Neuer Sitzungssaal Zwischen Magistrat und Aufsichtsrat

Monitor, hohe Lehnen, Lichtkonzept: Der neue Sitzungssaal im Rathaus macht viel her - kommt aber teurer als geplant

Von Klaus Schieder, Bad Tölz

Vor der Generalsanierung des Rathauses saß der Tölzer Stadtrat im alten Sitzungssaal eng beieinander, schwitzte im Sommer, fror im Winter. Während der Bauarbeiten, die Anfang 2015 begannen, war es im Schulungssaal der Feuerwehr klimatisch zwar besser, ansonsten aber ziemlich provisorisch. Im neuen Sitzungssaal, den sie am Dienstagabend mit der ersten Sitzung einweihten, tagen die Stadträte jetzt wie eine Mischung aus Magistrat und Aufsichtsrat: Die Lehnen der anthrazitfarbenen Stühle ragen fast über die Köpfe hinaus, ein großer Bildschirm flimmert auf der Wand der Stirnseite, jeder Mandatsträger hat im Oval zu seinem Tischnachbarn mehr Platz, das Gremium ist nun etliche Meter von den Zuschauerreihen entfernt.

Alles nicht mehr so eng: Den neuen Saal im Rathaus haben die Tölzer Stadträte in ihrer letzten Sitzung vor der Sommerpause eingeweiht.

(Foto: Manfred Neubauer)

Der neue Saal mache schon etwas her, sagte Zweiter Bürgermeister Andreas Wiedemann (FWG). Er vertrat Rathauschef Josef Janker (CSU), der vor knapp zwei Woche an der Hüfte operiert wurde. "Wir sitzen hier ein bisschen weiter auseinander, die Distanz ist größer, aber hoffentlich bloß räumlich", sagte Wiedemann. Ein Besonderheit ist das Lichtkonzept des Designers Christian Späth und der Tölzer Firma Seebacher: Während Wiedemann sprach, wechselte die Beleuchtung von einem warmen Weiß in ein noch wärmeres Rot. Auch ein bläulicher Ton ist möglich. "Es ist aber nicht so, dass wir damit wieder wachgerüttelt werden müssen", scherzte Wiedemann. Ob rot, grün, schwarz oder welche Parteifarben es sonst noch gebe, das spiele keine Rolle: "Wenn es blinkt, wissen Sie, dass man bei einem Diskussionsthema mit Licht Einigkeit schaffen muss." Die Farben sollen indes nicht bloß im Stadtrat, sondern auch bei anderen Abendveranstaltungen im neuen Saal für Atmosphäre sorgen.

Die Aussicht von der Terrasse neben dem neuen Saal genießt Kurdirektorin Brita Hohenreiter.

(Foto: Manfred Neubauer)

Die Sanierung dürfte noch bis Ende des Jahres dauern. Während der neuere Trakt, der für den Sitzungssaal unterm Dach um eine Etage aufgestockt wurde, so gut wie fertig ist, wird nun der denkmalgeschützte Altbau saniert. Die Renovierung, die energetisch dringend nötig war, kommt teurer als geplant und könnte knapp zehn Millionen Euro verschlingen. Dennoch: "Wir sind alle froh, dass wir wieder im Rathaus sind", so Wiedemann.