Bei eisigem Wind durch gefrorene Sumpfwiesen stapfen, mit Axt und Zwicke zähem Gehölz zu Leibe rücken und dann stachlige Bündel durchs Gelände schleifen: Mehr als 100 Menschen können sich gerade nichts Schöneres vorstellen. Zumindest haben sie sich für die vierte Entbuschungsaktion des Vereins „Let’s do Moor“ angemeldet, die am Freitag, 23. Januar, im Kloster Benediktbeuern startet.
Einer von ihnen ist Aaron Paule. Der 26-Jährige gehört zum achtköpfigen Organisations-Team und weiß, was ihn erwartet. „Das ist wie früher“, sagt er. „Am Abend bist du total kaputt, weil du den ganzen Tag Weiden ausgerissen hast. Aber du weißt: Heute hast du etwas geschafft. Der Große Brachvogel hat jetzt wieder einen Lebensraum.“
„Früher“, das war vor ungefähr sechs Jahren, als Paule ein freiwilliges ökologisches Jahr (FÖJ) im Kloster Benediktbeuern absolvierte. Danach hat er Landschaftsnutzung und Naturschutz studiert; mittlerweile arbeitet er im Regierungspräsidium Stuttgart im Bereich Naturschutz. Wie Paule haben viele der Teilnehmenden ein Freiwilliges Jahr im Kloster Benediktbeuern gemacht, auch Jonathan Hehr, der Hauptorganisator.
14 Ehemalige waren es auch, die „Let’s do Moor“ 2022 gegründet haben. Der Verein setzt sich für den Schutz von Moorlandschaften, insbesondere im Bereich der Loisach-Kochelsee-Moore und auf den Flächen des Benediktbeurer Klosterlandes ein. Die Mitglieder leben in ganz Deutschland. Zu den Treffen in Benediktbeuern bringen viele mittlerweile ihre Kinder mit. Dort herrsche „ein absolut positiver Spirit“, sagt Paule. „Man freut sich darauf, zurückzukommen und wieder einmal gemeinsam zu arbeiten.“

Wer ein Jahr lang im Kloster Benediktbeuern mit Gleichaltrigen lebt, lernt, isst und schläft, sich einbringt und austestet, schließt offenkundig nicht nur Freundschaften fürs Leben. „Viele von uns haben eine Leidenschaft für den Moor- und Artenschutz entwickelt“, sagt Paule. Der Verein ermögliche es ihnen, in Kontakt zu bleiben und sich weiter zu vernetzen.
Ziel der Entbuschungsaktion ist es, die Sukzession zu stoppen, also zu verhindern, dass Sträucher und Bäume die Moorwiesen besiedeln. Sie entziehen dem Moor Wasser, was zur Folge hat, dass sich der Torf – eigentlich ein effektiver CO₂-Speicher – zersetzt und Treibhausgase in die Atmosphäre entweichen. Auch den Loisach-Kochelsee-Mooren fehlt es an Wasser, was die Verbuschung begünstigt. Damit schrumpft der Lebensraum für Wiesenbrüter und andere seltene Arten, die auf offene, nasse Landschaften angewiesen sind.

Kloster Benediktbeuern:Ein Jahr im „Palast der Kühe“
Drei junge Frauen haben sich intensiv mit der Geschichte des Maierhofs in Benediktbeuern befasst, in dem vor 300 Jahren mehr als 400 Tiere untergebracht waren. Von ihrer Neugier und ihren Erkenntnissen dürfen nun alle Gäste im Kloster profitieren.
13 Hektar Fläche haben sich die Freiwilligen für den 24. Januar vorgenommen. Das ist eine Menge. Andererseits: Die Loisach-Kochelsee-Moore umfassen 3600 Hektar. Und Entbuschungen fallen jedes Jahr an. „Wir als Verein können nur einen kleinen Beitrag zum Moorschutz leisten“, räumt Paule ein. Entscheidend für den Erhalt dieser einzigartigen Lebensräume seien langfristige und staatlich geförderte Programme.

Der Verein setzt daher auch auf eine positive Signal-Wirkung. „Wir wollen das, was diesen Ort für uns besonders macht, nach außen tragen“, sagt Paule. Selbst Einheimische wüssten bisweilen nicht, welch fragilen Schatz sie da vor der Haustür hätten. „Unsere Botschaft ist: Schaut mal, wir ackern unter widrigen Bedingungen im Moor, wir reißen was für den Naturschutz und haben eine gute Zeit.“
Zur Stärkung gibt es für alle Verpflegung aus der Klosterküche und natürlich die Kraft der Gemeinschaft. Gefördert wird das Aktionswochenende von der Bekleidungsmarke Patagonia. Zum Auftakt laden am Freitag, 23. Januar, die beiden Natur-Fotografen Christopher Meyer und Niklas Banowski zu ihrem Vortrag „Bayerns wilde Moore“ ein (Don-Bosco-Saal, 20 Uhr). Der gleichnamige Bildband, den sie mit drei Gleichgesinnten herausgebracht haben, fängt den Zauber der bayerischen Moore in den verschiedensten Facetten ein – und lässt keinen Zweifel daran, wofür sich Blasen an den Händen und kalte Füße definitiv lohnen.

