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Bananafishbones:Easy Day in der längsten Nacht

Zeitreise statt Weihnachtsfeier: Beim Jubiläumskonzert der "Bananafishbones" nehmen Peter Horn, Florian Rein und Sebastian Horn (von links) das Publikum mit auf einen musikalischen Streifzug durch die bewegte Geschichte ihrer Band.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Seit 30 Jahren gibt es die "Bananafishbones". Bei ihrem Jubiläumskonzert im Kurhaus rekapituliert die Tölzer Band ihre verschiedenen Schaffensphasen und zeigt ihre eindrucksvolle Vielseitigkeit.

Von Petra Schneider

Draußen wäscht der Regen den Schnee weg, drinnen steht heuer kein Christbaum. Die Festvorfreude-Atmosphäre fehlt am Donnerstag im Kurhaus, es herrscht Zeitreisestimmung. Weihnachten wird jedes Jahr gefeiert, 30 Jahre Bananafishbones nur heuer - Zeit für ein Jubiläumskonzert. Ohne Gäste diesmal, dafür aber mit vielen "Schmankerln", wie Sänger Sebastian Horn sagt.

Sauber rasiert und mit gestutztem Bart stehen die drei auf der Bühne, jung wirken sie, die 30 Jahre wie weggewischt. Über der Bühne werden die Cover von Fishbones-Alben eingeblendet, Bilder vom Turmkeller, der so etwas wie die Kinderstube der Band war, und Anekdoten über Songs und Banderlebnisse erzählt. Selbstironisch und ohne nostalgische Verklärungen kommt das daher, gepaart mit einem musikalischen Querschnitt der vergangenen Jahre, dem im ersten Teil ein bisschen die Leidenschaft fehlt.

Mit der Gründung als Schulband sei 1987 "Phase eins" eingeläutet worden, erzählt Horn. Kostproben gibt es am Donnerstag, rotziger Hardrock, der Country-Klassiker "Rose Garden" aus dem "Turmkellerwahnsinn". Phase zwei begann mit dem Einstieg von Gitarrist Peter Horn 1991: Auftritte in Metropolen wie Aschaffenburg und Weißenburg; eine selbst organisierte Frankreichtour: Konzerte in Carcassonne, im Publikum ein Dutzend älterer Damen, Höhepunkt dann in einer Turnhalle. Ein einziger Zuhörer war gekommen, "und der auch nur, weil er mit der Garderobiere flirten wollte".

Der Durchbruch dann in Phase drei: Das Album "Viva Conputa" von 1999, mit einem Hit, den Tobi Neumann produziert hat, der am Donnerstag im Publikum sitzt: "Come To Sin". Horn erinnert sich an einen verrückten Auftritt im Münchner "Babylon" zusammen mit der Tölzer Stadtkapelle, an ein Open Air in Mainz vor 60 000 Leuten. Und an seine Exmatrikulation, weil einfach keine Zeit blieb für die Diplomarbeit. In Phase drei schien die internationale Karriere zum Greifen nah, geklappt hat es nicht. Die Bosse des Labels Universal Music kamen mit dem Humor der Fishbones nicht klar, verstanden keinen Spaß wenn es um ihr Flaggschiff John Denver ging, den die Fishbones im Song "Swimming Pool" persiflierten - "da war Schluss mit unserer Amerika-Karriere." Die drei sind auf dem Oberlandler-Boden geblieben und haben ihr Ding gemacht - Songs wie das wunderbare "Jimmi Corrigan" zum Beispiel, aus dem Album "36 m²", das so heißt, weil es im sechs mal sechs Meter kleinen Kellerübungsraum von Florian Rein in der Gaißacher Straße aufgenommen wurde. Von der Vielseitigkeit der Band kann man sich am Donnerstag einen guten Eindruck machen. Sie reicht von der Filmmusik zu "Die wilden Kerle", über eingängig-luftige Popsongs wie "Honeymoon", geradlinigem, manchmal düsteren Rock bis zu "Funky Rabbits" oder coolen Techno-Songs wie "Train", bei denen Peter Horn artifizielle Klänge aus dem Synthesizer zaubert.

Aktuell befinden sich die Fishbones in Phase vier, zu der auch das 2007 entstandene Album "When you pass by" gehört, dessen Titel Horn mit Buchstabennudeln gelegt und für das Cover fotografiert hat - eine experimentell-verspielte Phase, in der musikalische Zitate aus dem Handgelenk geschüttelt werden und "Honestly" wie aus dem Outer Space klingt. Denn Schlagzeuger Florian Rein hat ein "Ufo" mitgebracht - ein Marimbaphon, das er nach den vier Weihnachtskonzerten dem musischen Zweig des Tölzer Gymnasiums überlässt, der sich das dringend gewünscht habe. Wie immer gibt es musikalische Hommagen an verstorbene Kollegen des Jahres, an Chris Cornell, Tom Petty und Chester Bennington. Und einen Song der Fishbones-Lieblingsband The Cure, "Boys Don't Cry", als vierte Zugabe. Verheißungsvoll klingt ein Vorgeschmack auf ein neues Album, das es irgendwann geben soll: "I Like a Lot", ein vielschichtiger Wow-Song, der begeistert beklatscht wird und Vorfreude weckt auf Phase fünf. "Ab morgen wird's wieder heller", sagt Horn zum Abschied des Konzerts in der längsten Nacht des Jahres. "Aber egal ob hell oder dunkel, Schnee oder Regen - ihr wisst's es: Have an Easy Day."

© SZ vom 23.12.2017
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