Besuch aus Kenia in Geretsried Hakuna Matata

Father Daniel Kiriti aus Nakuru, Kenia, inmitten der Fünftklässer an der Realschule Geretsried.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Father Daniel Kiriti besucht zum zweiten Mal seit 2005 die Realschule Geretsried, die mit viel Engagement sein Straßenkinder-Projekt unterstützt

Von Felicitas Amler

Wenn alles gut läuft im Leben eines Heranwachsenden in Kenia, dann geht er acht plus vier plus vier Jahre lang in die Schule. Das ist der Plan, von der Regierung so angeboten: Erst in die Grundschule, dann in eine Gesamtschule, schließlich auf die Hochschule. Ein schöner Weg, an dessen Ende zum Beispiel eine junge Rechtsanwältin stehen könnte. Aber wie viele schaffen das, wenn sie Waisenkinder sind, auf der Straße leben, nicht einmal genug zum Sattwerden haben? Der Priester Daniel Kiriti versucht seit vielen Jahren Straßenkinder in Nakuru, der viertgrößten Stadt des Landes, auf den Bildungsweg zu bringen. Die Realschule Geretsried unterstützt ihn dabei. Diese Woche war "Father Kiriti" zum zweiten Mal seit 2005 an der Schule, erzählte von seiner Arbeit in Kenia und sagte den Kindern, Jugendlichen und Lehrerinnen wieder und wieder Danke: "God bless you so much. I praise you!"

Donnerstagmorgen im ersten Stock der Realschule: Veronika Fiedler hat alle Fünftklässler auf der "Lerninsel" vor sich versammelt. Sie spricht in dieser Schulstunde nicht als Lehrerin für Mathe und Physik zu ihnen. Fiedler steht an der Seite von Father Kiriti, den sie vor 24 Jahren kennengelernt hat und zu dem sie und der von ihr mitgegründete Verein "Bildung, Zukunft, Afrika" bis heute Kontakt pflegen. Sie erzählt, wie sie sich als junge Frau nach dem Abi in Afrika engagieren wollte und im Straßenkinder-Projekt des Jugendpfarrers landete. Wie erbärmlich die Zustände waren. Wie sie dabei half, Kinder in die notdürftig geschaffene Schule zu locken - mit dem Versprechen einer Mahlzeit. Und so ist es noch heute: "First of all we start with the food", erklärt Daniel Kiriti den Fünftklässern.

Und dennoch hat sich viel getan, auch dank der kontinuierlichen Unterstützung der Realschule Geretsried, die sich Fiedlers Engagement 2005, noch zu Zeiten von Schulleiter Peter Halke, mit enormer Verve angeschlossen hat. Bei der ersten Initiative, einem Spendenlauf, kamen zur Überraschung aller stolze 40 000 Euro zusammen. Das Center, in dem Kiriti tätig ist, konnte seitdem ausgebaut und eingerichtet werden. Die Kinder werden von Sozialarbeitern wie von einer Familie betreut und auf unterschiedliche Schulen verteilt.

Aber mit der angeblichen Kostenfreiheit der Schulen ist es nach Kiritis Worten nicht weit her: Mal fehle es an Büchern, mal an Tischen, mal an Lehrern. Der Gast aus Kenia braucht sich nur auf der Lerninsel mit all ihren bunten Möbeln, Stapeln von Büchern und vielfältigen Unterrichtsmaterialien umzuschauen, um zu dem Schluss zu kommen: "You are very lucky" - die Geretsrieder Schülerinnen und Schüler hätten Glück, sagt er. Glück, dass eine Regierung ihnen Bildungsmöglichkeiten eröffne und Schulen einrichte; Glück, dass Eltern sie umsorgten, mit Nahrung, Kleidung und Unterstützung. Viele Kinder in Kenia hätten keine Eltern, nicht zuletzt weil Aids so viele Menschen dahingerafft habe.

Wie im "König der Löwen"

Die Fünftklässler sind aufmerksam und fragen interessiert nach. Welche Fächer werden an den kenianischen Schulen unterrichtet? Kiriti zählt alles auf, von Englisch und Swahili - den beiden Amtssprachen - über Mathematik, Geschichte und Kunst bis zu Hauswirtschaft. Swahili? Veronika Fiedler macht die Kinder darauf aufmerksam, dass sie alle einen Ausdruck in der Landessprache kennen - aus dem Zeichentrickfilm "Der König der Löwen": "Hakuna Matata" - alles in Ordnung.

Freuen sich die Kinder, wenn sie in die Schule gehen dürfen?, wird nachgefragt. "Very, very much", ist die Antwort. Und Veronika Fiedler berichtet aus ihrer eigenen Erfahrung von der Fassungslosigkeit der Straßenkinder, denen regelmäßiges Essen angeboten wird: "Sie können es nicht glauben." Was die Kinder am liebsten essen? Die Mädchen Reis und Fleisch, sagt Kiriti, und die Jungs Mais und Fleisch. Aber Fleisch gebe es natürlich nicht immer. Ein Mädchen will wissen, was Kiriti antreibt: "What is your motivation?" Er sagt, er sei Priester. Zu helfen, das sei sein Lebensinhalt.

In der Realschule rennt er damit offene Türen ein. Hier gibt es verschiedene Hilfsprojekte. Die von der Lehrerin Steffi Holzhauer betreute Schülerfirma mit dem schönen Namen "Kipepeo" - Schmetterling - etwa, die mit dem Verkauf fair gehandelter Produkte Bedürftige unterstützt. Dem Gast aus Kenia überreichen die junge Leute eine Spende von 1000 Euro. Und es gibt die Patenschaft für das kenianische Dorf Kimilili. Mädchen und Buben aus der Fünften erzählen, dass sie jeden Monat pro Kopf einen Euro sammeln, um das Geld Kindern in Kimilili zu spenden.

Father Kiriti ist begeistert von dem Enthusiasmus der jungen Deutschen und ermuntert sie, weiterzumachen und andere anzustecken: "There's still more need to be helped", sagt er: Kenianische Kinder brauchen immer noch Hilfe.

Die Schülerfirma übergibt eine Spende (v.l.): Veronika Fiedler, Titus Vollmer, Father Daniel Kiriti, Mathis Tomsu, Eva Kirchmair, hockend: Tamina Preidel und Franziska Schulz.

(Foto: Hartmut Pöstges)