Umgang mit der AfDDialog als Alternative

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Bei einem alternativen Bürgerdialog diskutieren auf Einladung von Organisator Michael Spieker (dritter von links) im Audimax der Katholischen Stiftungshochschule Benediktbeuern Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Medien und Politik mit den Zuhörern.
Bei einem alternativen Bürgerdialog diskutieren auf Einladung von Organisator Michael Spieker (dritter von links) im Audimax der Katholischen Stiftungshochschule Benediktbeuern Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Medien und Politik mit den Zuhörern. Manfred Neubauer

Ein Podium in Benediktbeuern diskutiert Wege zur Überwindung der gesellschaftlichen Spaltung. Anlass ist eine Versammlung der AfD im nahen Bichl.

Von Andreas Wolkenstein, Benediktbeuern

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Man werde noch ein paar Minuten warten, sagt Michael Spieker, Professor für Politikwissenschaft an der Katholischen Stiftungshochschule (KSH), den gut 50 Besuchenden zu Beginn des sogenannten alternativen Bürgerdialogs. Schließlich wolle man denjenigen die Anfahrt von Bichl aus ermöglichen, die dort zuvor gegen die AfD demonstrierten. So wurde gleich zu Beginn der Rahmen der Benediktbeurer Veranstaltung deutlich – auch wenn der Name „der Partei, die sich in Bichl trifft“, nur selten fiel. Zu einem eigenen „Bürgerdialog“ hatte die AfD ins nahe Bichl eingeladen, gleich zwei Demonstrationen waren dagegen angemeldet worden.

Ziel der Veranstaltung im Audimax der KSH war laut Organisator Spieker, exemplarisch Dialog zu üben. Man wolle Themen ansprechen, „die uns alle beschäftigen“, ohne dabei gleich zu Lösungen zu kommen. Ausgangspunkt war die aktuelle Debatte um das Gendern.

Carsten Wippermann, Soziologieprofessor an der KSH, betonte, dass mit dieser Debatte oft von anderen, aus seiner Sicht wichtigeren Themen abgelenkt werde. SZ-Redakteurin Johanna Pfund berichtete von kritischen Leserzuschriften zum Thema Gendern und betonte, dass Kritik sie oft zum Nachdenken bringe. Sie empfinde das als wichtigen Anstoß, über das eigene Tun reflektieren.

Ebenfalls zu mehr Selbstkritik mahnte Heike Simon-Gerleit, Redakteurin beim Bayerischen Rundfunk. Aus ihrer Sicht ist es problematisch, wenn Menschen sich immer auf die Suche nach geteilten Prinzipien machten. Simon-Gerleit empfahl, mehr aufeinander zu hören und die Vielfalt in einer Gesellschaft abzubilden.

Auch Mart Heidel forderte mehr Wertschätzung in der Gesellschaft: „Wir sollten anderen mit offenen Ohren entgegentreten.“ Gleichzeitig sei es wichtig, die aktuelle Sozial- und Flüchtlingspolitik zu verbessern. Mart Heidel studiert an der KSH und hatte eine der beiden Demonstrationen in Bichl mitorganisiert. Egon Endres, der ehemalige Präsident der KSH und Professor für Sozialwissenschaften, bekräftigte den Wert von Vielfalt. Aus eigener Forschung wisse er, dass Gruppen dann erfolgreich seien, wenn sie Vielfalt zuließen.

Bei Rassismus erreicht Meinungsvielfalt eine Grenze

Doch wo hat Vielfalt eine Grenze? Wie viel muss man zulassen? Aus dem Publikum wurde der Einwand formuliert, dass bei rassistischen Aussagen eine Grenze erreicht sei – eine Aussage, der auch Simon-Gerleit zustimmte. „Das ist doch die Grundlage unserer Gesellschaft“, hielt sie fest.

Einen Blick in den politischen Alltag lieferte Anton Ortlieb, der Bürgermeister von Benediktbeuern. Ob er denn spüre, dass die Menschen zorniger seien als früher, fragte Moderator Spieker. Aus Sicht des parteilosen Kommunalpolitikers sei das nicht der Fall, die Diskussionen fielen „sehr sachlich“ aus. SPD-Kreisrat Reiner Berchtold bestätigte dies für den Wolfratshauser Kreistag, ergänzte aber, dass es auf kommunaler Ebene mitunter „schon zur Sache“ gehe.

Aus den Reihen der Podiumsgäste wie auch des Publikums wurde im Laufe des Abends eine Reihe von Werten genannt, die gesellschaftliches Handeln anleiten sollten. Für den Soziologen Wippermann sind dies Toleranz und Solidarität. „Doch Solidarität ist Arbeit“, betonte er, vor allem „mit denen, die anders sind“. SZ-Redakteurin Pfund hob hervor, dass aus ihrer Sicht Meinungsfreiheit ein zentraler Wert sei. Es gehe uns etwa im Vergleich zu den USA gut. „Und wir sollten manchmal einen Schritt zurücktreten, um das zu sehen.“ Andere Beiträge nannten das Grundgesetz und die bayerische Verfassung als Leitlinie für gesellschaftliche Auseinandersetzungen.

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Die Vielfalt der Perspektiven auf dem Benediktbeurer Podium, die zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und konkreten Beispielen oszillierten, zeigte Wege zur Überwindung der vielfach diskutierten gesellschaftlichen Spaltung auf. Für Politikwissenschaftler Spieker war damit das Ziel des Abends erreicht. „Wir brauchen mehr solcher gemeinsamen Handlungs- und Erfahrungsräume“, erklärte er. Schön wäre es, fügte er hinzu, wenn man auch mit den Besuchern der Bichler AfD-Veranstaltung ins Gespräch kommen könnte. Vielleicht ergibt sich künftig die Gelegenheit dazu: Es sei geplant, den alternativen Bürgerdialog zu wiederholen, so Spieker.

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