Kloster BenediktbeuernJahrelange Sanierung nach zehn Minuten Sturm

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Der Wiederaufbau im Kloster Benediktbeuern nach dem Hagelsturm im August 2023 schreitet voran, allerdings ist noch immer einiges zu sanieren.
Der Wiederaufbau im Kloster Benediktbeuern nach dem Hagelsturm im August 2023 schreitet voran, allerdings ist noch immer einiges zu sanieren. (Foto: Kloster Benediktbeuern/oh)

Nach dem Hagelunwetter vor zwei Jahren ist der Wiederaufbau im Kloster Benediktbeuern in vollem Gange. Bislang sind 35 von 160  sanierungsbedürftigen Räumen wiederhergestellt. Der Kulturbetrieb und die ZUK-Bildungsangebote laufen ohne Einschränkungen.

Von Klaus Schieder, Benediktbeuern

Es war am 26. August 2023, als der Himmel über Benediktbeuern finster wurde. Ein heftiger Hagelsturm zog auf. Nur zehn Minuten lang fegte er über den Ort hinweg, aber danach war fast nichts mehr wie vorher. Nahezu jedes Haus wurde beschädigt, Autos verbeult, die Natur schwer getroffen. Die Bilanz: Rund 5000 Fenster gingen zu Bruch, die Fassaden waren auf insgesamt 10 000 Quadratmetern Fläche sanierungsbedürftig, die Dächer auf einer Gesamtfläche von 20 000 Quadratmetern kaputt. Dem Hagel folgte fünf Tage lang Regen, der in die Dachgeschosse eindrang.

Zwei Jahre später sieht Benediktbeuern wieder schmuck aus. Die Gerüste und Dachplanen an den Häusern sind verschwunden, nur die Basilika liegt noch unter einer grünen Plastikhaube. Das Kloster und die umliegenden Gebäude hatte der Hagelsturm ebenfalls stark beschädigt. In den Tagen und Wochen danach war nicht klar, ob und wie das Zentrum für Umwelt und Kultur (ZUK) seine Angebote in der Jugend- und Umweltbildung wieder aufnehmen kann, ebenso wenig, wann der Kulturbetrieb mit seinen Konzerten und Ausstellungen wieder startet. Dabei hatte der Wiederaufbau in der Klosteranlage rasch begonnen, ist allerdings immer noch nicht abgeschlossen.

„Im Inneren des Klosters konnten bislang 35 der insgesamt 160 sanierungsbedürftigen Räume wiederhergestellt werden“, berichtet Katrin Birk, Sprecherin des Kloster Benediktbeuern. Dazu zählen der Barocksaal, der Don-Bosco-Saal, mehrere Büros, Zimmer für die Salesianer, Gästezimmer im Maierhof und Räume für die Jugendarbeit. Im Südarkadentrakt seien mittlerweile die Deckengemälde im Fürstensaal restauriert, so Birk. Die anderen Sanierungsarbeiten in diesem Flügel dauern voraussichtlich bis zum Frühjahr 2026, das Gebäude soll dann als Tagungszentrum mit zentraler Klosterküche neu eröffnet werden. Dann sollen auch die kernsanierten Gästehäuser Meichelbeck und Fraunhofer fertig sein.

Ministerpräsident Markus Söder begutachtete kurz nach dem Hagelsturm die Schäden.
Ministerpräsident Markus Söder begutachtete kurz nach dem Hagelsturm die Schäden. (Foto: Manfred Neubauer)

Die Arbeit ist damit jedoch nicht abgeschlossen. „Auf eine umfassende Kernsanierung wartet noch der Westflügel des Maierhofs“, teilt die Kloster-Sprecherin mit. Darin befinden sich zahlreiche Bildungs- und Tagungsräume, etwa der Sieger-Köder-Saal. „Sobald die finanziellen Mittel bereitstehen, kann es losgehen.“  Auch im Westtrakt im Arkadenhof ist noch viel zu tun. In den schwer beschädigten Abschnitten vom ersten bis zum dritten Stock stehe eine grundlegende Renovierung an, so Birk. Und die Klostergärtnerei, die durch das Unwetter komplett zerstört wurde, liegt weiterhin brach.

Im Maierhof steht noch die umfassende Sanierung des Westflügels auf dem Programm.
Im Maierhof steht noch die umfassende Sanierung des Westflügels auf dem Programm. (Foto: Manfred Neubauer)

Was die Basilika St. Benedikt angeht, können darin vorerst keine Gottesdienste gefeiert werden. Aber die Sanierung der Kirche schreite voran, so die Sprecherin: „Der historische Dachstuhl wird derzeit statisch ertüchtigt, und Teile des Daches sind bereits neu eingedeckt.“ Weitere Arbeiten an den Türmen, den Fassaden und im Innenraum stehen noch bevor. Besucherinnen und Besucher können sich davon selbst ein Bild machen, unter der Orgelempore eintreten und in das Kircheninnere schauen.  Auf einem Bildschirm gebe es Informationen über das Hagelunglück, teilt Birk mit. Außerdem bekämen die Gäste „filmische Eindrücke aus der Basilika anhand eines Drohnenflugs durchs Kirchenschiff“.

Der Dachstuhl des Basilika St. Benedikt wird statisch ertüchtigt.
Der Dachstuhl des Basilika St. Benedikt wird statisch ertüchtigt. (Foto: Harry Wolfsbauer)

Im Zentrum für Umwelt und Kultur geht alles längst wieder seinen Gang. Schon seit Ende 2023 läuft die Jugend- und Umweltbildung wieder normal. Während der Schulzeit seien pro Woche etwa 500 junge Leute, die an Bildungsangeboten teilnehmen, auf dem Gelände von Kloster und ZUK unterwegs, teilt Birk mit. Hinzu kommen 400 Studierende der Katholischen Stiftungsfachhochschule im Campus Benediktbeuern, die ihren Betrieb schon kurz nach dem Hagelsturm wieder aufgenommen hatte.

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Das kulturelle Leben ist ebenfalls zurückgekehrt. „Vollständig“, wie die Sprecherin des Klosters sagt. Im Barocksaal und im Don-Bosco-Saal finden Konzerte statt, Kunstausstellungen sind im Kreuzgang und im ZUK zu sehen, im Maierhof gibt es Open-Air-Veranstaltungen. Das Klostercafé, das nur leichte Schäden erlitten hatte, ist längst wieder geöffnet, ebenso der Klosterladen. Und im Frühling vorigen Jahres gesellte sich das neue Kräuter-Café im Maierhof dazu. Das Trachten-Zentrum ist bereits seit einigen Monaten geöffnet. Neu ist das Dokumentationszentrum der Gebirgsschützen Bayerns, das am 30. August eingeweiht wurde.

Fusion von ZUK und Kloster sei „ein gemeinsames Bekenntnis zu unserer Verantwortung“, sagt Franz Wasensteiner

Der Hagelsturm hat nicht bloß eine Menge Schäden hinterlassen.  Er trug auch dazu bei, dass das Kloster und das ZUK bis Anfang 2026 fusionieren. Das Ziel: Bildungsangebote sollen inhaltlich stärker verzahnt und Ressourcen gebündelt werden. „Die Herausforderungen der letzten Jahre – nicht zuletzt das Hagelunwetter - haben uns gezeigt, wie stark wir gemeinsam sein können“, erklärt ZUK-Leiter Benedikt Hartmann. Für Franz Wasensteiner, Einrichtungsleister im Kloster, ist die Fusion „ein gemeinsames Bekenntnis zu unserer Verantwortung.“ Für junge Menschen, für die Schöpfung und für eine Gesellschaft, die Zukunft hat, wie er sagt.

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