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Baupolitik im Oberland:Kritik am Geretsrieder Zentrum

Günther Fuhrmann war Geretsrieder Stadtrat.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Der FDP-Ortsverband Geretsried- Wolfratshausen rechnet mit der Gestaltung ab

Von WOLFGANG SCHÄL, Geretsried

Mit dem Abklingen der Pandemie kommt auch der politische Diskurs wieder in Gang. Verstärkten Gesprächsbedarf sieht in diesen Tagen der FDP-Ortsverband Geretsried- Wolfratshausen, voran der rastlose Geretsrieder Ex-Stadtrat Günther Fuhrmann, der mit den beiden Mandatsträgern Patrick Lechner (Wolfratshausen) und Edmund Häner (Geretsried) angetreten ist, den breiten Themenbereich "Stadtentwicklung, Infrastruktur und Verkehrsplanung" zu hinterfragen. Was im Rahmen eines Pressegesprächs nach einer Diskussion über das gemeinsame Mittelzentrum angekündigt war, geriet dann überwiegend zu einer detaillierten, kritischen Abrechnung mit der Planung des Geretsrieder Stadtzentrums, das immer mehr Gestalt gewinnt, und aus Sicht der Liberalen nicht nur viele Wünsche offen lässt, sondern vom gesamten Konzept her defizitär ist. Der Tenor: Für die Verkehrsplanung habe "das Auto bei uns leider prinzipiell Vorrecht", Aspekte der Klimagestaltung würden ignoriert, ebenso die Belange von Radfahrern, Fußgängern, Senioren und Behinderten.

Bemängelt wird insbesondere die Gestaltung der Tiefgarage Mitte, die zu nahe an der B 11 angelegt und damit nicht optimal sei. Besonders schwierig ist Fuhrmann zufolge die Situation für Autofahrer, die vom Karl-Lederer-Platz kommend nach links auf die B 11 in Richtung Königsdorf einbiegen wollen. Die müssten zwei Mal die Fahrbahn wechseln. Bei höherem Verkehrsaufkommen führe dies zu Staubildung und erhöhter Unfallgefahr. Radfahrer und Fußgänger würden um die Garagen-Einfahrt herum geleitet, was es wenig angenehm mache, sich beispielsweise in der dortigen Eisdiele aufzuhalten. Dies stelle laut Bürgermeister Michael Müller (CSU) zwar nur eine "halbfunktionelle Übergangslösung" für die kommenden zehn Jahre, bis zur Anbindung der Böhmwiese, dar. Das aber dürfe nicht sein, umso weniger, als diese Art der Gestaltung dem Stadtrat "so nicht zur Abstimmung vorgestellt wurde". Das alles sei "nicht nachvollziehbar".

Analoge Bedenken melden die Liberalen für die Tiefgaragen-Ein- und Ausfahrt Süd an: Auch hier habe man "keine für alle Verkehrsteilnehmer praktikable und sichere Lösung" gefunden. Sie liege zu nahe an der Einmündung Fasanenweg und sei dadurch gefährlich. Hier habe man zunächst einen Kreisverkehr vorgeschlagen, der sich bisher aber als nicht praktikabel herausgestellt habe, "die verkehrliche Machbarkeit wurde bis jetzt nicht erklärt". Im Planungs- und Entwicklungsausschuss seien "alle logischen Einwände weggeputzt" worden, Fuhrmann habe sich "wegen nachhaltiger Infragestellung des Kreisverkehrs sogar die Androhung einer Ordnungsstrafe" eingehandelt. Fuhrmann bleibt gleichwohl bei seiner Einschätzung: "Bei einer Lösung mit Kreisverkehr entstehen mannigfache Barrieren für alle Passanten, Fußgänger, Kinder, Behinderte, Rollstuhlfahrer, Rollatornutzer und Radfahrer, die ihr Rad auf dem Gehweg zu Fuß bewegen müssen." Die Liberalen ziehen daraus die Schlussfolgerung, dass diese Ein- und Ausfahrt mangels Machbarkeit der Kreisverkehrslösung komplett abzulehnen ist, die beiden anderen Ausfahrten Egerlandstraße Nord und B 11 Mitte seien "völlig ausreichend".

Die Einwände der FDP Wolfratshausen-Geretsried gehen bei alledem über Detailfragen hinaus: Bei der derzeitigen Planung und der bereits realisierten Bebauung sei von der bundesweit angestrebten Verkehrswende wenig zu sehen. "Verkehrswende bedeutet nicht Sackstraße und Kreisverkehr, sondern schreit nach Paradigmenwechsel". Das Auto habe in Geretsried aber noch immer Vorrang, Fußgänger, zumal Kinder, Radfahrer und Behinderte, geraten nach Meinung der FDP "in Bedrängnis und ins Hintertreffen". Alle Barrieren, die man doch eigentlich vermeiden solle, würden aber unumkehrbar, "sobald sie erst einmal in Beton gegossen sind".

Stadtrat Lechner sieht angesichts der aktuellen Entwicklung "ein Paradox" im Mittelzentrum, für das generell zu wenig getan werde: "Wolfratshausen schafft es nicht, ein Parkhaus zu bauen, und in Geretsried wird alles um eine Tiefgarage herum geplant."

© SZ vom 12.06.2021
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