So nahe kommt man Engeln, Putten und Heiligen nur selten. Das Innere der Basilika Sankt Benedikt ist eingerüstet, in schwindelnder Höhe kann man Stukkaturen und Malereien beinahe anfassen. Wobei Handwerker und Architekten kaum Augen für die Kunstwerke haben dürften, die die Kirche im Kloster Benediktbeuern so einzigartig machen. Noch immer ist sie eine Großbaustelle nach dem Hagelsturm im August 2023, innen und außen. Und die Gerüste werden voraussichtlich noch bis ins nächste Jahr hinein stehen bleiben. Neben den Schäden, die das Unwetter verursacht hatte, ist das Sorgenkind die Statik des Gotteshauses. Alleine seine Ertüchtigung wird auf 3,7 Millionen Euro geschätzt.
Die Statikschäden an der Basilika, die 1668 geweiht wurde, waren schon vor dem Unwetter vor zwei Jahren bekannt. Doch die Reparaturen infolge des Hagelsturms intensivierten die Untersuchungen. Es stellte sich heraus, dass es schlimmer um das historische Bauwerk stand, als anfangs vermutet. Der Westgiebel mit dem Haupteingang neigt sich an die 22 Zentimeter nach außen. Der Dachstuhl und vieles mehr muss saniert werden. Das bestärkte die Verantwortlichen in ihrem Entschluss, eine umfassende Sanierung an der barocken Kirche und der Anastasia-Kapelle, einem Rokoko-Kleinod, vorzunehmen.


Nur zehn Minuten dauerte am 26. August 2023 das Hagelunwetter. Danach war nichts mehr wie zuvor. Das Kloster war verwüstet. Die Basilika musste gesperrt werden. Gottesdienste finden darin nach wie vor nicht statt. Damit Sankt Benedikt, 1973 von Papst Paul VI. zur „Basilica minor“ erhoben, wieder Gläubigen offensteht, wird mit Hochdruck an der Statik gearbeitet. Auf einem Rundgang über die Großbaustelle erläuterten die Architekten Martin Spaenle und Thomas Grubert, der als Bauleiter fungiert, welche Maßnahmen ergriffen worden sind und noch werden.
Zunächst sei es darum gegangen, das Dach der Kirche wieder dicht zu bekommen, sagte Spaenle. Die Hagelkörner hatten die Eindeckung zerstört. Ebenso wird ein Unterdach eingebaut, damit bei künftigen Schäden das Wasser nicht ungehindert eindringen kann. Oder, wie geschehen, die Anastasia-Kapelle in Mitleidenschaft zieht. Wassermassen strömten von der Basilika hinunter auf die Kapelle und beschädigten unter anderem deren Fassade.

Der Dachstuhl der Basilika stammt aus dem 17. Jahrhundert. Damals habe man experimentierfreudig gebaut, erklärte Spaenle. Die Verbindungen der einzelnen Holzteile wie Zapfen seien teilweise gebrochen. Dennoch habe der Dachstuhl als eine Art Fachwerk über die Jahrhunderte gehalten. Allerdings nicht ohne Folgen: „Die Kraft sucht ihren Weg“, sagte Spaenle. Was dazu führte, dass Stellen, die dafür nicht vorgesehen waren, die Konstruktion letztlich tragen mussten. Dies habe zu „Fehlentwicklungen“ geführt, die nun korrigiert werden müssten, so der Architekt.
Vernadelungen sollen Mauerwerk stabilisieren
Ein diffiziles Unterfangen: Die vorhandene Holzkonstruktion muss repariert, mit neuen Böcken und ähnlichem unterstützt werden, wodurch sich das Gewölbe leicht aufrichten könnte, weil eben die Kräfte anders auf die Grundmauern einwirken. Früher war der Dachfuß dicht. Künftig ermöglicht ein gelochtes Kupferband die Luftzirkulation, was die beste Methode sei, holzschädigendes Ungeziefer im Zaum zu halten, sagte Spaenle.
Um das Gebäude zu sichern, werden Edelstahlanker gesetzt. Die sogenannten Vernadelungen verfestigen die Mauern und halten sie zusammen, was ebenfalls dazu führen soll, dass sich der Westgiebel nicht weiter nach außen neigt. Die Basilika wurde auf „kritischem Baugrund“, nämlich Moorboden, errichtet. Die Anker stabilisieren die Wände und erhöhen die Tragkraft. Diese Methode habe den Vorteil, nur ein geringer Eingriff in die Bausubstanz zu sein, führte Grubert aus. Sehen werde man nichts.
Wie sich die erwünschten Entlastungen letztendlich auf die Gewölbeschale auswirken werden, können die Experten nicht beantworten. „Davor ist uns etwas bange“, meinte Spaenle. Welche Schadstellen sich etwa hinter den großen Stuckfiguren befänden, sei kaum zu sehen. Im schlimmsten Fall könnte sich der Putz vom Ziegelmauerwerk samt Deckengemälden und Stuck lösen, wie auch die Innenausstattung durch herabfallende Teile Schaden nehmen. Aus diesem Grund wird vor den Bohrungen untersucht, wo sich in der Schale Hohlstellen und Risse befinden. Sie müssen vorab ausgebessert werden.

Die Druckluft-Bohrungen bis zu mehreren Metern durch dickes Mauerwerk erfordern höchste Präzision. Mit den einfachen habe man bereits begonnen, sagte Spaenle - um auch Erfahrungen zu sammeln. Weil mit Druckluft gebohrt werde, wobei Feinstaub entstehe, müsste dieser aufgefangen werden und Risse vorab verschlossen werden. Sonst würde sich das Kircheninnere mit allen Kunstschätzen in eine Staubwüste verwandeln. Zusätzliches Geld für eine komplette Innenrenovierung gibt es nicht.
Seit der Säkularisation 1803 gehört die Basilika nicht mehr zum Kloster Benediktbeuern, sondern zur katholischen Kirchenstiftung St. Benedikt - deshalb ist die Basilika auch eine „etwas zu groß geratene Pfarrkirche“, wie Mesner Christian Höck erklärte. Ihm ist noch aus einem ganz anderen Grund bange, denn die gesamte Baulast liegt bei der Kirchenstiftung. Der Freistaat übernimmt keine Baukosten, wie es bei anderen Gotteshäusern wie der Wies-Kirche der Fall ist. Die Versicherung ist bei der statischen Ertüchtigung ebenfalls außen vor.
Von staatlicher Seite wie vom Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen und dem Bezirk Oberbayern gab es insgesamt einen Zuschuss in Höhe von 55 000 Euro. Eine anteilige finanzielle Unterstützung bekommen die Benediktbeurer vom Bistum Augsburg. Die Diözese war großzügig und handelte schnell. Sie hat 2,8 Millionen Euro für die statische Ertüchtigung zur Verfügung gestellt.


Der Eigenanteil der Kirchenstiftung beträgt 925 000 Euro. Davon sind 465 000 Euro ungedeckt. Weil das Gerüst in der Basilika schon mal steht, ist es wegen Synergieeffekten sinnvoll, die Wandbilder von Hans Georg Asam restaurieren zu lassen - darunter das erste barocke Deckengemälde in Freskotechnik in Altbayern. Die Elektrik muss ebenfalls erneuert werden. Die Kosten für beides betragen insgesamt etwa 320 000 Euro, die noch „on top“ kommen. Die Kirchenstiftung braucht demnach dringend 785 000 Euro und ist auf Spenden angewiesen.
Benefizkonzert im Mai
Pfarrer Bernhard Stiegler setzt seine Hoffnung darauf, Sponsoren zu finden. Denn es handle sich um enorme Summen für so eine kleine Pfarrei, betonte auch Höck. Geld in die Kasse bringen soll etwa ein Benefizkonzert mit dem Gebirgsmusikkorps der Bundeswehr Garmisch-Partenkirchen. Das Konzert unter der Leitung von Major Rudolf Piehlmayer findet am Mittwoch, 14. Mai, um 19.30 Uhr in der Turnhalle der Grund- und Mittelschule in Benediktbeuern statt (Einlass 18.30 Uhr).
Nach dem Unwetter vor knapp zwei Jahren war ein Schaden von 3,5 Millionen an der Basilika entstanden, den die Versicherung übernahm. Ziegel wurden zerstört, ein Großteil der Fensterscheiben ebenso. Der Putz außen war abgeplatzt; Friedhofsmauern und Grabsteine beschädigt.
Spendenkonto für den Erhalt der Basilika bei der Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen; IBAN 07 7005 4306 0190 0038 63; katholische Kirchenstiftung St. Benedikt

