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Benediktbeuern:Solidarität ist Christenpflicht

Alexander Kalbarczyk lobt Engagement für Flüchtlinge

Das Engagement für Flüchtlinge und Migranten gehört wesentlich zur christlichen Identität: Dies verdeutlichte Alexander Kalbarczyk, Geschäftsführer der Migrationskommission der deutschen Bischofskonferenz, in seinem Vortrag zum Auftakt der Ringvorlesung "Zufluchtsort Deutschland - Interreligiöse Perspektiven", die die Katholische Stiftungsfachhochschule und das Kloster Benediktbeuern veranstalten.

Hilfsbereitschaft und Solidarität in der Bevölkerung auf der einen Seite, Überforderung und Angst auf der anderen: In diesem großen Spannungsfeld bewege sich das Engagement der Kirchen für Geflüchtete, hob Kalbarczyk hervor. In einem weiten Bogen, der von den Grundlagen der christlichen Sozialethik im Alten Testament bis zu den 2016 verabschiedeten "Leitsätzen des kirchlichen Engagements für Flüchtlinge" der Bischofskonferenz reichte, verdeutlichte der Referent: "Die Fürsorge für Flüchtlinge ist Teil der christlichen Identität." Texte des Alten und Neuen Testaments belegten eine ethische Grundsensibilität für Heimatlose, Flüchtlinge und Vertriebene. Aus den Erfahrungen von Flucht, Unrecht und Unfreiheit in der Religion sei das Gebot entstanden, Fremde zu schützen.

Wie Kalbarczyk erklärte, waren 2016 mehr als 200 000 evangelische und katholische Christen hierzulande in der Flüchtlingshilfe ehrenamtlich aktiv. Dieses Engagement sei für Kirche und Gesellschaft von unschätzbarem Wert, sagte er. Außerdem gebe es den Pfarrgemeinden eine "neue Bedeutung, wenn sie entdecken, dass sie im Stadtteil oder in der Region zu zentralen Ansprechpartnern beim Thema Flucht werden". Zugleich warnte er davor, dass für freiwillig Engagierte die Gefahr bestehe, dass sie sich durch ihren dauerhaften und intensiven Einsatz überforderten. Die katholische Kirche sieht er deshalb in der Pflicht, in hauptamtliche Mitarbeiter zu investieren. Ihre Zahl sei in den vergangenen Jahren auf mehr als 5900 im Bereich Flucht und Asyl gestiegen.

"Zuversicht und Engagement anstelle von Angst und Resignation" - dies muss für Kalbarczyk die christliche Botschaft angesichts der Herausforderungen durch Zuwanderung und Integration sein. Wer sich von Flüchtlingen bedroht sehe, müsse sich fragen, ob seine Identität als Christ "nicht viel mehr dadurch bedroht wäre, wenn man diesen ethischen christlichen Prinzipien widerspricht". Auch in der Kirche müsse zwar Platz für eine Debatte über Ängste und Probleme sein, was aber "nicht für die Abwertung und Entmenschlichung von Flüchtlingen dienen" dürfe, so Kalbarcyk.

Nach seiner Auffassung steht die Kirche in einer doppelten Verantwortung: Sie müsse entschieden für Schutzbedürftige auf der Flucht einstehen, zugleich aber das Wohl der gesamten Gesellschaft im Blick haben und sich für Menschen engagieren, die an den Rand gedrängt sind.

Der nächste Termin der Ringvorlesung ist am Mittwoch, 8. März. Dann referiert Professorin Ursula Münch, Direktorin der Akademie für Politische Bildung in Tutzing, über das Thema "Zwischen Integrationsgesetz und Fremdenhass - die Bedeutung politischer Bildung für die Einwanderungsgesellschaft". Beginn ist um 19 Uhr im Audimax der Benediktbeurer Hochschule. Der Eintritt ist frei.

© SZ vom 31.01.2017 / sci
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