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Benediktbeuern:"Tausend Fragezeichen"

Tutzinger Hütte

Wanderer, kommst du zur Tutzinger Hütte ... - so sieh nach, ob sie schon geöffnet ist. Einen Termin dafür gibt es noch nicht.

(Foto: Manfred Neubauer)

Die Tutzinger Hütte ist betriebsbereit, aber ...

Als Bergwanderer ist der hagere Humorist Karl Valentin zwar unbekannt. Doch beschreibt sein Satz "Mögen hätte ich schon wollen, aber dürfen habe ich mich nicht getraut" perfekt die derzeitige Situation so manchen Wirts in Gipfelnähe. So soll die Gastronomie im Freistaat wieder öffnen dürfen - von 18. Mai an im Freien, eine Woche später innen. Den Pächtern der Tutzinger Hütte an der Nordseite der Benediktenwand fehlen bislang aber noch klare politische Vorgaben für ein Konzept mit Hygieneauflagen und Abstandsregelungen. "Wir sitzen jetzt gerade da und versuchen 1000 Fragezeichen zu beantworten", sagt Sabine Jauernig, die mit ihrem Mann Thomas und ihrer Schwester Christine Seemüller die Hütte führt.

Auf keinen Fall will das Trio ein Bußgeld wegen möglicher Verstöße riskieren. Daher mag Sabine Jauernig noch kein Datum für die Saisoneröffnung nennen, obwohl die Hütte betriebsbereit wäre. In den vergangenen Monaten haben die Pächter das Haus gereinigt und Malerarbeiten erledigt. Mit der Materialseilbahn könnten sie Getränke und Nahrungsmittel von der Forststraße zur Hütte in 1327 Höhenmetern transportieren. Derzeit sind sie dabei, sich genügend Masken zu organisieren, um loslegen zu können. Ob und wie in dieser Saison auch Übernachtungen möglich sein werden, ist aber noch unklar. "Es wäre toll, wenn sich etwas tut", sagt Sabine Jauernig. Aufsperren könnten sie aber nur, wenn auch der Betrieb in den Innenräumen möglich und geregelt sei. Denn am Berg zögen schnell einmal Gewitter oder Regenschauer auf. Nur die Terrasse zu öffnen, das sei unter den alpinen Witterungsbedingungen wenig sinnvoll.

Wenn die Pächter womöglich um Pfingsten herum wieder Gäste bewirten können, fehlt ihnen ein Monat Umsatz. Denn in der Regel beginnt die Saison unterhalb der nördlichen Felsabstürze der Benediktenwand je nach Schneelage Mitte bis Ende April. "Das ist ein großer Verlust", beschreibt Sabine Jauernig die wirtschaftliche Lage. Denn während der Corona-Pandemie könnten sie die Hütte nie zu hundert Prozent auslasten. Im Vergleich zu früheren Jahren könnten sie kaum mehr als 30 bis 40 Prozent an Gästen bewirten.

Unterdessen sind im Nachbartal östlich der Benediktenwand, auf der Lenggrieser Hütte, noch die Handwerker beschäftigt. Sie sanieren die sanitären Anlagen. Das wird noch etwa sechs Wochen dauern, wie Pächter Florian Durach sagt. Die nächsten Wochen bleibt die Hütte am Seekarkreuz geschlossen. Zu Pfingsten versuche er für Wanderer ein Angebot zu machen - womöglich in Form eines Straßenverkaufs. "Wie und was es wird, kann ich derzeit aber noch nicht sagen", erklärt Durach.

© SZ vom 16.05.2020

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