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Betreuung:Große Pflege für kleine Kinder

Kita

Spielen, ausprobieren, lernen – und das alles in einem „sicheren Hafen“, so wünscht sich der Verein Erlebnis Lernen seine Großtagespflege.

(Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Der Penzberger Verein Erle will am Neuen Platz in Geretsried eine Krippe mit zehn Plätzen und hohem pädagogischen Anspruch schaffen

Von Felicitas Amler

Vertrauen und individuelle Förderung, Wertschätzung und Respekt, Kuscheln und sich wie zu Hause fühlen: Das pädagogische Konzept des Vereins Erlebnis Lernen (Erle) ist voll von Begriffen, die vielen Eltern Lust machen werden, ihr Kind dort anzumelden. Der in Penzberg ansässige Verein will in Geretsried eine Großtagespflege für Kinder von eineinhalb bis drei Jahren schaffen. Und im Gegensatz zu diesem nach enormen Ausmaßen klingenden Wort ist dies eine kleine, überschaubare Einheit mit maximal zehn Kindern in der einzigen Gruppe. Am Neuen Platz 14 kann Erle großzügige Räume im Erdgeschoss mit Nebenraum im Souterrain nutzen. Vermieterin ist die Baugenossenschaft Geretsried (BG). Am Dienstag hat der Haupt- und Finanzausschuss des Stadtrats einstimmig seine Unterstützung für das Vorhaben beschlossen.

Der Verein orientiert sich an zwei maßstabsetzenden Frauen. Die italienische Reformpädagogin Maria Montessori ("Hilf mir, es selbst zu tun") und die ungarische Ärztin Emmi Pikler, die ebenfalls den Ansatz der freien und individuellen Entwicklung eines Kindes verfolgte, werden im Konzept genannt. Dieses sei "pädagogisch sehr wertvoll", sagte Werner Rampfel im Hauptausschuss. Der Leiter des Bereichs Familie, Soziales und Sport im Rathaus unterstrich auch den Bedarf an einer Großtagespflege. "Jeder Platz, den wir gewinnen, ist eine Bereicherung", sagte er. Die Stadt Geretsried hat einen Mangel in der Kinderbetreuung. Im vergangenen September fehlten 30 Plätze in Krippen, 50 in Kindergärten, 25 in Hort und Mittagsbetreuung. Aktuelle Zahlen wurden im Ausschuss nicht genannt.

"Über jeden Platz froh"

"Wir können über jeden Platz froh sein", sagte Volker Reeh (Geretsrieder Liste). Die Zweite Bürgermeisterin Sonja Frank (Freie Wähler) erklärte, der Verein sei auf sie zugekommen. Das pädagogische Konzept verfolge "hohe Ansprüche", und sie sei froh, wenn durch eine Großtagespflege, die es eben in Geretsried noch nicht gebe, Vielfalt in das Betreuungsangebot komme. Auch Martina Raschke (Grüne) sagte, sie würde sich das für Geretsried wünschen. Sie fragte aber wie ihr Fraktionskollege Detlef Ringer nach der finanziellen Sicherheit des Vereins. Sabine Lorenz (CSU) sagte: "Ich fände es toll und gut, wenn wir das hier bekommen." Das finanzielle Risiko für die Stadt sei gering. Bürgermeister Michael Müller (CSU) bekräftigte dies. Ohnehin obliege die Prüfung des Vorhabens dem Landratsamt.

Die Stadt soll laut Beschluss die Hälfte der Erstausstattung der Großtagespflege übernehmen und zur Miete jeweils 50 Cent "pro gewichteter Buchungsstunde" zuschießen. Der Verein rechnet nach Auskunft seiner Vorsitzenden Michaela Lüttich mit 14 700 Euro für die Erstausstattung; der jährliche Mietkostenzuschuss betrüge laut Bayerischem Kinderbetreuungsgesetz mindestens 2900 Euro. Hinzu käme ein Betriebskostenzuschuss von 5860 Euro im Jahr, erklärt Lüttich auf SZ-Anfrage.

Der Verein Erle arbeitet parallel an einer "Aktiven Schule" für Penzberg nach dem Vorbild einer gleichnamigen Einrichtung in Petershausen (Landkreis Dachau). Dass sich der Verein mit der Gründung einer Großtagespflege nach Geretsried orientiert, habe sich aus Kontakten zu Sonja Frank und zum BG-Geschäftsführer Wolfgang Selig ergeben, sagt Lüttich. Die Lage der Räume am Neuen Platz nennt sie "ideal". Im Konzept klingt dies an: "Besonders der große Spielplatz hinter dem Haus mit seinen vielen Bäumen, der Wiese und dem kleinen Hügel bietet den Kindern ausreichend Möglichkeiten, erste Naturerfahrungen zu sammeln und sich nach Lust und Laune zu bewegen und zu toben."

Die Großtagespflege soll drei qualifizierte Mitarbeiterinnen haben, zwei Erzieherinnen und eine Kinderpflegerin. Jedes Kind ist einer der Tagespflegepersonen zugeordnet, so heißt es. "Dies wird vertraglich festgehalten." Ziele seien individuelle Förderung und Bindungssicherheit als wesentliche Grundlage einer Entwicklung zu Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen.

Interessenten können sich per Mail an den Verein Erle wenden, kontakt@erle-erlebnis-lernen.de

© SZ vom 18.06.2020

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