Beratung, Workshops und Schulungen:Ein Zuhause für die Demenz-Hilfe

Die Alzheimer-Gesellschaft Isar-Loisachtal leistet seit 2017 wertvolle Arbeit - neuerdings in eigenen Räumen in Waldram

Von Konstantin Kaip, Wolfratshausen

Dass Demenz keine seltene Erkrankung ist, sondern immer mehr Menschen und ihre Familien trifft, zeigen offizielle Schätzungen: Von derzeit rund 240 000 soll die Zahl in Deutschland demnach bis 2030 auf rund 340 000 Betroffene steigen - etwa 1,9 Prozent der Bevölkerung. Im Landkreis sind laut Dieter Käufer, dem Vorsitzenden der Alzheimer-Gesellschaft Isar-Loisachtal, etwa 2500 Menschen von der fortschreitenden Erkrankung betroffen, gegen die es kein Heilmittel gibt. Zwei Drittel von ihnen, sagt Käufer, würden zu Hause versorgt.

Beratung, Workshops und Schulungen: Thomas Bigl, Dieter Käufer, Sylvia Kardell, Gabi Strauhal, Christiane Bäumler und Gerlinde Berchtold (von links) freuen sich über die neuen Räume.

Thomas Bigl, Dieter Käufer, Sylvia Kardell, Gabi Strauhal, Christiane Bäumler und Gerlinde Berchtold (von links) freuen sich über die neuen Räume.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Die Alzheimer-Gesellschaft Isar-Loisachtal wurde 2017 gegründet, um Betroffenen zu helfen, sowie Angehörige, Helfer und Institutionen zu beraten und zu schulen. "Grundlage der Arbeit ist die Überzeugung von der Würde des eingeschränkten Lebens", heißt es auf ihrer Homepage (www.ag-il.de). Seit Anfang des Jahres kann der Verein, der etwa 40 ehrenamtliche Mitglieder zählt, seine wichtige Arbeit endlich auch in eigenen Räumen verrichten: Die Raiffeisenbank Isar-Loisachtal hat der Alzheimer-Gesellschaft ein helles, kleines Büro in der Lüßbachstraße 2 in Waldram kostengünstig überlassen. Gefördert wird die Arbeit des Vereins vom Landratsamt. Am vergangenen Donnerstag stellte Käufer mit anderen Vorstandsmitgliedern und Vertretern der Kreisbehörde die neuen Räume erstmals öffentlich vor. Etwa 80 Beratungsgespräche haben laut Käufer in den beiden hellen Büroräumen bereits in diesem Jahr stattgefunden. Die Alzheimer-Gesellschaft, die auch ein Beratungstelefon rund um das Thema Demenz und Gruppentreffen für Betroffene und Betreuer anbietet, gibt darüber hinaus Fortbildungen und Workshops sowie Schulungen für ehrenamtliche Helfer, die dabei ein Zertifikat erhalten, mit dem sie ihre Leistungen abrechnen können. Die Beratung umfasst auch die Themen Patientenverfügung, Betreuungsvollmacht und Wohnraumanpassung. Wichtig sei bei Demenz eine frühzeitige Diagnostik, sagte Käufer - auch wenn vielen die Erkrankung und die Auseinandersetzung damit anfangs unangenehm sei. Denn nur so könne man rechtzeitig Vorsorge treffen und klären, wer künftig Entscheidungen treffe und wo die Betroffenen leben sollen. Bei der Arbeit des Vereins gehe es vor allem um die Frage: "Welche Netzwerke kann ich aufbauen, um möglichst lange selbstbestimmt zu leben."

Demenzwoche im Landkreis

Rund um den Welt-Alzheimertag am 21. September findet seit einigen Jahren die Demenzwoche statt, mit zahlreichen Vorträgen und Veranstaltungen, die über Demenzerkrankungen informieren. Die Alzheimer-Gesellschaft Isar-Loisachtal beteiligt sich auch in diesem Jahr mit drei Veranstaltungen zum Thema im Landkreis.

"Demenz in der Kommune - Zukunft für die Gesellschaft" ist der erste Abend am Montag, 20. September, in Geretsried betitelt: Der Vereinsvorsitzende Dieter Käufer und Christiane Bäumler, Leiterin des Fachbereichs Senioren im Landratsamt, sprechen im großen Pfarrsaal der katholischen Gemeinde Heilige Familie darüber, wie sich die Gesellschaft nicht nur zunehmende auf ältere Menschen einstellen muss, sondern auch auf solche, die an einer demenziellen Erkrankung leiden (17 bis 19 Uhr).

Am Welt-Alzheimertag am Dienstag, 21.September, gibt es im Landratsamt ein moderiertes Pressegespräch mit dem Neurologieprofessor und Ärztlichen Direktor der Tölzer Asklepios-Klinik Rüdiger Ilg über Diagnostik bei Demenz und die Rolle der Früherkennung (14 bis 16 Uhr).

In den neuen Räumen der Alzheimer-Gesellschaft in der Lüßbachstraße 2 in Wolfratshausen-Waldram informiert Käufer dann am Mittwoch, 22. September, Angehörige und Interessierte in einem Vortrag mit dem Titel "Demenz und was nun" über den Umgang mit demenziell erkrankten Menschen. Anschließend gibt es einen Austausch (16 bis 18 Uhr). Da die Gästezahl bei allen Veranstaltungen begrenzt ist, ist eine Anmeldung vorab erforderlich: Telefon 08171/23 74 60 oder per E-Mail an info@ag-il.de. Mehr auf der Website www.ag-il.de

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Die Alzheimer-Gesellschaft richtet ihre Aufklärungsarbeit nicht nur an jene, die unmittelbar von der Pflege Demenzkranker betroffen sind. Wie Gerlinde Berchtold vom Vorstand erklärte, werden auch an andere Akteure und Institutionen einbezogen. In diesem Jahr habe es schon Schulungen bei der Wolfratshauser Polizeiinspektion und bei medizinischen Fachkräften gegeben. "Corona hat uns zwar ein paar Steine in den Weg gelegt", sagte Berchtold. Nun aber wolle man die Informationsarbeit intensivieren und auch Feuerwehrkräfte, Verwaltungsangestellte in Bürgerbüros, Einzelhändler und Bankangestellte für den Umgang mit Demenzkranken sensibilisieren, um dem Ziel einer "demenzsensiblen Stadt" näherzukommen.

Zur Einweihung am Donnerstag überreichte der Kreissozialamtsleiter Thomas Bigl ein Landkreiswappen für die Räumlichkeiten und den Ausdruck des Beschlusses, den der Kreistag 2019 für die Regelförderung des Vereins gefasst hat. Die Alzheimer-Gesellschaft Isar-Loisachtal sei für die häusliche Pflege "systemrelevant", hat das Gremium darin konstatiert. Die Anzahl von 2500 Demenzkranken im Landkreis sei doppelt so hoch wie die der Bürger, die von Altersarmut bedroht seien, sagte der Kreissozialamtsleiter. Das zeige, dass das Thema keine Randerscheinung sei. Auch wenn Demenz eine nicht aufzuhaltende Erkrankung sei, gebe es doch einen Lichtblick, den die Alzheimer-Gesellschaft aufzeige: dass man bei rechtzeitiger Diagnose das Zusammenleben als Familie, die Pflege und die Finanzierung organisieren könne.

Bigl bedankte sich bei Käufer und seinen ehrenamtlichen Mitstreitern. "Es ist toll, wenn man wo hinkommt und sagt: Wir haben alles richtig gemacht", sagte er. "Wir sind richtig stolz, dass wir so was im Landkreis haben."

© SZ vom 13.09.2021
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