Umweltschutz Kampf gegen den Kunststoff

Werner Boote hat im ZUK Benediktbeuern seinen preisgekrönten Dokumentarfolm Plastic Planet gezeigt.

(Foto: Manfred_Neubauer)

Kreisbildungswerk und Bund Naturschutz geben Tipps für ein plastikfreieres Leben im Landkreis.

Von David Holzapfel

Auf einer indischen Müllhalde türmen sich Berge von Kunststoff. Tausende Vögel verenden qualvoll, die Bäuche gefüllt mit Plastikteilen. Es ist ein erschreckendes Bild, dass Werner Boote mit seinem Dokumentarfilm "Plastic Planet" zeichnet. Beim Kreisbildungswerk und dem Bund Naturschutz sprachen er und andere Referenten am Donnerstag in Benediktbeuern auf einer Podiumsdiskussion über "Plastikfrei leben im Landkreis". Zwei Frauen aus dem Landkreis berichten von ihren Erfahrungen beim Verzicht auf Kunststoff.

Wenn Sonja Borowski einkaufen geht, hat sie jede Menge Stofftaschen, Einmachgläser und Tupperdosen dabei. Seit acht Jahren versucht die Mutter zweier Söhne weitestgehend auf Plastik zu verzichten. Der Berg an Kunststoffmüll, den ihre Familie im Laufe einer Woche produziert hatte, brachte die Mutter irgendwann ins Grübeln. Sie fing an zu recherchieren und sammelte Tipps und Tricks für ein möglichst emissionsfreies Leben. "Ich war total erstaunt, wie wenig Müll ich auf einmal hatte", sagt sie. Solange es keine Gesetze zur Reduktion von Plastik gebe, müssten die Verbraucher sich selbst darum kümmern.

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Die Umstellung sei für ihre Familie kein großes Problem gewesen: "Alle haben total mitgemacht, die mussten früher nämlich immer den Müll wegfahren", sagt Borowski lächelnd. Ganz ohne Hürden sei das plastikfreie Leben jedoch nicht zu bewältigen. Ein spontaner Besuch beim Bäcker oder Metzger sei ohne passendes Behältnis nicht einfach. Die Familienmutter appelliert an die versammelten Gäste: "Seien Sie unbequem, nehmen Sie nicht alles einfach hin!" Eines habe sie im Laufe der Zeit besonders überrascht: "Ich habe nicht einmal das Einkaufsbudget gebraucht, das ich früher eingeplant habe." Und das trotz Einkäufen in Bio-Läden. Natürlich ernte sie für ihre Lebensweise manchmal ungläubige Blicke, der Großteil fände es jedoch inspirierend.

Boote schuf einen der einflussreichsten Dokumentarfilme

Auch Jasmin Seitner galt lange Zeit als bunter Hund. Sie betreibt einen "Unverpackt-Laden", vor Kurzem eröffnet im 220-Einwohner-Ort Bairawies. "Die Meisten haben an meinem Verstand gezweifelt", sagt die 31-Jährige lachend. Das Konzept ist simpel: Seitner bekommt ihre Produkte plastikfrei geliefert. Kunden bringen Gläser oder Behälter zum Einkaufen mit und füllen sich genau die Menge ab, die sie brauchen. Schon länger bestehende verpackungsfreie Supermärkte in München dienten ihr damals als Inspirationsquelle. Und ihr "Unverpackt-Laden" findet durchaus Anklang. "Ich habe schon ein kleines Stammpublikum, die Leute kommen mit Taschen und Gefäßen und füllen fleißig ab", sagt die studierte Sprachwissenschaftlerin. Nebenher betreibt sie ein kleines, an den Laden gekoppeltes Café. In ihrem Arbeitsalltag stoße sie immer wieder auf neue Herausforderungen: Zum einen stecke ein großer finanzieller Aufwand hinter dem Projekt. Die besondere Ausstattung sei kostspielig: Holzregale, Glasschütten, Aluminiumbehälter, auch hier wird fast gänzlich auf Kunststoff verzichtet. Weiter sei es für Zulieferer schwierig, große Mengen an Waren zu transportieren und dabei auf Plastikverpackungen zu verzichten. "Bei der Wahl der passenden Lieferanten bin ich immer noch im Findungsprozess", sagt Seitner.

Im Anschluss können Publikum und Referenten noch ihre Fragen an Werner Boote richten. Die Vorführung seiner Dokumentation zu Beginn der Veranstaltung hat alle gleichermaßen beeindruckt wie schockiert. Über zehn Jahre lang trugen der Filmemacher und sein Team Informationen über das kontroverse Material zusammen. Heraus kam einer der einflussreichsten und erfolgreichsten Dokumentarfilme des deutschsprachigen Raumes. Auf die Frage der Moderatorin, wie die Recherche zu "Plastic Planet" sein eigenes Verhältnis zu Plastik verändert habe, sagt er: "Früher hatte ich immer eine Plastikflasche neben meinem Computer, die habe ich jetzt durch eine Glaskaraffe ersetzt." Mit kleinen Schritten wie diesem habe er dem Kunststoff den Kampf angesagt.

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