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Berg:Kunst in der Kirche

Ausstellungsreihe feiert ihr Zehnjähriges

Weniger ist manchmal eben doch mehr. Wer ausufernde Ausstellungen besucht, verliert gelegentlich den Überblick, allein schon wegen der schieren Menge an Exponaten. Beim Berger "Kunstwerk des Monats" kann einem so etwas nicht passieren. Denn diese Reihe versteht sich auf die Beschränkung - ein Künstler, ein Werk, das war's in der Regel. Was natürlich einen Vorteil hat: Weil das ausgesuchte Gemälde, die Skulptur oder Fotografie charakteristisch ist für den Bildhauer, Maler oder Lichtbildner, lässt sich auf einen Blick erkennen, was genau diesen Künstler auszeichnet. Das Konzept geht auf. Die Ausstellungen, die immer am zweiten Mittwoch eines Monats im Katharina-von-Bora-Haus beginnen und nun ihr zehntes Jubiläum begehen, "haben eine stetig wachsende Fangemeinde", so die Veranstalter. Das gelte auch für die Online-Präsentationen in Zeiten der Pandemie.

Die evangelische Kirchengemeinde in Berg hatte das Projekt im Januar 2011 gestartet. "Das Gespräch am runden Tisch", eine Bronzeplastik des 2001 gestorbenen Bildhauers Helmut Ammann aus Pöcking, war das erste "Kunstwerk des Monats". Es steht programmatisch über der Reihe, die auch kontroverse Diskussionen über Kunst anstoßen möchte. Bereits im zweiten Jahr entstand die Kooperation zwischen Kirchengemeinde und Berger Kulturverein, die Gemeinde fördert das Projekt seither. Kuratiert wird die Reihe von der Kunsthistorikerin Katja Sebald. Gastgeber ist Pfarrer Johannes Habdank. Auf die anfangs häufig gestellte Frage, was Gegenwartskunst in der Kirche zu suchen habe, antwortete Habdank, selbst Sohn eines Künstlers: "Künstler sind Seismografen von aktuellen mentalen und geistigen Entwicklungen, Inspirateure von neuen Lebensdeutungen, die religiös anregend sein können."

Kunstwerk des Monats

Auch Werke von Vico von Bülow, besser bekannt als Loriot sind zu sehen.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Zu den Ausstellern gehörten große Namen wie Bernd Zimmer und Florian Holzherr, Dorothea Reese-Heim oder Christina von Bitter. Wowo Habdank und Marcus Calvin, Gerd Holzheimer, Franziska Sperr, Norbert Göttler, Johano Strasser und viele andere haben die Veranstaltungen mit literarischen Texten bereichert, Musiker wie Graham Waterhouse oder Josef Brustmann traten auf.

Im Januar wird stets ein gestorbener Künstler geehrt. Dieses Jahr beginnt mit einer Hommage an die Bildhauerin Sophia Hößle aus Irschenhausen. Im Januar ist im Fenster des geschlossenen Katharina-von-Bora-Hauses eine ihrer Arbeiten zu sehen. Seit dem 13. Januar an wird das Kunstwerk täglich von 16.30 bis 21 Uhr beleuchtet. Eine Online-Präsentation, für die der Schauspieler Wowo Habdank eines der Gedichte vorlesen wird, die Rainer Maria Rilke in Irschenhausen schrieb, begleitet die Schau. Zu sehen im Internet unter: evgberg.de, sophiahoessle.de und katjasebald.de.

Die gebürtige Münchnerin Hößle nahm seit 2008 regelmäßig an den Ateliertagen Berg/ Icking teil und war Mitglied des Kulturvereins Berg. Sie fand ihre Motive in der Natur, Unscheinbares vergrößerte sie ins Monumentale. Sophia Hößle starb am 23. Juni 2019 im Alter von 59 Jahren.

© SZ vom 18.01.2021 / sz
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