bedeckt München 18°

Besuch am Set:Freiheit im leeren Bad

Luis Vorbach (vorne) spielt Frido. „Es war sofort klar, dass er im Film dabei sein muss“, sagt Rosenmüller über den Buben.

(Foto: Marc Reimann/SquareOneEntertainment/oh)

"Unheimlich perfekte Freunde" wurde im Alpamare gedreht

Von lisa Kuner, Bad Tölz

Der Geruch von Chlor liegt noch in der Luft, wenn man das alte Gebäude betritt. Die leeren Schwimmbecken, Teile der Rutsche, verlassene Sprungtürme auf der einen Seite, Unmengen von Technik und viele Menschen auf der anderen: Im leer stehenden Alpamare in Bad Tölz wurden in der vergangenen Woche Szenen für den Kinderfilm "Unheimlich perfekte Freunde" unter Regie von Marcus H. Rosenmüller gedreht. Der Film erzählt von den beiden Buben Frido und Emil, gespielt von Luis Vorbach und Jona Gaensslen, die im Spiegelkabinett auf dem Jahrmarkt Doppelgänger bekommen. Während die Doppelgänger all die ungeliebten Aufgaben zu Hause übernehmen, mit guten Leistungen in der Schule glänzen und so die ambitionierten Eltern zufriedenstellen, genießen die echten Kinder ihr Leben und ihre Freiheit ohne Erwachsene in einem Lager im Hallenbad.

Gedreht wurde für den Film an fünf Tagen in Bad Tölz, sowohl im Alpamare als auch in der Wandelhalle. Die stellt auf der Leinwand die Aula einer Schule dar. In München wurden schon Aufnahmen gemacht, an den insgesamt 34 Drehtagen stehen außerdem noch Leipzig und der Wiener Prater als Drehorte auf dem Programm. Logistisch ist das nicht einfach, mit der ganzen Technik und all den mitwirkenden Personen. Die Film-Crew hat mehr als 200 Meter Fahrzeuge dabei und auch ihre eigene Küche, in zwei Lkw.

In den gedrehten Szenen sind später keine Erwachsenen zu sehen, auch wenn das auf dem Set im ersten Moment fast unvorstellbar ist - bei dem großen Menschauflauf rund um den Dreh. Circa 80 Personen arbeiten am Filmset: Kameraleute, Ton- und Lichttechniker, Produzenten und viele mehr. Zur Betreuung der Kinder sind auch Sozialpädagogen und ein Lehrer anwesend. "Es ist niemand dabei, der keine wichtige Aufgabe hat", betont Produzent Max Frauenknecht. An der gesamten Produktion des Films, mit Vor- und Nachbereitung, seien ungefähr 200 Menschen beteiligt. Mit Kindern zu drehen, sei eine besondere Herausforderung. Eltern, Jugendamt, Schule und ein Kinderarzt müssten zustimmen, bevor ein Antrag beim Gewerbeaufsichtsamt gestellt werden könne. Erst dann dürften Kinderschauspieler beim Dreh mitmachen. Zudem müsse man sich streng an die Drehzeiten von maximal drei Stunden pro Tag halten.

Plastikstühle, Liegen, Planschbecken, ein Hochsitz - alles, aus dem sich die Kinder im Film ihren Abenteuerspielplatz gebaut haben, sieht so aus, als könnte es noch in dem früheren Spaßbad gewesen sein. In Wirklichkeit wurden alle Requisiten vom Filmteam mitgebracht. "Hier hätte ich auch gerne spielen wollen", sagt Produzent Frauenknecht. Das leere Schwimmbecken und die etwas gespenstische Atmosphäre laden dazu ein, Kinderfantasien freien Lauf zu lassen und auf Entdeckungsreise zu gehen: eine Mischung aus Abenteuer- und Rückzugsort, wie ihn wohl jeder als Kind gerne gehabt hätte.

Am Ende der gedrehten Szene wirken die Kinder dann allerdings gar nicht mehr so glücklich mit ihrer vielen Freiheit: Niemand kocht ihnen etwas zu essen, es ist kalt und sie sind schmutzig. Aber ob ihre Eltern sie wohl zurück haben wollen und nicht doch die perfekteren Doppelgänger vorziehen? Als ihre Abbilder dann beginnen, eigene Ziele zu verfolgen, versuchen die Kinder, sie wieder loszuwerden. Das ist allerdings gar nicht so einfach. Der Film soll im Februar 2019 in den Kinos zu sehen sein.

© SZ vom 07.02.2018
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema