krippen, 50 in Kindergärten, 25 in Hort und Mittagsbetreuung. Da gebe es nichts zu beschönigen, sagt Raach: "Es wurde bisher kein weiterer Gruppenraum eröffnet."

Erweiterungen mit einem Gesamtkostenvolumen von rund fünf Millionen Euro soll es bei der "Bärenbande" am Robert-Schumann-Weg geben, bei der "Blechkiste" an der Tattenkofener Straße, der Kita Gelting, sowie an der Karl-Lederer-Grundschule und der Schule am Isardamm. Die Stadt betreibe die beschlossenen Bauten und Erweiterungen - darunter sind auch Container-Lösungen - "ganz intensiv", so Raach. Aber sie rechne in keinem Fall damit, dass noch in diesem Jahr neue Gruppen eingerichtet werden könnten. Die Rathaussprecherin sagt, dass es selbst dann noch zu Engpässen kommen könne, wenn die Stadt mit den baulichen Veränderungen fertig ist, da die Betreiber allenthalben Personal suchten. Beim Kinderhaus "Bärenbande" der Arbeiterwohlfahrt (AWO) ist das allerdings nicht der Fall. "Die Personalausstattung ist gut", sagt AWO-Pressesprecherin Michaela Lichtblau. Es lägen sogar zusätzliche Bewerbungen vor: Wenn die bauliche Erweiterung abgeschlossen wäre, könnte die "Bärenbande" loslegen.

Beim AWO-Kinderhaus, das am Robert-Schumann-Weg liegt, soll ein Individualraum zum Gruppenraum umgenutzt werden. Dadurch könnten laut Planung im Rathaus 18 neue Kita-Plätze geschaffen werden. Eine weitere Gruppe in derselben Größe soll durch Umgestaltung eines ursprünglich als Hausmeisterwohnung vorgesehenen Raums Platz finden.

"Immer eine Momentaufnahme"

Sonja Frank (FW), die Sozialreferentin des Stadtrats, weist darauf hin, dass die Schaffung neuer Plätze in der Kinderbetreuung oft durch vielerlei Auflagen und Genehmigungsschlüssel erschwert werde. "Man kann nichts schnell erlauben", sagt sie, die selbst beim katholischen Kreisbildungswerk und der evangelischen Kirche in der Kinderbetreuung arbeitet. Auch die Vorstellung, die Stadt könnte vorsorglich Plätze einrichten, sei irrig. Erst wenn der tatsächliche Bedarf nachzuweisen sei, würden neue Einrichtungen staatlich genehmigt - und damit auch gefördert. Die Feststellung, wie viele Plätze gebraucht werden, sei daher "immer eine Momentaufnahme".

Die Beurteilung der realen Situation werde zudem noch dadurch erschwert, so Frank, dass Gruppenstärken unterschiedlich ausfielen, je nachdem, welche Kinder aufgenommen würden. So müssten Gruppen kleiner sein, in denen Kinder mit erhöhtem Betreuungsbedarf sind. Und auch, wenn in einer Gruppe von Dreijährigen und Älteren ein Kind unter drei dabei sei, variiere der Betreuungsschlüssel. All dies stehe aber letztlich erst zu Beginn des Kindergartenjahres fest.

Die Caritas deckt in Geretsried das ganze Spektrum an Kinderbetreuung ab: Krippe, Kindergarten, Hort - und dies an zusammen sieben Standorten. Mit der Stadt Geretsried stehe sein Haus gerade in Verhandlungen, sagt Caritas-Kreisgeschäftsführer Wolfgang Schweiger. Akut geht es um die Frage, ob und zu welchen Bedingungen die Caritas die Trägerschaft für eine Erweiterung ihres Kindergartens Sankt Benedikt an der Leitenstraße in Gelting übernimmt. Der Stadtrat hatte im Juli beschlossen, dort einen Container für zwei Gruppen aufzustellen. Schweiger möchte während laufender Verhandlungen dazu nichts Konkretes sagen. Nur so viel: Es gehe um die Frage, was für die Caritas leistbar und wie es zu finanzieren sei. Außerdem spiele die Personalsuche eine Rolle.

Bei der Caritas sei die Personalsituation im vorigen Jahr, so Schweiger, "relativ ausgewogen" gewesen. Soll heißen: "Was wir gesucht haben, konnten wir ohne große Verzögerungen besetzen." Dennoch gebe es keinen Pool an Bewerbern, die nur darauf warteten, hier beschäftigt zu werden. Und auch wenn das Tarifsystem manchmal eine Rolle spiele - unterschiedliche Träger hätten unterschiedliche Tarife -, sei Geld nicht unbedingt ausschlaggebend. Der Ruf der Caritas als Arbeitgeber im Bereich der Kinderbetreuung sei jedenfalls gut.

Und was rät nun die Geretsrieder Sozialreferentin Eltern, die in Geretsried noch keinen Betreuungsplatz gefunden haben? "Man muss sich ans Landratsamt wenden", sagt Sonja Frank. Tagesmütter könnten eine Alternative sein oder die Bitte an den Arbeitgeber, der Mutter oder dem Vater "eine Pufferzeit" einzuräumen. Ihre Quintessenz heißt jedenfalls: "Es ist immer ganz schwierig."