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Drei neue Stopps:Die S7 nach Geretsried verspätet sich um zwei Jahre

Die Bahn will den ersten Zug womöglich 2028 fahren lassen - aber auch das ist noch ungewiss. Die Kosten steigen auf 200 Millionen Euro. Immerhin soll Wolfratshausen während des Baus nicht abgehängt werden.

Von David Costanzo und Alexandra Vecchiato

Dutzende Bürger kamen zur S-7-Sondersitzung des Kreistags und der Stadträte von Wolfratshausen und Geretsried in die Loisachhalle.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Die Verlängerung der S7 nach Geretsried wird teurer, die Bauarbeiten werden die Wolfratshauser stärker belasten und der erste Zug wird womöglich noch etwas später fahren als bislang bekannt. Die Bahn rechnet damit, die Strecke 2027 oder 2028 fertigzustellen. Das sind im schlimmsten Fall zwei Jahre später, als noch im vergangenen Jahr erwartet, und immer noch ein Jahr später, als auf einem Plan des bayerischen Verkehrsministeriums verzeichnet, der erst vor wenigen Tagen bekannt wurde. Die Kosten taxieren die Verantwortlichen nun auf rund 200 Millionen Euro.

Selbst hinter das Jahr 2028 machen die Planer ein Fragezeichen. "Aber auch hier müssen wir erstmal schauen", erklärte der Projektleiter der DB Netz, Michael Hatzel, bei der gemeinsamen Sitzung des Kreistags und der Stadträte von Wolfratshausen und Geretsried am Mittwoch in der Loisachhalle. Gesetzt sei der erwartete Baubeginn Anfang 2024. "Wie lange wir bauen, ist aus heutiger Sicht schwer zu sagen." Das hänge davon ab, welche Vorgaben das Eisenbahnbundesamt im Planfeststellungsverfahren mache.

Die Verspätung werde nicht durch den Bau der zweiten Stammstrecke in München verursacht. Vor allem die Opposition im Landtag hatte immer wieder spekuliert, dass die Planer von Bahn und Freistaat damit ausgelastet seien. "Wir haben ausreichend Ressourcen", sagte Hatzel. Alle Planer und Gutachter seien vor dem Beschluss zur zweiten Röhre in der Landeshauptstadt beauftragt worden. Der Bau verzögere sich, weil nach dem Bürgerentscheid von 2010 in Wolfratshausen der Tunnel geplant werden musste und zwischenzeitlich vor allem der Umweltschutz verschärft wurde. Biologen und Spezialisten müssten buchstäblich ins Feld gehen, um das Vorkommen von Scheckenfalter und Haselmaus zu kartieren. Es handle sich eher um eine Neu- als um eine Umplanung. Die Kostensteigerung auf rund 200 Millionen war zu erwarten, da die bisher angegebenen 167 Millionen Euro aus dem Jahr 2009 datieren.

Den Bau erklärte Konrad Daxenberger vom Münchner Ingenieurbüro Lahmeyer. Zunächst werden die mehr als ein Meter dicken Wände des künftig tiefergelegten Bahnhofs in den Boden getrieben, ein Deckel wird darauf gesetzt und erst dann das Erdreich darunter ausgehoben. Der Bau werde "voll ins Grundwasser" gehen, das sich zehn bis 60 Zentimeter aufstauen könnte - weswegen es das Bauwerk in Rohren umfließen soll, so genannten Dükern. "Wir werden eine riesengroße Baustelle haben", sagte Daxenberger, der wie Hatzel betonte, nichts beschönigen oder verheimlichen zu wollen. An der Königsdorfer Straße werde es zusätzlich eine zweite, große Baustellenzone geben. "Es wird Beeinträchtigungen geben, es wird laut, es werden Lkws fahren", sagte Hatzel.

Immerhin werde Wolfratshausen während der Bauarbeiten voraussichtlich nicht von der S-Bahn abgehängt. Auf Nachfrage erklärten die Planer, einen Ersatzbahnsteig am Industriegleis zu planen. Und schon im kommenden Jahr würden Bahnsteig und Gleise ausgebessert. Das habe aber nichts mit der S-7-Verlängerung zu tun.

© SZ vom 27.07.2017
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