Nach den erneut massiven Problemen im Bahnverkehr im bayerischen Oberland wendet sich der Wolfratshauser Landtagsabgeordnete Thomas Holz direkt an die Konzernspitze der Deutschen Bahn. In einem sechsseitigen Schreiben kritisiert der CSU-Politiker die Häufung von Streckensperrungen, Zugausfällen, Verspätungen, technischen Problemen und unzureichendem Schienenersatzverkehr. Die derzeitigen Probleme seien nicht mehr als bedauerliche Einzelfälle abzutun, schreibt Holz. „Was die Menschen im Oberland derzeit erleben, ist für die Deutsche Bahn ein Armutszeugnis. So darf es nicht weitergehen!“
Besonders verärgert zeigt sich der Abgeordnete für den Stimmkreis Bad Tölz-Wolfratshausen und Garmisch-Partenkirchen über die jüngsten Ereignisse auf der S-Bahn-Linie 7 zwischen München und Wolfratshausen. Trotz einer langfristig geplanten Sperrung zwischen Icking und Wolfratshausen und eines angekündigten Schienenersatzverkehrs strandeten am vergangenen Mittwochabend etwa 200 Fahrgäste in Icking. Teilweise mussten sie mehr als zwei Stunden warten, weil Ersatzbusse nicht kamen.
„Wie kann so etwas bei einer planmäßigen und damit lange vorher bekannten Streckensperrung passieren?“, fragt Holz. Wenn eine Strecke über Wochen gesperrt werde, müsse der Ersatzverkehr vom ersten Tag an zuverlässig funktionieren. Laut Bahn war ein Planungsfehler beim beauftragten Subunternehmer der Grund, weshalb keine Busse fuhren. „Dafür möchten wir uns ausdrücklich entschuldigen“, erklärt eine Unternehmenssprecherin. Inzwischen laufe der Ersatzverkehr auf der Strecke stabil.
Die Probleme beschränken sich nach Einschätzung des Abgeordneten nicht nur auf die S 7. Nach Problemen mit dem Schienenersatzverkehr zwischen Garmisch-Partenkirchen und Eschenlohe musste am 11. August erneut der Abschnitt zwischen Eschenlohe und Ohlstadt gesperrt werden. Einheimische, Pendler und Gäste waren dadurch von erheblichen Verzögerungen betroffen.
Die entscheidende Frage sei, weshalb die Infrastruktur derart anfällig ist
Holz betont, dass die Sicherheit der Fahrgäste und der Bahnmitarbeiter Vorrang habe. Wenn Gleisverformungen oder Absenkungen einen sicheren Bahnbetrieb nicht zuließen, müsse die Strecke selbstverständlich gesperrt werden. Die entscheidende Frage sei jedoch, weshalb die Infrastruktur derart anfällig sei. „Wir reden hier nicht über 45 oder 50 Grad und auch nicht über ein außergewöhnliches Wetterereignis, sondern über sommerliche Temperaturen von etwas mehr als 30 Grad.“ Wenn sich ein Bahndamm an sieben Stellen absenke und deshalb eine ganze Strecke gesperrt werden müsse, sei dies nicht hinnehmbar. Eine moderne Bahninfrastruktur müsse einen „normalen bayerischen Sommer verkraften können“.
„So wie bei aufweichendem Straßenasphalt, Niedrigwasser an Flüssen oder Beeinträchtigungen am Bau bedeutet die Rekord-Hitze der vergangenen Tage und Wochen eine Rekord-Belastung auch für die Bahntechnik und Bahninfrastruktur“, schreibt die Bahn in einer Stellungnahme. Hohe Temperaturen könnten Schienen und Gleisbett zu schaffen machen, da sich Stahl bei extremen Temperaturen dehnt. Dann müssen Strecken gesperrt werden oder dürften nur noch langsam befahren werden. Hitzebedingte Schäden versuche die Bahn so schnell wie möglich zu beseitigen.

Besonders problematisch sind für Holz, der auch tourismuspolitischer Sprecher der CSU-Landtagsfraktion ist, die Ausfälle während der Hochsaison. Garmisch-Partenkirchen, das Ammertal sowie das Werdenfelser und das Tölzer Land gehörten zu den wichtigen Tourismusregionen Bayerns. Kommunen, Tourismusverantwortliche und Gastgeber bemühten sich seit Jahren darum, mehr Gäste zur Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu bewegen. „Wie sollen wir Menschen vom Umstieg auf die Bahn überzeugen, wenn die Bahn selbst täglich neue Argumente dafür liefert, lieber das Auto zu nehmen?“, fragt Holz.
Die Folgen beträfen nicht nur das Image der Deutschen Bahn. Negative Erfahrungen bei der Anreise könnten auch auf die Urlaubsregion zurückfallen. Zudem seien Gastgeber, Gastronomie, Einzelhandel und andere touristische Leistungsträger betroffen. Für Pendler, Schüler, Auszubildende und ältere Menschen bedeuteten die Ausfälle verlorene Zeit, verpasste Anschlüsse, zusätzliche Kosten und Frust.
„Ich erwarte keine Textbausteine, sondern konkrete Antworten“
Für Holz ist vor allem die Häufung der Probleme entscheidend. Betroffen seien derzeit die S 7 zwischen Icking und Wolfratshausen, die Werdenfelsbahn, die Kochelseebahn sowie die Strecke zwischen Murnau und Oberammergau. „Das Problem ist inzwischen das Gesamtbild. Und dieses Gesamtbild ist verheerend“, sagt der Abgeordnete.
In seinem Schreiben fordert Holz von der Deutschen Bahn konkrete Antworten zum ausgefallenen Ersatzverkehr, zu den wiederholten Streckensperrungen und zum Zustand der Infrastruktur. Außerdem will er wissen, welche Investitionen und Sanierungsmaßnahmen im Oberland geplant sind – einschließlich konkreter Zeitpläne und Verantwortlichkeiten. „Ich erwarte keine Textbausteine, sondern konkrete Antworten und konkrete Maßnahmen“, erklärt Holz. Die Konzernspitze müsse die Situation im Oberland zur Chefsache machen.
Nach eigenen Angaben arbeitet die Bahn daran bereits nachdrücklich an Verbesserungen – auch im Hinblick auf Verlässlichkeit und Planbarkeit. Dieses Ziel sei „nur mit konsequenten Investitionen ins Schienennetz – wie in den vergangenen Jahren an vielen Strecken im Oberland“ zu erreichen.

