Bad Tölz:Weggespült

Bananafishbones, Oach Festival 2021

Gerade mal eine Handvoll Songs konnten die "Bananafischbones" zum Besten geben beim Oach-Festival in Bad Tölz.

(Foto: Manfred Neubauer)

Ein Gewitter beendet beim Oach-Festival einen kurzen Bananafishbones-Auftritt

Von Arnold Zimprich

Eine Viertelstunde vor 19 Uhr ist noch alles ruhig - zumindest, was das Wetter angeht. Vor dem Freibad Eichmühle, von den Tölzern liebevoll "Oach" genannt, haben sich zwei lange Schlangen gebildet. Das Hygienekonzept für das Konzert an diesem Abend ist aufwendig. Ein Gast regt sich furchtbar auf, weil er seinen Personalausweis vorzeigen soll. "Das ist Teil des Konzepts", kommentiert die Security nüchtern. Der ganz normale Eintritts-Wahnsinn in diesen Pandemiezeiten, aber das nehmen die Bananafishbones-Fans gerne in Kauf. Denn endlich gibt es wieder was zu sehen, zu hören und zu spüren.

Die Stimmung auf dem Festivalgelände ist gelöst, nur unter Beachtung der 3G-Regel (geimpft, genesen oder getestet) durften die Gäste das Freibad betreten. Es wird geratscht, geschnattert, gelacht. An den Getränke- und Imbissständen versorgt man sich noch rechtzeitig vor dem Auftritt der Bananafishbones, die das erste Mal die Oach bespielen, mit Verpflegung. Kinder spielen "Fangsti", die Freibad-Bediensteten lehnen locker-lässig an ihrem Überwachungstürmchen: "Die Fishbones fanga eh erst umera Achte o" - ois easy also in der Oach.

Die Vorband Dis M aus dem Chiemgau heizt mit Songs über Beziehungskisten und kopulierenden Insekten sowie Hip-Hop-Medleys, bei denen Dis M tief in die 90er-Jahre abtauchen, ordentlich ein. "No diggity" von Blackstreet ist nur ein Klassiker, den die Band verwurstet. "Seid's tüchtig?", werden die Tölzer gefragt - beim Blick auf das, was an Infrastruktur aufgebaut wurde, damit das Festival überhaupt stattfinden kann, ist diese Frage nur mit Ja zu beantworten.

Bananafishbones, Oach Festival 2021

Das Publikum ließ sich von der schlechten Wetterprognose nicht abhalten und kam entsprechend gut vorbereitet.

Die Bananafishbones rund um Bandleader Sebastian Horn haben es um acht Uhr leicht, sie können die Stimmung gleich mitnehmen. Doch erste Tropfen fallen vom Himmel, im Westen wird es verdächtig dunkel. "Ist nur Wasser", beruhigt Horn mit seiner Brummelstimme. Zusam- men mit seinem Bruder Peter und Florian Rein fackelt der Fishbones-Chef nicht lange herum und liefert das, was er am besten kann: soliden Indie-Poprock, mal melancholisch, mal komisch, mal sanft, mal aggressiv.

"Every single year, I am drowning in my tears, drowning in my tears again", heißt es im Song "Numb". Das Publikum hat sich längst die am Eingang ausgegebenen Regencapes übergezogen. Horn: "Scheiße, das darf doch nicht wahr sein!" Es beginnt zu gießen, zu prasseln, zu eimern, zu schütten - die ersten Gäste flüchten.

Die eingängige Bassline zu "Pow-Wow" geht noch gut ins Ohr, ehe die Abstände zwischen den Donnerschlägen kürzer werden und die Blitze näher kommen. Im Gewittergetöse ist die Ansage, dass das Konzert abgebrochen wird, gerade noch wahrnehmbar. Etwas unsanft leitet die Security die Besucherströme nach draußen.

Man kann es kaum fassen. Nach nur einer Handvoll Songs ist der Abend, der so wunderbar begann, vorbei. Schade, Bananafishbones - aber es gibt sicher ein nächstes Mal, und Gewitter gehören zum Sommer dazu.

© SZ vom 26.07.2021
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