Benediktbeurer Politik Frank Seller tritt an

Die CSU-Benediktbeuern wählte neben dem Bürgermeister-Kandidaten auch ihren Vorstandsriege neu. Im Bild v.l.: Kreisvorsitzender Martin Bachhuber, Bürgermeister-Kandidat Dr. Frank Seller und der neue CSU-Ortsvorstand Hans-Otto Pielmeier.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Ortsverband der CSU nominiert Bürgermeister-Kandidaten

Von Petra Schneider

Ein dritter Kandidat für die Bürgermeisterwahl am 30. Juni steht fest: Die CSU hat am Donnerstag einstimmig Frank Seller nominiert, den auch die Benediktbeurer Mitte mittragen wird. Er tritt gegen Toni Ortlieb (Benedikbeurer Bürgervereinigung) und Rudi Mühlhans (Freie Bürgerliste Miteinander) an. Mit Seller schickt die CSU einen erfahrenen Kommunalpolitiker ins Rennen: Der 59-Jährige ist seit 18 Jahren Mitglied des Gemeinderats, seit fünf Jahren Zweiter Bürgermeister. Er führt seit dem plötzlichen Tod von Hans Kiefersauer Mitte März die Geschäfte.

Die CSU steht geschlossen hinter Seller. Überschwänglich fiel die "Laudatio" von Dritter Bürgermeisterin Margarete Steffens aus, die selbst nicht kandidieren wollte: Sie bescheinigte Seller Teamfähigkeit, Besonnenheit und fachliche Kompetenz. Er sei ein "feiner Kerl" und "cooler Typ", sagte Steffens unter großem Applaus der etwa 30 Anwesenden in der "Jägerstube". Der promovierter Politologe habe "Karriere bei der Bundeswehr" gemacht. Einem Ruf ins Verteidigungsministerium war er 2003 mit Rücksicht auf seine Frau und die beiden Kinder nicht gefolgt. Er lehrte an verschiedenen Bundeswehr-Hochschulen und übernahm schließlich das Unternehmen "Betten Stern" von seinen Eltern. Seller bekleidet diverse Ehrenämter: Seit 20 Jahren ist er Jugendausbilder bei der Feuerwehr, Kreisbrandmeister, Vorsitzender beim Reservistenverein. Er ist ehrenamtlicher Richter am Verwaltungsgericht und engagiert sich seit Jahren für die Tafel.

Seller äußerte sich ausführlich über seine Ziele. "Unter meiner Führung wird es keine Fantastereien geben", sagte er. Durch anstehende Pflichtaufgaben - wie die Sanierung des Straßen- und Wassernetzes, "das über Jahre vernachlässigt wurde", seien die Mittel für die kommenden Jahre weitgehend gebunden. Durch Einheimischenmodelle solle Familien bezahlbares Wohneigentum ermöglicht werden, denn die Bodenrichtpreise hätten sich in der Gemeinde in den vergangenen vier Jahren auf 800 Euro je Quadratmeter verdoppelt. Seller sprach sich gegen eine weitere Innenverdichtung aus. "Das ist der Tod der Dörfer". Eine lebendige Dorfstruktur brauche ein Nebeneinander von Wohnen, Gewerbe, Handwerk und Landwirtschaft.

Dass beim Bürgerbegehren im Juni vorigen Jahres 62 Prozent gegen eine Erweiterung des bestehenden Gewerbegebiets am Lainbachwald gestimmt haben, sieht Seller auch als Versäumnis seiner Partei. "Manches ist strategisch von uns verkehrt angegangen worden", sagte er. Nun müsse man über einen neuen Standort nachdenken. Seller hofft, dass trotz der "Unsicherheit in Bezug auf die Altersstruktur" die Salesianer im Kloster bleiben.

Bei der Versammlung des Ortsverbandes gab es auch Kritik: Erwin Pecho forderte mehr Präsenz der CSU in Benediktbeuern. "Wo war die CSU, als es ums Gewerbegebiet und um die Strabs ging?", schimpfte Pecho. Einen Schub erhofft sich der Ortsverband vom neuen Vorsitzenden, der am Donnerstag ebenfalls gewählt wurde: Hans-Otto Pielmeier löst Dieter Drewanz ab, der aus Zeitgründen künftig nur mehr als Schriftführer fungiert.