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Bayerische Oberlandbahn:Seeger erstreitet Abfindung

Freigestellter Geschäftsführer der BOB und Veolia einigen sich vor dem Arbeitsgericht. Nun versucht er, eine neue Arbeit zu finden.

Von Isabel Meixner

Der freigestellte Geschäftsführer der Bayerischen Oberlandbahn (BOB), Heino Seeger, erhält von seinem früheren Arbeitgeber eine Abfindung in Höhe von 180 000 Euro brutto. Vor dem Arbeitsgericht München einigten sich die Rechtsanwälte von Veolia Verkehr Deutschland, dem Mutterunternehmen der BOB, mit Heino Seeger und dessen Anwalt Marcus Klopfer in einem Vergleich außerdem darauf, dass Seegers Vertrag zum 30. Juni dieses Jahres ausläuft. Der geschasste BOB-Chef zeigte sich erleichtert, dass die Verhandlung "einigermaßen geräuschlos" und "ohne großen Schaden" vonstatten ging. Nach kurzer Verhandlung hatten die Anwälte des Klägers und des beklagten Unternehmens einen Kompromiss gefunden, "mit dem beide Seiten leben können", sagt Seeger. Er sei nun froh, einen Schlussstrich ziehen zu können. Der Vergleich ist unwiderruflich.

Heino Seeger arbeitete 13,5 Jahre - die Zahl weiß er auf Anhieb - als Geschäftsführer und Eisenbahnbetriebsleiter bei der BOB. Außerdem war er Bayern-Regionalleiter der BOB-Muttergesellschaft Veolia Verkehr GmbH. Trotz dieser langen Zeit habe er nach seiner Beurlaubung bis heute "absolut nichts gehört" von den BOB-Verantwortlichen. "Mir fehlt immer noch die Begründung", sagt Seeger. Nur von seinen ehemaligen Mitarbeitern erhalte er immer wieder Solidaritätsbekundungen und viel Zustimmung. "Das freut mich", sagt Seeger, denkt kurz nach und fügt hinzu: "Aber es bleibt ein bescheidenes Erlebnis."

Die Bayerische Oberlandbahn hatte Anfang Dezember in einer Pressemitteilung verkündet, Heino Seeger werde aus familiären und gesundheitlichen Gründen aus seinen Ämtern ausscheiden. Seeger selbst wurde von den Ereignissen jedoch überrascht, er klagte vor dem Arbeitsgericht München. Kurzzeitig erwägten Mitarbeiter sogar einen Streik für den beurlaubten und bei ihnen beliebten Chef. Sein Gehalt als Geschäftsführer erhält Heino Seeger auf jeden Fall bis einschließlich Juni, es sei denn, er findet vorher einen neuen Arbeitsplatz. Derzeit ist Seeger auf Jobsuche. Wo es für ihn hingeht? "Meine Kompetenz liegt im Straßenbahnbereich", sagt er. Wenn möglich, möchte der 58-Jährige dort wieder eine Stelle finden. Als Heranwachsender absolvierte er eine Ausbildung zum Schlosser bei der Deutschen Bahn.

Nachfolger von Heino Seeger als BOB-Geschäftsführer ist Axel Sondermann. Er war seit 2010 Regionalleiter für die Region Südwest und Geschäftsführer der Veolia Verkehr Regio, davor arbeitete der Wirtschaftswissenschaftler für die Deutsche Bank und die Deutsche Bahn. Nach der Freistellung Seegers war kurzzeitig über die Zukunft der BOB und die Frage spekuliert worden, ob der französische Konzern Veolia Transdev die deutsche Sparte von Veolia Verkehr verkaufen wollte, zu der auch die BOB gehört. Derlei Aussagen dementierte Sondermann jedoch.

Eine Erklärung oder Stellungnahme für seine unerwartete Beurlaubung im Dezember erhielt Heino Seeger übrigens auch nicht bei dem Termin vor dem Arbeitsgericht: Von Veolia Verkehr Deutschland sei niemand anwesend gewesen. Das Unternehmen ließ sich von seinen Anwälten vertreten.

© SZ vom 05.04.2013
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