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Bescheiden und glücklich:Auf dem Teppich geblieben

Die Millionengewinnerin aus Eurasburg hat sich ein neues Auto gekauft und Spielekonsolen für die Enkel. Nun plant sie einen Neubau für sich und ihre Mutter. Fernreisen interessieren die 61-Jährige nicht: "Ich wohne ja schon da, wo andere Urlaub machen"

Ein Jahr danach staunt die 61-jährige Sonja R. (Name geändert) immer noch: Sie sitzt am Küchentisch ihres Elternhauses und erzählt vom Abend des 29. April im Vorjahr. In der Millionen-Show der Süddeutschen Klassenlotterie (SKL) saß sie am Ende mit nur noch einer verbliebenen Kandidatin in einem Fernsehstudio in Köln. In wenigen Sekunden sollte sich entscheiden, wer nun die eine Million Euro gewinnt. Da sprach sie ein Stoßgebet an ihren vor acht Jahren verstorbenen Vater, ihr zu helfen. Denn der hatte sein ganzes Leben Lotterie gespielt und nie gewonnen. "Einmal muss es in der Familie doch klappen", dachte sie.

Wenig später verließ Sonja R. tatsächlich mit dem Gewinn die Show. "Die erste Reaktion war eher Unglauben. Ich habe nicht viel mitgekriegt. Selbst als Fotografen kamen und Radiosender anfragten, um mich zu interviewen, habe ich es immer noch nicht geglaubt", sagt sie. Und wie ist es nun, als Millionärin? Im Großen und Ganzen habe sich nicht viel geändert, erzählt sie. Denn sie habe alles, was sie brauche. Der größte Luxus bisher sei ein neuer Kleinwagen gewesen: "Den habe ich mir gegönnt." Im Juni hörte sie zu arbeiten, so kann sie sich mehr um ihre 92-jährige Mutter kümmern. Mit ihr lebt sie unter einem Dach. Der größte Teil das Geldes liegt unberührt auf dem Bankkonto.

Plötzlich Millionär: Manche entwickeln fantastische Ideen, kaufen sich ein teuren Sportwagen, Immobilien oder gehen auf Fernreisen. So lässt sich das ganze Geld schnell ausgeben. Sonja R. muss über so etwas herzhaft lachen. Sie wirkt gelassen, mit sich und ihrem Leben zufrieden. Das Elternhaus von 1954 ist unverändert: An der niedrigen Eingangstür können sich größere Besucher leicht den Kopf anstoßen. In den Räumen dahinter hängen alte Schützenscheiben an den Wänden. Ihr Vater und ihre Mutter waren im örtlichen Schützenverein "Enzian" - so wie sie selbst. Und auch wenn Sonja R. ein Familienmensch ist, ihre beiden 15-jährigen Enkel verbringen viele Nachmittage bei ihr, bekennt sie, dass das Leben mit ihrer Mutter nicht immer einfach sei. "Man ist immer Kind und wird immer Kind bleiben."

Die Eurasburgerin hat das Arbeiten aufgehört, aber ansonsten nicht abgehoben. Die Wünsche der 61-Jährigen sind bescheiden.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Damit ist sie bei der größten Ausgabe, die sie noch plant: Ein eigenes Haus mit zwei getrennten Wohnungen für sich und die Mutter im Garten gleich hinter dem Elternhaus. Ein Prachtbau wird das allerdings nicht werden. Zwei rund 70 Quadratmeter große Wohnungen für sie beide im Erd- und Obergeschoss reichten vollkommen aus, sagt sie. Im Keller will Sonja R. einen Hobbyraum einrichten. Sie stellt sich vor, dass darin auch einmal ein Pfleger wohnen kann, falls ihre Mutter mehr Hilfe braucht. Und vielleicht wäre ein Whirlpool am Haus nett, fügt sie hinzu. Das Elternhaus will sie ihrer Tochter, dem Schwiegersohn und den beiden Enkeln überlassen.

An ihre Arbeit - bis zum 17. Juni war sie in München berufstätig - denkt Sonja R. kaum noch. Sie ist froh, dass sie die Fahrerei nicht mehr machen muss, sagt sie. Über die Reaktion ihres Chef, als sie ihm erzählte, dass sie nun Millionärin sei, kann sie sich noch immer amüsieren. "Der war völlig durch den Wind, viel mehr als ich." Nur mit dem Auto ist Sonja R. fast so viel unterwegs wie vorher. Denn häufig fährt sie ihre beiden Enkel zu Fußballturnieren und zum Training. "Ich bin ihr Taxi", erzählt sie und beginnt laut zu lachen.

Und sonst? Sonja R. geht viel mit ihrem Hund spazieren. Sich die große weite Welt auf Fernreisen anzusehen sei ihr nie in den Sinn gekommen. Das gehe schon wegen ihre Mutter nicht, sagt sie. Außerdem mache sie sich nicht so viel aus dem Reisen. Schließlich lägen der Starnberger See, die Berge und die Landeshauptstadt München praktisch vor der Haustür. Wozu man bei solch vielfältigen Möglichkeiten noch weit weg fahren solle, kann sie kaum nachvollziehen. "Ich lebe ja schon dort, wo andere Urlaub machen."

Sonja R. (Name geändert) hat vor einem Jahr bei der Süddeutschen Klassenlotterie eine Million Euro gewonnen.

(Foto: Wolfsbauer)

Gesellig war Sonja R. immer. Sie ist Mitglied in vielen Vereinen und engagierte sich dort sehr. Im Moment hat sie sich zwar etwas zurückgezogen und verbringt mehr Zeit mit der Familie. Doch das komme schon wieder, sagt sie. Mit ihrem Gewinn in der SKL-Millionen-Show ist Sonja R. ganz offen umgegangen. Die Nachbarschaft weiß davon. Die Nachbarn hätten wohl gedacht, dass bald ein teures Auto vorder Garage stehen werde, erzählt sie. Da habe sie alle jedoch enttäuschen müssen. Dafür hat sie im Oktober 55 Nachbarn zu einem "Millionärsfest" eingeladen. Sie orientierte sich am Vorbild der SKL-Millionen-Show und kaufte Lose für Kandidaten. Ihre Enkel machten mit den Leuten Spiele. Es gab griechisches Essen und Live-Musik. Das sei toll gewesen sagt sie.

Mit den Enkeln ist Sonja R. nach dem Millionengewinn zum Einkaufen nach München gefahren. Sie bekamen eine Spielkonsole. Oft kauft sie ihnen auch Fußballausrüstung. Doch mehr Wünsche hätten die beiden nicht geäußert, sagt sie.

An ihr vieles Geld denkt sie die meiste Zeit überhaupt nicht. Nur ein gewisses Stück Freiheit spüre sie schon, erzählt sie. Gefalle ihr etwas, überlege sie nicht mehr lange, ob sie sich das überhaupt leisten könne. "Ich kaufe es einfach." Jetzt wünscht sie sich nur noch, möglichst fit und gesund zu bleiben.