Europäische Geschichte:"Das Badehaus ist ein Lernort"

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Europäische Geschichte: Dreifache Unterstützung fürs Badehaus: Ministerpräsident a.D. Edmund Stoiber, Landtagsvizepräsident Karl Freller und der Landtagsabgeordnete Martin Bachhuber mit Sybille Krafft, Vorsitzende der Bürger fürs Badehaus.

Dreifache Unterstützung fürs Badehaus: Ministerpräsident a.D. Edmund Stoiber, Landtagsvizepräsident Karl Freller und der Landtagsabgeordnete Martin Bachhuber mit Sybille Krafft, Vorsitzende der Bürger fürs Badehaus.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Landtagsvizepräsident Karl Freller sichert dem Föhrenwald-Waldramer Museum "breite Unterstützung" zu und kündigt Kooperationen mit der Bayerischen Gedenkstättenstiftung an.

Von Felicitas Amler

Ein Erinnerungsort, eine Gedenkstätte, aber durchaus auch ein Lernort: So sieht Karl Freller das Badehaus in Waldram, dem früheren Föhrenwald. Diese Einschätzung des Vorsitzenden der Stiftung Bayerische Gedenkstätten könnte für den Trägerverein, die Bürger fürs Badehaus, von großer Bedeutung sein. Denn sie haben in Freller neben dem Bad Heilbrunner Landtagsabgeordneten Martin Bachhuber und dem früheren bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (alle drei CSU) einen weiteren einflussreichen Unterstützer. Die drei haben das Badehaus am Donnerstag besucht und sich von der Vorsitzenden Sybille Krafft historische und museumsspezifische Details erklären lassen.

Der zweite der drei thematischen Räume im Erdgeschoss des Badehauses war für den Besuch von zentraler Bedeutung. Dort wird die Geschichte von Föhrenwald als Lager für jüdische Displaced Persons (DP) gezeigt, aber auch der Todesmarsch der Dachauer KZ-Häftlinge. Krafft schilderte eindringlich, dass dies der Bezug Föhrenwalds zu Dachau sei. Denn einige der im berüchtigten Todesmarsch geschundenen Menschen wurden bei Wolfratshausen befreit und fanden im ehemaligen Rüstungsarbeiterlager Föhrenwald ihren ersten Zufluchtsort. Krafft betont an dieser Stelle stets, man müsse sich das vorstellen: Hier hätten die gepeinigten Menschen ihre ersten Tage in Freiheit erlebt; zum ersten Mal etwas zu essen bekommen, sich im Bad - das später eine Mikwe werden sollte - waschen können.

Karl Freller hat verstanden: "Der Todesmarsch und das Ankommen hier, das ist die Verknüpfung mit Dachau", sagte er der SZ nach dem Rundgang. Der Stiftungsvorsitzende und Vizepräsident des Landtags betonte, er sei sehr beeindruckt davon, was die "Bürger fürs Badehaus" geleistet hätten. "36 000 Stunden ehrenamtlich, haben wir gerade gehört." Dies sei ein großartiges "Zeichen der Zivilgesellschaft". Das Museum sei nicht nur inhaltlich und optisch, sondern auch pädagogisch sehr gelungen. Wichtig, gerade im Hinblick auf Schulklassen, seien die ausgestellten Originale, wie er überhaupt die "Illustration sehr professionell" finde.

"Der Lernort Badehaus hat eine breite Unterstützung verdient", sagte Freller. Die Gedenkstättenstiftung sei zwar ausschließlich für die beiden ehemaligen Konzentrationslager Dachau und Flossenbürg samt den vielen Außenlagern zuständig. Aber Landtag und Kultusministerium könnten für eine kontinuierliche Förderung des Badehauses sorgen. Freller erinnerte an den projektbezogenen Zuschuss von 100 000 Euro, den Freie Wähler und CSU im Landtag dem Erinnerungsort aus den sogenannten Fraktionsreserven gewährt hatten. Diese Summe gelte es über das Kultusministerium "zu verstetigen", so Freller, und gelegentlich auch zu steigern. Bachhuber sei ja Mitglied des Haushaltsausschusses und stehe dem Haus ebenso wie Stoiber wohlwollend gegenüber.

Freller kündigte außerdem an, sich dafür einzusetzen, dass das Kultusministerium Lehrerstunden für Schulklassen-Besuche des Badehauses freigibt, wie dies in Dachau für die KZ-Gedenkstätte gilt. Er könne sich auch eine "enge Kooperation" der Gedenkstättenstiftung mit dem Waldramer Erinnerungsort vorstellen: "Austausch, Informationen, Material, auch Kooperationsveranstaltungen." In Bayern habe es nach dem Zweiten Weltkrieg DP-Lager für insgesamt 100 000 Menschen gegeben: "Aber wenige hatten diese Bedeutung."

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