bedeckt München
vgwortpixel

Bauprojekt:Versöhnung mit der Mauer

Mehrgenerationenhaus der Maro-Genossenschaft an der Sauerlacher Straße 15 in Wolfratshausen mit Mauer

So soll das Mehrgenerationenhaus der Maro-Genossenschaft aussehen.

(Foto: Simulation: Florian Nagler Architekten/oh)

Der Wolfratshauser Stadtrat muss am Dienstag noch einmal über das Mehrgenerationenhaus der Maro-Genossenschaft und den Schallschutz entscheiden. Beim Informationsabend vorab ernten die Pläne von vielen Bürgern Applaus.

Wie soll das Mehrgenerationenhaus an der Sauerlacher Straße aussehen? Und was hat es mit der berüchtigten Mauer auf sich? Die Maro-Genossenschaft hat den Wolfratshausern bei einem Informationsabend am Donnerstag die Pläne für den Neubau und die Sanierung des Alten Krankenhauses vorgestellt. Architekt und Projektleiter erhielten im evangelischen Gemeindehaus überraschend viel Zuspruch.

Das denkmalgeschützte Krankenhaus aus der Biedermeierzeit soll saniert werden - für die Nachbarschaftshilfe im Erdgeschoss und zwei Wohnungen im Obergeschoss. Nördlich des Krankenhauses soll ein T-förmiger Neubau entstehen, fünf Stockwerke hoch, mit Tiefgarage, Solarzellen, Carsharing, E-Bikes und 22 Mietwohnungen. Schlicht und dezent, mit Loggien und einer filigranen Holzkonstruktion.

Im Erdgeschoss dominiert ein Gemeinschaftsraum mit Terrasse. Die führt in einen Garten, und der ist der Maro-Genossenschaft wichtig. Schließlich lautet das Motto, für das Projektleiter Ralf Schmid wirbt, "mehr miteinander machen, weniger nebeneinander her leben". Alt und Jung sollen im Mehrgenerationenhaus füreinander da sein. Im Garten sollen sich Senioren mit spielenden Kindern unterhalten können. "Für uns ist dieser geschützte Außenraum essenziell wichtig für das Projekt", sagt Schmid. Das Problem an der Sache: Das Haus liegt an einer Hauptverkehrsstraße mit hoher Lärmbelastung. "Wir haben keine Möglichkeit, Freiräume anzubieten, die ein bisschen geschützt sind", sagt Architekt Florian Nagler. Deshalb schlägt er eine Mauer vor. Sie soll die beiden Gebäude optisch verbinden und ihre Bewohner vor dem Lärm schützen.

Noch herrscht freie Sicht auf das Grundstück mit dem maroden Biedermaierhaus zwischen sauerlacher Straße und Floßkanal.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Mauer grenzt laut Plan nicht direkt an das alte Krankenhaus an, ein Tor liegt dazwischen. Segmentbögen, Efeu und ein Ziegeldach sollen sie zudem schmücken. Auf der Innenseite ist die Mauer statt der anfänglich geplanten 3,85 Meter nun 3,50 Meter hoch. Durch das Ziegeldach abgesenkt, misst sie auf der Außenseite drei Meter. Den Lärm im Garten soll sie damit auf durchschnittlich 60 Dezibel absenken. Nagler erwähnt nicht ohne Genugtuung, dass eine Wolfratshauserin sein Architekturmodell begutachtet und gefragt habe: "Und wo ist jetzt diese Mauer?"

Der geplante Schallschutzwall hat jüngst für Aufruhr gesorgt. Mit der Berliner Mauer verglich man ihn, von einem "Schandmal" war gar die Rede. Die CSU-Fraktion, die im Bauausschuss als einzige gegen die Mauer gestimmt und für eine Wiederaufnahme des Bauantrags gesorgt hat, stellte zum Protest am Grundstück eine Leinwand in gleicher Höhe auf. Am Donnerstagabend jedoch legt sich ein versöhnlicher Frieden auf viele Gemüter. "Die Leinwände haben verschreckt. Ich habe das nicht im Kontext gesehen", sagt ein Anwesender und fügt hinzu: "Jetzt hat sich das relativiert." Er erntet Applaus. Geklatscht wird auch, als ein Zuhörer einwendet: "60 Dezibel, das ist einfach zu hoch. Ich finde, die Mauer ist zu tief!" Die CSU dagegen befürchtet einen Präzedenzfall und warnt, dass in ganz Wolfratshausen Mauern hochschießen könnten. Die meisten der rund 60 Anwesenden scheinen sich jedoch mit den Ideen der Maro anzufreunden. "Mich begeistert das Projekt, ich finde das toll", sagt einer der Zuhörer. "Mir leuchtet auch ein, dass der alte Bebauungsplan nicht tauglich war." Der hatte den Abriss des Alten Krankenhauses vorgesehen.

Wer Interesse an einer der Mietwohnungen hat, kann Mitglied der Maro werden. 60 Prozent der Wohnungen sollen einkommensorientiert gefördert werden und zwischen sechs und acht Euro Kaltmiete pro Quadratmeter kosten. Zur Finanzierung des Neubaus zahlen die Mieter einen zusätzlichen Wohnungspflichtanteil von mindestens 400 Euro pro Quadratmeter. Diese Einlage ist vergleichbar mit einer Kaution und geht bei Auszug an die Mieter zurück.

Damit eine Gemeinschaft entstehen kann, sollen sich die zukünftigen Bewohner bald schon bei regelmäßigen Treffen kennenlernen. Zunächst jedoch muss der Stadtrat über die Pläne abstimmen. Die öffentliche Sitzung am Dienstag, 10. Dezember, beginnt bereits um 17 Uhr.