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Baustellen 2021:Packen wir's an

Trotz Corona-Krise gibt es bei vielen Großprojekten auch heuer Fortschritte. In Geretsried wird ein neues Hallenbad eröffnet, in Wolfratshausen vermutlich die Kaufhaus-Ruine in der Altstadt beseitigt - es tut sich was in der Region

Von Felicitas Amler,Benjamin Engel, Klaus Schieder und Alexandra Vecchiato

Trotz coronabedingt voraussichtlich etwas kleineren Haushalten wird in den Städten in der Region auch 2021 wieder viel gebaut, geplant und beschlossen. Welche Großprojekte dieses Jahr anstehen und wo es heuer sichtbar vorwärtsgehen wird - ein Überblick.

Wolfratshausen

Wolfratshausen hofft, dass es beim Isar-Kaufhaus vorwärtsgeht.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Zur Erweiterung und Sanierung der Hammerschmiedschule steht eines fest: Die Diskussionen gehen weiter, sollten nach Ansicht von Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) aber bald geklärt sein. "Dieses neue Jahr prägt die Entscheidung zur Schule", sagt der Wolfratshauser Rathauschef. Zu einem Beschluss zu kommen, sei wichtig. Mit jedem weiteren Jahr der Debatte, müsse die Stadt mit höheren Baukosten rechnen. Wegen der steigenden Geburtenzahlen brauche die Stadt dringend mehr Platz, um alle Kinder unterbringen zu können.

Wie die Grund- und Mittelschule am Hammerschmiedweg saniert und erweitern werden kann, diskutiert der Stadtrat seit mehr als fünf Jahren. Die Kostenberechnung des Architekturbüros karlundp von 60 Millionen Euro war dem Gremium zu teuer. Ein 43, 5 Millionen Euro teuren Sparvorschlag für 36 Klassenzimmer und Schwimmbad fand im November keine Mehrheit. Der Bürgermeister hatte zwar plädiert, den bisherigen Planungen zu folgen. Doch das Gremium beschloss auf Antrag von CSU wie Wolfratshauser Liste, erst das alternativ von Stadtrat Alfred Fraas entwickelte Konzept zu prüfen.

Dieser Entwurf soll laut einer Kostenschätzung 29,6 Millionen Euro teuer sein. Fraas schlägt einen Holz-Neubau, eine multifunktionale Glaspyramide als Aula und Mensa, eine zusätzliche Dreifachturnhalle mit Pausenhof auf dem Dach und Garage im Erdgeschoss vor sowie die alte Madlschule zu sanieren. Derzeit spreche er den Prüfungskatalog mit den Stadtratsfraktionen ab, sagt Bürgermeister Heilinglechner. Auf dieser Basis solle ein Projektmanager das alternative Konzept begutachten.

Neue Vorschläge des beauftragten Planungsbüros im Bürgerbeteiligungsprozess für die Innenstadt erwartet der Wolfratshauser Bürgermeister im Frühjahr. Die Pandemie zeige, dass die Gewerbebetriebe Unterstützung brauchten. Dafür könne der Umgestaltungsprozess ein Baustein sein. Wichtig sei, dass der Abriss der Ruine des Isar-Kaufhauses vorankomme. Im Frühjahr solle mit der Anlage des Parkplatzes begonnen werden.

Neu überlegen muss die Stadt, wie es am Hatzplatz weitergeht. Dort zog der Pächter die Pläne für ein neues Parkhaus nach massiver Kritik zurück. Angesichts der angespannten Haushaltslage begrüßt Heilinglechner zwar, dass der Freistaat die Gewerbesteuerausfälle für das Jahr 2020 ersetze. Über den Städtetag laufe eine Initiative, die Kompensationen für heuer weiterlaufen zu lassen.

Bad Tölz

Fahrradfahrer Badstraße

Bad Tölz plant eine Radroute von der Marktstraße bis zur Flinthöhe.

(Foto: Manfred Neubauer)

Vor der Corona-Pandemie war die Haushaltslage einer Stadt mehr oder weniger kalkulierbar. Inzwischen gibt es kaum noch Sicherheiten. "Im Unterschied zu den vergangenen Jahren werden wir deutlich stärker nach den finanziellen Mitteln schauen müssen", sagt der Tölzer Bürgermeister Ingo Mehner (CSU). Weil das Geld "um ein Vielfaches geringer" sein werde, müsse der Stadtrat heuer Schwerpunkte setzen. Einige Projekte sind allerdings schon festgezurrt. Der neue Kindergarten an der Jahnstraße soll bis Jahresende fertiggestellt sein und dann auch in Betrieb gehen, danach kommt der Komplex mit der neue Turnhalle, Klassenzimmern, Werkräumen und Schulküche, mit einer Mittagsbetreuung und einem Proberaum für die Stadtkapelle an die Reihe. "Die Beschlüsse dafür sind ja schon da", sagt Mehner. Ebenfalls zum Abschluss will die Stadt den Neubau des Mehrfamilienhauses an der Königsdorfer Straße bringen, das für finanzschwache Familien gedacht ist. Die Hülle steht schon, "die Heizung läuft", sagt Falko Wiesenhütter, Geschäftsleiter der Stadt. Heuer soll der Innenausbau folgen. Die ersten Mieter sollen im Herbst in das neue Gebäude einziehen können.

Andere Vorhaben sind vorerst wegen Corona ohne Garantie. Bürgermeister Mehner möchte gerne die Bebauung der Zwickerwiese mit 38 Wohneinheiten zügig vorantreiben. Zumindest die Vergabe und die Erschließungsarbeiten sollen dieses Jahr abgeschlossen werden, meint er. Die Dreifachturnhalle an der Jahnstraße soll eine neue Lüftungsanlage bekommen, das Gebiet in der Umgebung ein neues Nahwärmenetz. Und dann hat Mehner noch zwei Projekte auf der Agenda stehen: Im Frühjahr will er seine Pläne für die erste Fahrrad-Achse von der Marktstraße bis zur Flinthöhe präsentieren, außerdem plant er mehr bespielbare Flächen in der Stadt. "Wir werden dafür ein Drehbuch, von niederschwelligen bis zu baulichen Maßnahmen, die haushaltsrechtlich relevant sind, erstellen", so der Bürgermeister.

Penzberg

Penzberg fördert den Sport in der Josef-Boos-Turnhalle.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

In der Stadt Penzberg wird das Jahr 2021 ein Jahr des Aufarbeitens. Wie Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) betont, möchte er nicht zwingend neue Großprojekte angehen. Vielmehr sollen jene Vorhaben, die sich in bereits in der Planung oder gar Umsetzung befinden, vorangetrieben werden.

Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Schaffung von neuem Wohnraum. Nach langem Stillstand hat sich in den vergangenen Monaten einiges getan im Baugebiet Birkenstraße. Die ersten Häuser im Einheimischenmodell stehen. "Dort werden die ersten heuer noch einziehen", sagt Korpan. Im westlichen Teil des Baugebiets tritt die Stadt als Bauherrin auf. Dort entstehen 149 Wohnungen, die sich auch Bürger mit geringeren Einkommen leisten können sollen. Bislang ist von 9,25 Euro pro Quadratmeter die Rede. Die Kosten für das Bauprojekt belaufen sich auf etwa 53 Millionen Euro. Die Erschließung ist fertiggestellt. In die Wohnblöcke einziehen sollen die Mieter voraussichtlich im Jahr 2024 können.

Ebenfalls als Bauherrin tritt die Stadt am Daserweg auf. In dem Gebiet entstehen nach Angaben des Bauamts 38 Wohnungen auf städtischem und 22 auf privatem Grund. Auf dem Edeka-Areal ist die Kommune zwar nicht selbst Investorin. Dennoch wolle man alles tun, dass das Projekt zügig realisiert werden könne, sagt der Penzberger Bürgermeister. 368 Wohnungen sollen auf der Hälfte des Edeka-Areals geschaffen werden. Auf der anderen Hälfte entsteht ein neuer Edeka-Markt. Geplant ist ferner, dass der Discounter Lidl dorthin umzieht.

Noch im ersten Quartal dieses Jahres soll der Startschuss für eine neue Kinderbetreuungseinrichtung nahe des Karl-Wald-Stadions an der Nonnenwaldstraße fallen. "Wichtig ist auch, dass es mit der Josef-Boos-Turnhalle weitergeht", betont Korpan. Die Sanierung der Sportstätte, die von Schulen und Vereinen genutzt wird, ist fast schon eine unendliche Geschichte. Endlich fertig soll sie zum Schulbeginn 2022 sein. Momentan liegt die Kostenschätzung bei 11,5 Millionen Euro.

Geretsried

Geretsried will die Kinderbetreuung sichern.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

An erster Stelle der Vorhaben für dieses Jahr nennt der Dritte Bürgermeister der Stadt Geretsried, Gerhard Meinl (CSU), die "Gewährleistung der Kinder-Betreuungsplätze". Derzeit liege die Betreuungsquote in der Stadt bei 90 Prozent, erklärt er, der Landkreis liege insgesamt bei 76 Prozent. Insgesamt gebe es in Geretsried 1497 Betreuungsplätze - allerdings auch darüber hinausgehenden Bedarf. Als Gründe dafür nennt Meinl den allgemein bekannten Personalmangel bei den Trägern, einen gewissen Anteil an Kindern mit Integrationsbedarf, die rechnerisch jeweils drei Plätze belegen, einen zunehmenden Betreuungsbedarf der Kinder unter drei Jahren und steigende Geburtenzahlen. Geretsried hat keine eigenen städtischen Kindergärten, sondern alle an Kirchen und freigemeinnützige Organisationen vergeben.

"Gerade in Pandemiezeiten zeigt sich, wie wichtig die Betreuungsplätze sind", sagt der Dritte Bürgermeister und erwähnt nur das Stichwort: "Home-Office mit Kind als große Herausforderung". Es würden aber laufend neue Plätze geschaffen, so in der Großtagespflege, die der Verein Erlebnis Lernen (Erle) am Neuen Platz plant und die im ersten Quartal dieses Jahres eröffnen soll, und - für den selben Zeitraum geplant - in den Mittagsbetreuungen Isardamm- und der Karl-Lederer-Grundschule. Die neue Kita mit zehn Gruppen an der Johann-Sebastian-Bach-Straße soll laut Meinl bis 2023 fertig sein.

Ein lang diskutiertes wichtiges Projekt ist die Erweiterung samt Generalsanierung der Adalbert-Stifter-Mittelschule. Der Neubau beginne im April, so Meinl, der Altbestand werde in zwei Bauabschnitten bis Juni 2025 saniert. Rückumzug und Nutzung des Erweiterungsbaus seien fürs Schuljahr 2025/2026 vorgesehen.

Unter der Maßgabe, dass die demografische Entwicklung weiterhin beachtet werden müsse, sei außerdem eine zusätzliche Grundschule geplant. Den Vorrang für Schulen und Kindergärten hatte Bürgermeister Michael Müller (CSU) schon Anfang 2020 in der Haushaltssitzung als Leitlinie der Stadtpolitik ausgegeben.

Das neue Hallenbad ist ein Projekt mit jahrelanger Vorgeschichte. Es wird als interkommunales Projekt realisiert, an dem alle Gemeinden im Nord-Landkreis beteiligt sind. Beim Richtfest hatte sich insbesondere Landrat Josef Niedermaier (FW), auf dessen Initiative das Vorhaben begonnen wurde, stolz gezeigt: "Da steht ganz groß drüber: Gemeinsam sind wir stark", sagte er im September 2019. Die Fertigstellung hat sich jedoch verzögert, nachdem im vergangenen November ein Feuer ausgebrochen war. Bei Schweißarbeiten war Dämmmaterial in Brand geraten. Bürgermeister Michael Müller (CSU) sprach in einer ersten Reaktion von einem "nicht unerheblichen Schaden". Kurz darauf hieß es, der Schaden sei nicht so gravierend - letztlich waren die Folgen dann aber doch recht weitreichend.

Die Befürchtung, dass sich durch die Hitzewirkung Stahlträger verformt hätten, habe sich zwar nicht bestätigt, sagte Bürgermeister Michael Müller in der Dezember-Sitzung des Stadtrats. Die Edelstahlwanne im Schwimmbecken habe sich an der Brandstelle allerdings braun verfärbt. Zudem müsse man auch noch die Wasserleitungen und Stromkabel im Umfeld prüfen. Auch Malerarbeiten und eine Rußbeseitigung seien definitiv notwendig, so der Rathauschef. Die eigentlich für diesen März geplante Eröffnung ist damit hinfällig. Die Stadt geht davon aus, dass man das neue Hallenbad nun erst im Mai aufsperren kann. Aber auch das sei noch eher vage.

Der Dritte Bürgermeister teilte nun mit, "Fertigstellungen und Abnahmen der Ausbaugewerke laufen aktuell", dennoch sei mit der Eröffnung nicht vor Mai oder Juni zu rechnen. Der Brandschaden werde mit rund 100 000 Euro beziffert. Damit lägen die Kosten des Hallenbads nach jetzigem Stand bei etwa 18,34 Millionen Euro - beim ersten Spatenstich im April 2018 ging man von rund 15 Millionen Euro aus.

Running Gag im Zusammenhang mit dem Hallenbad ist die Ankündigung von Landrat Niedermaier und dem Dritten Bürgermeister Meinl, sie würden gemeinsam den ersten Sprung ins interkommunale Becken machen. Darauf darf man weiterhin gespannt sein.

© SZ vom 13.01.2021
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