Der Übergang vom Kindergarten in die Grundschule ist für Kinder nicht immer einfach. Damit der Start im Klassenzimmer gelingt, müssen sie sich in Bayern einer Untersuchung unterziehen, die zwischen einem Jahr und drei Monaten vor dem Schulbeginn stattfindet. Das ändert sich jetzt. Der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen führt in diesem Herbst die sogenannte „reformierte Schuleingangsuntersuchung“ ein. Eingeladen werden dazu Mädchen und Buben, die zwischen 1. Oktober 2019 und 30. September 2020 geboren sind. Sie sind also ein Jahr jünger, als es bislang der Fall war.
Ziel sei es, „bei Bedarf eine frühzeitige Unterstützung zu bieten, um den erfolgreichen Übergang in die Schule zu fördern“, erklärt Marlis Peischer, Sprecherin des Tölzer Landratsamtes. Am Zeitpunkt und am Alter für die Einschulung ändere sich dadurch jedoch nichts. Bei der Begutachtung gehe es weniger darum, ob ein Kind schulfähig sei oder nicht. Vielmehr stehe im Fokus, ob es Hilfen für den Übertritt vom Kindergarten in die Schule benötigt.
Die Vorverlegung des Termins ist neuen Erkenntnissen geschuldet. Zeigen ein Mädchen oder ein Bub noch Rückstände in der Entwicklung, reichten drei bis zwölf Monate oftmals nicht aus, um diese bis zum Schulstart per Förderung aufzuholen, sagt Peischer. „Lesen, Schreiben und Rechnen sind zentrale kulturelle Fähigkeiten.“ Etwa jedes achte Schulkind in Deutschland habe allerdings eine für den Unterricht relevante Lese-, Rechtschreib- oder Rechenschwäche.
„Diese Störungen nehmen immer wieder einen chronischen Verlauf und können mit der Entstehung von Verhaltensstörungen einhergehen“, erklärt Peischer. Sogenannte Vorläuferfähigkeiten des Lesens, Schreibens und Rechnens würden im Kindergartenalter erworben und seien in diesem Alter auch erfassbar. Es gebe viele kindgerechte Möglichkeiten, diese zu üben. Besonders kritisch seien außerdem auch Beeinträchtigungen des Sehens oder Hörens, „für deren Behandlung es eine sensible Phase in der frühen Kindheit gibt“.
Es gehe nicht darum, eine Prüfung zu bestehen, sondern im Bedarfsfall Hilfen zu mobilisieren
Das neue Konzept umfasst zwei Aspekte: Künftig wird auch die Fertigkeit eines Kindes, die Techniken des Rechnens zu erwerben, unter die Lupe genommen, ebenso die visuelle Wahrnehmung (Gesehenes richtig verarbeiten) und die Grobmotorik (große Bewegungsabläufe wie Gehen oder Hüpfen); außerdem wird eben der Untersuchungszeitpunkt um ein Jahr vorverlegt, die Kinder sind dann zwischen vier und fünf Jahre alt.
„Alle Testbereiche sind an das jüngere Alter der Kinder angepasst“, teilt die Sprecherin des Landratsamtes mit. Mit der reformierten Untersuchung will man frühzeitig Entwicklungsverzögerungen oder körperliche Einschränkungen erkennen, familiäre oder professionelle Förderung anregen, und bei Bedarf auch dabei helfen, diagnostische und unterstützende Maßnahmen veranlassen. Es gehe also nicht darum, eine Prüfung zu bestehen, sondern im Bedarfsfall Hilfen zu mobilisieren, sagt Peischer.
Das Konzept der Schuleingangsuntersuchung wurde bei dem Pilotprojekt „Gesundheits- und Entwicklungsscreening im Kindergartenalter“ (GESiK) erprobt. Bis 2027 soll es in Bayern flächendeckend umgesetzt werden. Im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen erhalten die Eltern die Einladung zur Untersuchung beizeiten vom Gesundheitsamt.


